Die Stimmung ist aufgeheizt und nur wenige Autoren verstehen es, das Ausrasten einer Gesellschaft, das Überbordwerfen jeglicher Vernunft so in Sprache zu hüllen wie David Peace. Wenn die Angst umherschleicht, wachsen Mißtrauen und gegenseitige Beschuldigungen, verfällt man leicht einer falschen Spur und beharrt uneinsichtig auf seiner Sicht der Dinge. Wenn dann noch ein Mann von außen der örtlichen Polizei vor die Nase gesetzt wird, kommt es dazu, dass der Apparat sich selbst hemmt, vor allem wenn dieser wie Peter Hunter Staub aufwirbelt, die Korruption bloßlegt. Vielleicht ist dieser Roman von den vier Bänden über den Yorkshire Ripper trotz seiner Hitze der Bedächtigste von allen. Die Erzählstränge fliegen nicht so sehr durcheinander wie in 1983. Man begleitet Hunter auf seiner Tour de Force von Verhör zu Verhör, spürt seine Ohnmacht angesichts der Knüppel nach, die ihm zwischen die Beine geworfen werden, und fiebert mit, wenn er selber in Todesgefahr gerät. Peace zeigt eine englische Gesellschaft, die sich ihres wichtigsten Grundzugs beraubt hat: der Gemeinsamkeit. Jeder kämpft gegen jeden. In so einer Atmosphäre ist es nicht weit bis zum bloßen Aufschrei, den erstbesten Verdächtigen, einfach an die Wand zu stellen. 1980 zeigt eine Gesellschaft im Ausnahmezustand, in der sich eine Handvoll Menschen die Freiheit herausnehmen, das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen, das Recht so zu interpretieren, dass es passt. Neben der Sprache ist es sicher Peace besonderer Verdienst für diesen Chor an unterschiedlichen Stimmen, eigene, ganz verschiedene Töne gefunden zu haben.