Aller Anfang ist schwer, da machen auch die Mannen um Subway to Sally keine Ausnahme. Beim Debütalbum scheint die Band noch ein wenig unentschlossen: eine Kombination aus deutschem und englischem Gesang, verschiedene, teils merkwürdige Songstrukturen und ein Mischmasch aus den unterschiedlichsten Stilrichtungen lassen die Frage aufkommen, ob STS den Musikliebhabern durch eine gehörige Portion Abwechslung entgegenkommen wollen, oder ob sie sich noch auf dem Weg der Selbstfindung befinden. Doch egal welche These die richtige ist: „Album 1994" hat einen gewissen, unbestreitbaren Charme...
Songs wie „Bonnie Johnny Lowrie", „The Keach In The Creel", „Barleycorn" oder auch der fetzige, bitterböse Track „Die Braut" sind von einer Energie bestimmt, die seinesgleichen sucht. Viele Tracks sind so mitreißend, dass es einem schwer fällt, still sitzen zu bleiben. Man wird oftmals förmlich dazu aufgefordert, das Tanzbein zu schwingen und parallel dazu sorgen Songs wie „Traum vom Tod" für eine schöne, melancholisch angehauchte Atmosphäre. Dabei stehen stets die mittelalterlichen Klänge im Vordergrund, wobei sich auch viele Folk- und Countryelemente vorfinden.
Wem das Album nicht auf Anhieb nicht gefällt, der braucht sich nicht zu wundern, denn nach dem ersten Durchhören hätte ich „Album 1994" sicherlich nicht mit mehr als zwei Sternen bewertet. Das liegt wohl vor allem daran, dass STS-Anhänger, die bereits Goldstücke wie „Foppt den Dämon!" oder „Bannkreis" ihr Eigen nennen können, einen wesentlich höheren Erwartungsmaßstab haben, als STS-Neulinge. Und es ist nun mal so, dass das Debütalbum das schlechteste der Band ist, auch wenn es eigentlich gar nicht schlecht ist. Die Soundqualität ist nicht die beste und auch die englischen Texte sind gewöhnungsbedürftig, doch wer diese Art von Musik liebt, wird kaum Probleme damit haben, sich mit dem Album anzufreunden.
Eigentlich hätte die Platte 3,5 Sterne von mir bekommen, da ich zwischen drei und vier geschwankt habe. Aber wenn man die anderen superben Alben der Band berücksichtigt, dann wären vier Sterne doch zuviel. Wem der englischsprachige Gesang von Eric Fish nichts ausmacht und wer sich mit der teils unsauberen Technik anfreunden kann, dem kann ich das Album uneingeschränkt empfehlen. Und nicht verzagen, wenn es nicht von Anfang an gefällt: Wer STS und ihre Musik mag, der wird spätestens nach dem dritten Durchhören feststellen, dass „Album 1994" ihn in seinen Bann gezogen hat.
Anspieltipps: „Die Braut", „ Bonnie Johnny Lowrie", „But We Don't Know"