Dunkel und enigmatisch ist der neue Murakami, anspielungsreich und voller Querverweise. In Japan hat das Buch sämtliche Verkaufsrekorde gebrochen, über zwei Millionen Exemplare wurden aus dem Stand verkauft. Es ist ein verschachteltes, mehr als tausend Seiten starkes Buch, das auf verschiedenen Ebenen funktioniert.
Da ist die souveräne Martial-Arts-Kämpferin Aomame, die im Auftrag einer alten Dame Männer tötet, die Frauen missbraucht haben. Aomame gerät auf dem Weg zu einem Mord vom Jahr 1984 ins Paralleljahr 1Q84. Da ist Tengo, mit dem die liebesunfähige Aomame gemeinsam zur Schule ging und mit dem sie einen Moment der reinen Liebe teilte. Tengo ist Miterschaffer der Parallelwelt 1Q84, er schreibt mit der Tochter eines Sektenführers an einem Roman im Roman: "Das leere Gespinst" heißt er, auf die Luftkokons der Little Pople anspielend. "Ich frage mich ständig, ob die Welt, in der ich mich jetzt gerade befinde, die wirkliche Welt ist", sagte Haruki Murakami einmal.
1Q84 ist das Werk, dass Murakami selbst als sein "größtes Buch" bezeichnet. In ihm finden sich alle Motivstränge, derer sich Murakami in seinen Romanen der vergangenen dreißig Jahre bedient hat: die Parallelwelten, Halluzinationen und persönlichen Apokalypsen. Vor allem aber die Zweiteilung, unter der der moderne Mensch leidet: Mann und Frau, Beziehung und Sex, Wunsch und Realität. Und die Überwindung dieser Widersprüche durch die heilende Kraft der Liebe.
Ein ebenso verstörendes wie großartiges Buch, das federleicht in Abgründe führt.
Den einzigen Abzug in der Wertung gebe ich für die Länge des Buches. Die insgesamt über 1.000 Seiten ziehen sich an manchen Stellen doch ganz schön. Hätte man gewiss auch kürzer fassen können ohne dass dem Buch etwas gefehlt hätte.
Ist allerdings nur meine subjektive Meinung. Wen die Länge des Buches nicht stört, kann meine Rezension daher ruhigen Gewissens als eine 5-Sterne-Wertung ansehen.
Wer Murakami mag, wird dieses Buch lieben.