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1979: Roman [Gebundene Ausgabe]

Christian Kracht
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (49 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

24. September 2001
Sechs Jahre nach Faserland - Der lang erwartete zweite Roman von Christian Kracht Teheran 1979: Die Stadt liegt in einem schwer durchschaubaren Taumel, es ist der Vorabend der islamischen Revolution - des Aufstandes der Anhänger Ajatollah Khomeinis gegen den Schah und sein westliches Regime. Der Erzähler, ein junger deutscher Innenarchitekt, und sein hoch gebildeter, zynischer, gesundheitlich zerstörter Freund Christopher reisen zu der Musik von Devo und Blondie durch den Iran bis nach Teheran. Panzer stehen an den Straßenkreuzungen, doch die beiden Protagonisten sehen dies nicht. Sie unterhalten sich lieber über Herrensandalen und Bezüge von Sofakissen. Und deshalb kommen beide in die Hölle. In seinem Roman 1979 inszeniert der Autor in staubtrockenem Ton eine postmoderne Groteske, die seltsam verstörende Bilder hinterlässt. Vor allem aber ist es ein großartiges Stück deutschsprachiger Literatur, dessen Klang völlig eigenständig ist, bisher ungehört. In einer extrem disziplinierten, betörenden Sprache saugt Christian Kracht den Leser in eine Geschichte über das Ende der Zivilisation hinein. Es gibt kein Entkommen.

Wird oft zusammen gekauft

1979: Roman + Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten. Roman + Imperium: Roman
Preis für alle drei: EUR 53,84

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer&Witsch; Auflage: 4 (24. September 2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462030248
  • ISBN-13: 978-3462030242
  • Größe und/oder Gewicht: 21,3 x 13,4 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (49 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 58.305 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

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Christian Kracht reagiert angeblich allergisch auf das Wort "Pop". Komisch, denn immerhin hat er mit seinem Deutschlandreise-Roman Faserland vor sechs Jahren einen regelrechten Boom junger deutscher Popliteratur losgetreten. Inzwischen ist die Welle abgeflaut -- und es sieht so aus, als wolle nun niemand dabei gewesen sein. Sein Co-Modell Stuckrad-Barre macht ernste Literatur und der nach Bangkok exilierte Kracht schrieb eine ganze Weile nur Reiseglossen für die Welt am Sonntag.

Jetzt erscheint 1979, gewissermaßen das Come-back des Popliteraten wider Willen, ein erstaunliches Buch. Erstaunlich erst einmal, weil sich im Ton und in der Haltung auf den ersten Blick wenig geändert hat. Wieder geht ein obsessiv mit sich und seinen Kleidungsstücken beschäftigter "Ich-Ich-Ich-Erzähler" auf Reisen, nur diesmal eben nicht von Sylt an den Bodensee, sondern erst durchs revolutionsgeschüttelte Teheran und dann via Tibet nach China.

In Teheran dröhnt der Lärm von Panzern durch die Straßen, der Staatsstreich steht kurz bevor, doch der Erzähler interessiert sich vor allem für Innenarchitektur, insbesondere für "mit gestreifter brombeerfarbener Seide bezogene Empire-Chaiselongues". Krachts Blick auf die Welt ist der eines Dandys, der sich schnell einmal übergibt, wenn jemand im Park von "vier schwarzgekleideten bärtigen Männern" verprügelt wird und der sich sogar vor seiner eigenen Spucke ekelt. Für den deutschen Alltag zwischen Cocktailparty und Aldi-Kassenschlange war diese Wahrnehmung sehr produktiv, vor dem Hintergrund einer islamischen Revolution wirkt sie nur grotesk.

Natürlich wird es auf die Dauer langweilig, Kracht immerzu Nabelschau vorzuwerfen, und insofern ist es gut, dass der neue Roman auch eine existenziell-spirituelle Dimension bereit hält. Erst stirbt ein geliebter Freund, dann erhält die Hauptfigur von irgendwelchen Revolutionären den Auftrag, in China auf einen heiligen Berg zu steigen, um sich oder die Welt (so klar wird das nicht) zu heilen. Schließlich landet er in einem kommunistischen Straflager, wo ihn aber auch wieder hauptsächlich das Essen stört, das "heftige Blähungen" auslöst. Beim Lesen fragt man sich: Ist das Polit-Satire? Oder Literatur-Parodie? Wie gesagt: ein erstaunliches Buch, das einen ratlos zurücklässt. --Oliver Fuchs

Pressestimmen


Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2001
Dies sei gewiss nicht der beste, aber der "erstaunlichste Roman dieses Herbstes", befindet Hubert Spiegel im Aufmacher der Literaturbeilage. Gerade jetzt, da der Westen gezwungen werde, "sich selbst mit Augen zu sehen, die nicht seine eigenen sind", lasse Krachts Buch aufhorchen: eine "höhnische Parodie schöngeistiger Reiseliteratur", ein "Pamphlet gegen die Dekadenz und moralische Verrottung des Westens", eine "Auslöschungsfantasie". In Spiegels Augen erzählt der Roman, warum die Terrortaten radikaler Fundamentalisten nicht nur die islamische Welt faszinieren könnten. Denn was dem radikalen Islamisten ein letztes Mittel zur Errichtung seines Gottesstaates sei, diene dem "zynischen Ästhetizisten" als Mittel zur Negation der bestehenden Verhältnisse. Der "müde Ekel", mit dem Kracht Drogenexzesse und Jet-Set Rituale schildere, hat Spiegel zufolge allerdings selbst einen "dandyhaften Unterton". Mitunter hört Spiegel hier beim Ich-Erzähler sogar eine gegen sich selbst gerichtete Aggression heraus. Als unmittelbaren literarischen Bezugspunkt nennt der Rezensent Robert Byrons Reiseliteratur-Klassiker "Reise nach Oxanien", für dessen Neuausgabe 1980 Bruce Chatwin ein Vorwort geschrieben habe. Kracht habe Byrons Figurenkonstellation beibehalten, schreibt Spiegel, er lasse die Figuren aber "blind und taub" durchs Land reisen, "ignorant und hochmütig". Wo Byron dem Orientalismus fröne, sei Krachts Persien ein "schwarzer Spiegel, der dem Westen nichts offenbart außer der eigenen Ignoranz und Hässlichkeit".

© Perlentaucher Medien GmbH

Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 12.10.2001
Drückt er sich oder will er dem Autor nur nicht auf den Leim gehen? Gustav Seibt verweigert sich in seiner Kritik jeglicher moralischen Bewertung dieser Geschichte über einen Designer "von geringer Bildung", der - angeekelt von der eigenen Dekadenz - seine innere Freiheit erst als vollkommen Unterworfener in der Hölle eines chinesischen Arbeitslager findet. Der Rezensent nimmt die Geschichte vielmehr als Experiment über eine ästhetische Haltung: Mit dem Verzicht auf Individualität siegt in "1979" (dem Jahr, in dem der Schah gestürzt wurde) der "Einzelne mit seinem Schönheitssinn" über jene das Vulgäre verkörpernden Individuen, die 1968 und 1989 ihrerseits die Autoritäten besiegt hatten. Seibt widmet sich - so dem Autor folgend - in seiner Besprechung vor allem der ästhetischen Umsetzung des Ganzen. Kracht beginne seine Schilderungen der Partys in Teheran mit "orientalisierendem Tuntenbarock", spätere Schilderungen hätten gar einen "Stich ins Alberne". Immerhin: "in seinen besten Momenten" erzeuge Kracht die "spannungsvolle Kälte" der Nahost-Thriller Eric Amblers. Nach diesem Tiefschlag hätte Seibt eigentlich nicht mehr erwähnen müssen, dass er das Buch nicht ganz ernst nimmt. Noch vernichtender fällt seine Kritik an der Ausstattung des Bandes aus. Die "schöne kleine Bodoni" ist nur im Offset gedruckt und der Band nicht fadengeheftet: "Das erscheint unbegreiflich".

© Perlentaucher Medien GmbH

Buchnotiz zu : Frankfurter Rundschau, 10.10.2001
Ganz so dumm ist dieser Typ also doch nicht, hört man Elke Buhr zwischen den Zeilen sagen. Schon Krachts Debütroman "Faserland" galt als der beste unter den Werken der jungen deutschen Pop-Literaten, die von Talkshow zu Talkshow zogen und die "Unterwerfung aller Lebensfragen unter das Primat des Stils" proklamierten, so Buhr. Darum geht es ansatzweise auch in Krachts neuem Roman, der im besagten Jahr 1979 im revolutionären Teheran spielt, das in seltsamem Kontrast zu den zwei westlich dekadenten Dandys steht, die es dorthin verschlägt. Krachts einst Unsicherheit verratende Sprache sei der Klarheit und Präzision gewichen, lobt die Rezensentin. Der Protagonist agiere wie ein "offenes Fass", das alles aufsaugt, protokolliert, aber nicht rebelliert, auch nicht, als er nach einem heilsuchenden Trip durch Tibet vom chinesischen Militär aufgegriffen und in ein Arbeitslager gesteckt wird. Was dort vom Dandy übrig bleibt, so Buhr, ist nicht etwa sein Zynismus, seine Verachtung, seine Intelligenz, sondern bloß Blasiertheit und Indifferenz: "zwischen Dummheit und Zen".

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Perlentaucher.de

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
41 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Konsequente Weiterentwicklung von "Faserland" 19. November 2001
Format:Gebundene Ausgabe
Alles beginnt im Iran, Teheran, 1979. Dies verwundert nicht weiter, wer Krachts „bunten Bleistift" kennt, weiß um seine Affinität zum Orient und Nahen Osten. Es ist die Zeit des Umbruchs, der islamischen Revolution. Der Kriegszustand ist ausgerufen, und inmitten dieser Wirren der Zeit, agieren der Protagonist und sein -zu meiner Überraschung- schwuler Freund Christoph wie zwei Grotesken. Typisch Kracht steht die Politik hinten an, stattdessen werden Vorhänge kritisiert, Chaiselongues vom Ich-Erzähler und Innenarchitekten beschrieben. Wer die aus „Faserland" bekannte Barbourjacke sucht, wird nach nicht ganz zehn Seiten fündig, sie wurde lediglich durch ein Paar Berluti-Schuhe ersetzt, diese erfüllen aber ihren Zweck genauso gut, nämlich den Leser immer wieder an die Anfänge dieses wahnwitzigen Werkes zu erinnern. Das ist auch bitter nötig, denn was Kracht da in nicht einmal 180 Seiten zusammengeschrieben hat, wäre genug Stoff für andere Zeitgenossen, daraus eine sich über mehrere Jahrzehnte erstreckende Trilogie zu stricken. Ich danke Herrn Kracht für die Kurzfassung. Er bleibt sich -zumindest am Anfang- völlig Treu. Der geliebte, intelligente und hochzynische Freund des Erzählers und die ausschweifende Drogenparty, auf der die beiden in den ersten fünfzig Seiten landen ließen jedenfalls auf ein Remake von „Faserland" in Fernost vermuten, könnte doch der Verlauf der Feier genauso gut einer Szene des genannten Buches entnommen sein. Doch weit gefehlt. Ohne zuviel verraten zu wollen, wer ein von diesem Buch leichte Unterhaltung erwartet, dem wird spätestens im letzen Viertel das Lachen im Halse stecken bleiben. Und trotz der tragisch beschriebenen folgenden Ereignisse, die ich nicht so recht Kracht zuschreiben wollte bleibt es ein „echtes" Buch, made by C.K. Ein Feuerwerk überhöhter Ironie, eine Leichtigkeit und die Einfachheit der Sprache in Verbindung mit der paradoxen Geschichte stehen in einem grotesken Zusammenspiel und machen „1979" zu einem der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Wo andere Erzähler sich wortgewaltiger, blumiger Floskeln bedienen, um den Geschehnissen Tribut zu zollen, lässt der Kracht der Geschichte Luft, Platz zum Atmen, eine mysteriöse Ruhe liegt über den Ereignissen und der Leser darf sich selbst ein Bild der Geschichte machen. Und wenn man - wie ich - nach nicht ganz fünf Stunden intensiven Lesens das schlichte Buch beiseite legt, in einem Wechselbad der Gefühle, zwischen Schrecken, Empörung und Entzücken. - Der darf getrost wieder von vorne beginnen. Denn im Wissen um die späteren Ereignisse lassen die Hauptdarsteller in einem ganz anderen Licht dastehen, die Figuren wirken - im Gegensatz zum ersten Mal- schlüssig. Da passen die Details, die Lücken sind gefüllt. Für mich ist „1979" ganz klar eines der großen Werke der Gegenwartsliteratur.

Und wer nun aufgrund dieser Kritik über die Anschaffung nachdenkt, und zuvor keinen Kontakt mit dem Schreiben Krachts hatte, dem sei zuerst die Lektüre von „Faserland" ans Herz gelegt. Zum einen, weil das Erstlingswerk schon als Taschenbuch verfügbar, zum anderen, weil „1979" als konsequente Weiterentwicklung zu sehen ist. Doch Vorsicht: Kracht wird nicht erwachsen. Nur besser.

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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kafka trifft Hugo Pratt 23. Februar 2013
Format:Gebundene Ausgabe
Der Roman beginnt in Teheran im Jahr der islamischen Revolution. Als Touristen sind ein Innenarchitekt, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, und sein Lebensgefährte Christopher, obwohl sie sich schon lange nichts mehr zu sagen haben, in den Iran gereist. Christopher ist ein blasierter blonder Adonis, der sich auf einer Party im Norden der Stadt hemmungslos betrinkt und zukokst, durch eine Glastür stürzt und schließlich im Krankenhaus an seiner langjährigen AIDS-Erkrankung stirbt – nur dass im Jahr 1979 noch niemand die Krankheit kennt. Christophers Tod ist das Menetekel eines noch viel universelleren Zusammenbruchs.
Auf der Party ist es auch zum ersten Zusammentreffen des Protagonisten mit dem rätselhaften Rumänen Mavrocordato gekommen, der ihn mit esoterischen Einsichten verwirrt und in verschleierter Form auch den Tod Christophers voraussagt. Eine Kassette, die ihm untergejubelt wurde und Khomeini-Reden enthält, sorgt ebenfalls für Verwirrung. Doch die Polizei entlässt den Ich-Erzähler in die deutsche Botschaft, wo er die Formalitäten für den Todesfall regelt. Als er danach in einem Café von der nächtlichen Ausgangssperre überrascht wird, schleust ihn der Wirt durch einen unterirdischen Gang zu Mavrocordato, mit dem zusammen er nachts auf einem Gebäude eine Überwachungskamera in einen »hermetischen Zustand« versetzt, indem er sie mittels eines mitgebrachten Fernsehbildschirms, die er vor ihr aufstellt, sich selbst aufnehmen lässt. Schließlich regt Mavrocordato den Erzähler zur Umrundung des heiligen Berges Kailasch in West-Tibet an und gibt ihm auch das nötige Geld dafür. Der Ich-Erzähler könne so nicht nur von den Sünden eines Lebens reingewaschen werden, er würde auch etwas tun, »um das aus den Fugen geratene Gleichgewicht wiederherzustellen« (S. 117).

Der zweite Teil des Buches, der etwa ein Drittel des Textes ausmacht, widmet sich dann dieser bizarren Pilgerreise in die Einöde Tibets. Auftritte haben: ein wortkarger Führer, ein verrückter Mönch, ein zärtlicher Mönch und schließlich eine ganze Horde von Mönchen, mit denen gemeinsam er die Pilgertour um den Berg unternimmt, sich dabei ihren Ritualen anschließend (man wirft sich während der Umrundung fortwährend auf den Boden). Dann setzt das chinesische Militär den heiligen Verrichtungen ein jähes Ende. Die Katharsis des Erzählers verschiebt sich und erfolgt völlig anders als erhofft: nicht am Kailasch, sondern in einem Arbeitslager, in dem der illegal Eingereiste nach rücksichtslosem Verhör landet, nach Zumutungen durch Kälte und Durst, die der Verhaftete wie ein Hund an eine Heizung gefesselt zu erdulden hat. Das Ziel der Chinesen ist seine anti-imperialistische Umerziehung. Er wird also in ein monströses chinesisches Lager in der Wüste Lop Nor (Provinz Xinjiang) verbracht, wo er Löcher in den Wüstenboden graben muss, die karge Nahrung durch eiweißhaltige Maden aus dem Abort zu verbessern trachtet und schließlich Zeuge wird, wie sein bester Kamerad unter den Häftlingen von den »Kriminellen«, also den nicht-politischen Gefangenen, ermordet wird. Gleichmütig nimmt er alle Erniedrigungen und Misshandlungen hin und gleicht darin einem Gregor Samsa, doch ehe er womöglich dessen Los teilen muss, endet der Roman. Bemerkenswerter Kommentar des Erzählers zu seiner Lage: Er sei »glücklich«, endlich mal richtig abnehmen zu können; »ein, zwei Kilo hatte ich mir früher herunterhungern können, aber jetzt waren schon mindestens zehn oder zwölf Kilo weg, Gott sei Dank« (S. 166) – für mich eine Schlüsselstelle.

Das bereits über ein Jahrzehnt alte Buch des durch Imperium in die Schlagzeilen und Bestsellerlisten geratenen Schweizer Exzentrikers liest sich, als wäre Franz Kafka mit Hugo Pratt einen trinken gegangen, hätte sich mit ihm über die neuesten Trends auf dem Basar mystisch-esoterischer Geheimlehren ausgetauscht und danach eine Reinkarnation seines K. auf eine Reise in den Orient geschickt. Die schlichte Sprache, die Christian Kracht allerdings anreichert mit einer Vielzahl von Eigennamen aus der Welt der Mode sowie der Kunst- und Kulturgeschichte, ist dabei geblieben und verstärkt die Sogwirkung des Mysteriums, in das die Pilgerfahrt seiner Hauptfigur den Leser führt. Die Markennamen verschwinden dann notgedrungen, als sich die von Christopher geerbten »Berluti-Schuhe« im Staub von Tibet auflösen und nur mehr Filz als Kleidungsrohstoff taugt. Das Leben wird zunehmend aufs Elementare reduziert, auf das blanke Überleben. In dem scharfen Kontrast zwischen der Lebenswelt des Protagonisten vor und nach der Begegnung mit seinem rumänischen Guru vermuten viele die verborgene Botschaft des Romans. Solche schlichten Erklärungsversuche unterstreichen, wie sehr dieses Buch nach Interpretationen schreit. Denn drängender denn je steht am Ende der Lektüre die quälende Frage: »Was will uns der Autor mit diesem Büchlein sagen?« Etwas unbotmäßiger formuliert: »Was soll das?« Aber das war bei Kafka ja auch schon so.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Innere Zerrissenheit 19. August 2003
Von "puk2001"
Format:Taschenbuch
Eine Geschichte, die nicht belangloser und zugleich treffender die Partnerschaft zweier Menschen, die Asymmetrie ihrer Liebe und den verzweifelten Kampf eben um diese Liebe von unterschiedlichen Standpunkten und Bedürfniswinkeln aus beschreiben könnte, nimmt eine merkwürdige Kehrtwende und führt den Leser zum zweiten Teil auf die Grundwerte der menschlichen Existenz zurück.

Am Ende des Buches war ich innerlich zerrissen zwischen Mitleid mit dem Erzähler und der aufrichtigen Freude für ihn, denn Sinn für das beschriebene und gelebt erlebte Leben gefunden zu haben.

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Vor 1 Monat von wolf veröffentlicht
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Vor 9 Monaten von Timo Brandt veröffentlicht
4.0 von 5 Sternen Eine gewisse Konfusion bleibt zurück
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Vor 13 Monaten von buecheroeli veröffentlicht
3.0 von 5 Sternen Besser als Faserland, aber nur Durchschnitt.
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Vor 21 Monaten von Monique Rozier veröffentlicht
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Was soll man sagen Christian Kracht eben, auch wenn man ihn lesen sollte, also ein Taschenbuch, zum blättern, kann man ihn auch mal zur Wiederholung beim Autofahren... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 21. September 2010 von Foley
5.0 von 5 Sternen »Faserland« weitergedacht
Wieder ist es ein Ich-Erzähler, nur reist er diesmal durch den revolutionserschütterten Iran und durch China. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 8. August 2010 von S. Bernard
5.0 von 5 Sternen Faserland 2.0
Zu Beginn scheint 1979 eine Forsetzung von Faserland. Drogen und oberflächliches Dandytum. "Kleider machen Leute". Der Erzähler gibt sich dem Markenfetischismus hin. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 18. Juli 2010 von Robert Zimmerman
4.0 von 5 Sternen der schmale Grat
Dieses Buch wandert auf dem schmalen Grat zwischen Trivialität und Genialität.
So quälend die redundante Zurschaustellung seines Wissens über Kunst und... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 20. Juni 2010 von sinnfrei.Blogger
3.0 von 5 Sternen Roadtrip mit zunehmendem Tiefgang
Am Anfang war es ein literarischer Roadmovie für mich, der allerdings im Verlauf des Buches noch erstaunlich an Tiefe gewann und den Leser herrlich abrupt mit offenem Ende und... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 21. Mai 2008 von Kristin Hogk
5.0 von 5 Sternen sehr nah am Ideal
Natürlich kann man die Dummheit des Erzählers kritisieren. Oder kann einem die düstere, selbstzerstörische Grundhaltung des Romans nicht gefallen. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 20. Oktober 2006 von Axel Tillert
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