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15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Schockierende Realitätsnähe in einer Zukunftswelt, 29. Oktober 2009
Während mir das Verhalten der Tiere in der Parabel Farm der Tiere von George Orwell noch lustig vorkam, verschwand meine Heiterkeit bei dieser Lektüre komplett.
George Orwell hat mit diesem Zukunftsroman eine ziemlich düstere Welt geschaffen.
Diese Welt ist aufgeteilt zwischen drei Supermächten: Ozeanien, Eurasien und Ostasien, die sich ständig untereinander im Krieg befinden.
Die Ordnung des totalitären Staates Ozeanien besteht aus Arbeit und Unterdrückung. Persönliche Meinungen und Eigentum sind verboten, jeglicher Freiheitsdrang wird gewaltsam ausgetrieben.
Die Struktur Ozeaniens ist auf einer Ideologie aufgebaut, die auf der Veränderlichkeit der Vergangenheit beruht. Die ganze Historie vor der Revolution ist ein Palimpsest, das genau so oft umgeschrieben und neu beschriftet wird, wie man es braucht. In der dermaßen kontrollierten Welt von 1984 wurde die Vergangenheit getilgt, die Tilgung wurde vergessen, die Lüge wurde zur Wahrheit.
Außer der Erinnerung derer, die die Revolution miterlebt haben, existiert keine schriftliche Aufzeichnung oder eine mündliche Überlieferung, die eine andere Konstellation erwähnt als die gegenwärtig aktuelle. Eine geschichtliche Entwicklung dieser ganzen Epoche nachzuspüren ist unmöglich. Man weiß nicht mehr, wie viel von der Vergangenheit, die mittlerweile schon als Legende bezeichnet wird, stimmt und wie viel davon erfunden ist.
Den gesamten Regierungsapparat Ozeaniens bilden vier Ministerien. Ich erwähne hier nur eines: Das Ministerium für Liebe, das Gesetz und Ordnung aufrechterhält. Diese neue Ordnung bestimmt über die Liebe der Hauptprotagonisten Julia und Winston.
Ein Paar, das nicht mal ein wenig Hoffnung haben darf, denn die alte Zeit, in der es noch eine Privatsphäre, Liebe und Freundschaft gab, gibt es nicht mehr.
In der neuen Zeit gibt es weder Liebe noch Lust. Kein Gefühl ist mehr rein, denn alles ist zersetzt durch Angst und Hass. Über die Möglichkeit zu heiraten, können Julia und Winston nicht mal diskutieren. Er wünscht sich, sie hätten einen Ort, wo sie miteinander allein sein können. Winston wünscht sich so sehr, sie könnten ein altes Ehepaar werden.
Die beiden zusammen haben mich sehr berührt. Deshalb war ich ziemlich geschockt, als die Geschichte einen tragischen Verlauf genommen hat.
Bei der Vorstellung, diese utopische Zeit könnte für uns Realität werden, bekam ich ein beklemmendes Gefühl in der Magengegend. Hoffentlich müssen wir so eine Zeit, in der nur Dunkelheit herrscht, in unserer Zukunft nie erleben.
Am schlimmsten fand ich die sogenannten Säuberungswellen der 50er und 60er Jahre, die Tausende von andersdenkenden Menschen, die das Missfallen der Partei des Großen Bruder erregt hatten, erfasste, und man hörte nie wieder etwas von ihnen.
Das Buch überzeugt durch seine schockierende Realitätsnähe. Die bedrückende Stimmung des Nachkriegsjahres 1948 hat George Orwell zum Schreiben angetrieben. Er trifft genau das Gefühl der damals herrschenden Hilflosigkeit.
1984 wird immer aktuelles Buch sein. Es gehört wie Farm der Tiere zu den Klassikern und sollte gelesen werden!
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73 von 80 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der gläserne Mensch, 19. Juni 2005
Dieses Buch ist ein oft zitierter Klassiker, auf den selbst in politischen Debatten des Öfteren angespielt wird. 1984 beschäftigt sich vor allem mit politischen Themen, wie Diktatur, persönlichen Freiheiten, Nationalsozialismus, geschichtlicher Manipulation, dem Einfluss des Staates auf Medien, Zensur, ständige Überwachung und Eingriffen in die Privatsphäre. Selbst in der heutigen Zeit haben diese Themen noch eine hohe Aktualität und vor allem die Diskussionen über Datenschutz und justizlich genehmigte Überwachung greifen auf den so genannten „gläsernen Menschen" zurück.Im Mittelpunkt von 1984 steht das Mitglied der inneren Partei Winston, ein Mann Mitte dreißig. Es ist eine düstere Welt in die uns George Orwell hier entführt. Eine Welt ohne große Hoffnungen, die Welt des großen Bruders, von dem es keine Beweise gibt, dass er wirklich existiert. Winston führt ein Leben in der ständigen Gewissheit selbst bei der geringsten kritischen Äußerung sofort bestraft zu werden. Keiner ahnt wie weit Winston bereit ist zu gehen, sofern sich ihm die Möglichkeit bietet. Es beginnt ganz unscheinbar mit einem Tagebuch und endet schließlich in einem der schlimmsten Verbrechen, die ein Mensch in der Welt des großen Bruders begehen kann, einem Gedankenverbrechen. Auf dem Weg dorthin begegnet er einem Mädchen namens Julia, welches er zunächst für seine schlimmste Feindin hält. Doch eine zufällige Begegnung bringt die beiden näher zusammen und lässt sie schließlich sogar ein paar werden, doch das Glück der beiden wehrt nicht lange, denn auch das ist ein Verbrechen. Schlussendlich führt sie die Geschichte in das Ministerium der Liebe, in Neusprache Minilieb genannt. Wo die finale Auseinandersetzung, das Brechen stattfindet. Ein Buch das jede Empfehlung wert ist. Jeder der sich schon immer mal dafür interessiert hat, was es mit dem gläsernen Menschen und dem großen Bruder oder Big Brother auf sich hat, der sollte sich hier einlesen. Für anspruchsvolle kritische Unterhaltung ist gesorgt.
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45 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
(Leider) einer der besten SciFi's aller Zeiten, 24. März 2003
"Big Brother is watching you" ist nicht erst seit der Big Brother-Show ein weltberühmtes Schlagwort. Es stammt aus diesem Klassiker. Dieses düstere Zukunftsszenario stammt aus dem Jahr 1948 - George Orwell hat damals die Jahreszahlen einfach umgedreht und über 1984 geschrieben. Faszinierend ist, dass wir heute als Leser prüfen können, inwieweit sich seine Visionen bewahrheitet haben. Dabei geht es nicht um technische Entwicklungen à la Jules Verne - davon ist die Welt weit entfernt - sondern George Orwell beschäftigt sich ausschließlich mit der Entwicklung der Gesellschaft - dargestellt am Alltagsleben und später dem Widerstand seines Protagonisten Winston Smith. Diese Zukunft sieht wie gesagt düster aus - Politik und Partei sind übermächtig, es herrscht eine totale Kontrolle und Überwachung der Menschen. Krieg ist alltäglich und wird inzwischen aus Selbstzweck geführt. Kritische Menschen werden gezielt ausgelöscht ("vaporisiert"). Am einfachsten leben diejenigen, die die Lügen der Partei kritiklos hinnehmen. Der Großteil der Bevölkerung, die Proles, nimmt die Kontrollen allerdings nur begrenzt war, da der breiten Masse ein gewisser Rahmen aus Klatsch, Sportprogramm und Lügen vorgegeben ist, in dem sie sich bewegen darf und innerhalb dessen sie sich relativ "frei" fühlt. Besonders bitter ist, wie exakt Orwell insbesondere den Zustand der späteren kommunistischen und diktatorischen Systeme vorausgesehen hat, z.B. der DDR mit ihrer Propaganda, Planwirtschaft und Stasi-Überwachung. Gerade unsere derzeitigen politischen Entwicklungen zeigen aber, dass auch die demokratischen Regierungen zu solchen Machtszenarien tendieren - das von den Wünschen der Mehrheit losgelöste Handeln der Politiker, die kaum kontrollierte Überwachung von Telefonen, Handys, Emails durch NSA, Lauschangriff usw. sind bereits Realität. Auch der Leitspruch von Orwell's Großer Partei "Krieg ist Frieden" erinnert frappierend an Bushs widersprüchliches "Wir führen Krieg, um Frieden zu haben". Hier wurden und werden Visionen Orwells (leider) zur Realität. Das Buch ist bedrückend und faszinierend zugleich, da man zwangsläufig zu der Frage kommt, wie frei wir eigentlich selbst heute noch sind. Politisch Uninteressierte sollten gewarnt sein, da das Buch längere Passagen zu gesellschaftstheoretischen Überlegungen enthält und dadurch etwas trocken wirken kann. Für mich ist ist es der beste Science Fiction-Roman aller Zeiten.
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