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1979: Roman
 
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1979: Roman [Taschenbuch]

Christian Kracht
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (46 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 192 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Mai 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423130784
  • ISBN-13: 978-3423130783
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (46 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 209.166 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Christian Kracht
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Christian Kracht reagiert angeblich allergisch auf das Wort "Pop". Komisch, denn immerhin hat er mit seinem Deutschlandreise-Roman Faserland vor sechs Jahren einen regelrechten Boom junger deutscher Popliteratur losgetreten. Inzwischen ist die Welle abgeflaut -- und es sieht so aus, als wolle nun niemand dabei gewesen sein. Sein Co-Modell Stuckrad-Barre macht ernste Literatur und der nach Bangkok exilierte Kracht schrieb eine ganze Weile nur Reiseglossen für die Welt am Sonntag.

Jetzt erscheint 1979, gewissermaßen das Come-back des Popliteraten wider Willen, ein erstaunliches Buch. Erstaunlich erst einmal, weil sich im Ton und in der Haltung auf den ersten Blick wenig geändert hat. Wieder geht ein obsessiv mit sich und seinen Kleidungsstücken beschäftigter "Ich-Ich-Ich-Erzähler" auf Reisen, nur diesmal eben nicht von Sylt an den Bodensee, sondern erst durchs revolutionsgeschüttelte Teheran und dann via Tibet nach China.

In Teheran dröhnt der Lärm von Panzern durch die Straßen, der Staatsstreich steht kurz bevor, doch der Erzähler interessiert sich vor allem für Innenarchitektur, insbesondere für "mit gestreifter brombeerfarbener Seide bezogene Empire-Chaiselongues". Krachts Blick auf die Welt ist der eines Dandys, der sich schnell einmal übergibt, wenn jemand im Park von "vier schwarzgekleideten bärtigen Männern" verprügelt wird und der sich sogar vor seiner eigenen Spucke ekelt. Für den deutschen Alltag zwischen Cocktailparty und Aldi-Kassenschlange war diese Wahrnehmung sehr produktiv, vor dem Hintergrund einer islamischen Revolution wirkt sie nur grotesk.

Natürlich wird es auf die Dauer langweilig, Kracht immerzu Nabelschau vorzuwerfen, und insofern ist es gut, dass der neue Roman auch eine existenziell-spirituelle Dimension bereit hält. Erst stirbt ein geliebter Freund, dann erhält die Hauptfigur von irgendwelchen Revolutionären den Auftrag, in China auf einen heiligen Berg zu steigen, um sich oder die Welt (so klar wird das nicht) zu heilen. Schließlich landet er in einem kommunistischen Straflager, wo ihn aber auch wieder hauptsächlich das Essen stört, das "heftige Blähungen" auslöst. Beim Lesen fragt man sich: Ist das Polit-Satire? Oder Literatur-Parodie? Wie gesagt: ein erstaunliches Buch, das einen ratlos zurücklässt. --Oliver Fuchs -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Amazon.de-Hörbuchrezension

Mitglied des popliterarischen Quintetts gewesen zu sein, ist wie Mitglied einer terroristischen Vereinigung oder einer Boyband gewesen zu sein: Es wird einem nicht so schnell verziehen. Wie seine vier Freunde bezahlt auch Christian Kracht noch heute dafür, 1999 das tatsächlich etwas unangenehme Diskursbuch Tristesse Royale ko-vollgequatscht zu haben. Er muss nun mit all den üblichen Vorwürfen leben: mit dem Pop-Vorwurf, dem Schnösel-Vorwurf, womöglich sogar Spaßgesellschaft, und überhaupt.

Vielleicht ist es da Berechnung (wahrscheinlich aber nicht), dass Kracht seinen zweiten Roman 1979 nicht im deutschen Gegenwartsalltag ansiedelt, sondern zunächst im krisengebeutelten Teheran des titelstiftenden Jahres, später in den Bergen Tibets, schließlich sogar im chinesischen Arbeitslager. Geschildert wird die Odyssee eines Ich-Erzählers, dem erst der Freund wegstirbt und der daraufhin einem alten Brauch folgend einen heiligen Berg umwandern will, um sich von seinen Sünden reinzuwaschen und überhaupt einmal ein Ziel vor Augen zu haben. Das Reinwaschen der Sünden klappt nicht, stattdessen erfolgt nach der Bergumwanderung die Verhaftung durch chinesische Soldaten. Im Arbeitslager fügt sich der Erzähler bald gar nicht mal unglücklich in sein Schicksal, vermutlich weil die Regeln und Strukturen im Lager konstant und eindeutig sind, anders als in der komplizierten Außenwelt.

Die Hauptfigur braucht nicht lang bis sie dem Leser zum ersten Mal erzählt, wessen Musik sie hört und von welcher Marke Schuhwerk und Einstecktuch sind. "Aha!", mögen da die Besserwisser und Rechthaber brüllen, und: "Popliteratur!" Aber wer brüllt lügt und übersieht, dass die Beschreibung des Banalen hier nur einen Bruchteil der Erzählung einnimmt, und zwar einen notwendigen. Musikgeschmack und Garderobe sind Ausdruck des Charakters, also ist es völlig legitim, eine Figur zumindest teilweise darüber zu definieren. Das ist nicht oberflächlich, sondern effizient. Es erlaubt dem Autor, auf anderen, wichtigeren Gebieten schneller zur Sache zu kommen. Und Christian Kracht beackert hier eine Menge anderer Gebiete auf nur drei CDs. Seine Schilderung der komplizierten Beziehung zwischen der Hauptfigur und ihrem schwer kranken Freund ist bewegend und nachvollziehbar, die Milieubeschreibungen vom billigen Hotelzimmer in Teheran bis zur Bergwelt Tibets ist immerhin gut ausgedacht, die Suche der Hauptfigur nach Erleuchtung oder Ähnlichem wirkt nicht aufgesetzt und ist erfreulich plattitüdenfrei.

Im Hintergrund dieser Hörbuchaufnahme knackt es, als höre man eine ohne Sorgfalt gereinigte Vinylplatte. Die Intention dieses Gimmicks wird nicht ganz klar. Weil es 1979 noch keine CDs gab? Oder ist es nur eine Schnöselmarotte? Im Grunde ist es egal, denn es stört ebenso wenig wie es hilft. Es ist einfach da, so selbstverständlich, wie die Stimme Christian Krachts einfach da ist. Mit großer und angemessener Ernsthaftigkeit trägt er seine Groteske vor, nimmt sich viel Zeit, klingt dabei weitaus erwachsener, als sein jungenhaftes Pressefoto erahnen lässt. Vermutlich im Studio nachgeholfen. Aber was soll's, es ist angenehm, dieser Stimme zuzuhören. Vielleicht angenehmer, als die spröde, aber nicht uninteressante Geschichte selbst lesen zu müssen. --Andreas Neuenkirchen -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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34 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Konsequente Weiterentwicklung von "Faserland", 19. November 2001
Rezension bezieht sich auf: 1979 (Gebundene Ausgabe)
Alles beginnt im Iran, Teheran, 1979. Dies verwundert nicht weiter, wer Krachts „bunten Bleistift" kennt, weiß um seine Affinität zum Orient und Nahen Osten. Es ist die Zeit des Umbruchs, der islamischen Revolution. Der Kriegszustand ist ausgerufen, und inmitten dieser Wirren der Zeit, agieren der Protagonist und sein -zu meiner Überraschung- schwuler Freund Christoph wie zwei Grotesken. Typisch Kracht steht die Politik hinten an, stattdessen werden Vorhänge kritisiert, Chaiselongues vom Ich-Erzähler und Innenarchitekten beschrieben. Wer die aus „Faserland" bekannte Barbourjacke sucht, wird nach nicht ganz zehn Seiten fündig, sie wurde lediglich durch ein Paar Berluti-Schuhe ersetzt, diese erfüllen aber ihren Zweck genauso gut, nämlich den Leser immer wieder an die Anfänge dieses wahnwitzigen Werkes zu erinnern. Das ist auch bitter nötig, denn was Kracht da in nicht einmal 180 Seiten zusammengeschrieben hat, wäre genug Stoff für andere Zeitgenossen, daraus eine sich über mehrere Jahrzehnte erstreckende Trilogie zu stricken. Ich danke Herrn Kracht für die Kurzfassung. Er bleibt sich -zumindest am Anfang- völlig Treu. Der geliebte, intelligente und hochzynische Freund des Erzählers und die ausschweifende Drogenparty, auf der die beiden in den ersten fünfzig Seiten landen ließen jedenfalls auf ein Remake von „Faserland" in Fernost vermuten, könnte doch der Verlauf der Feier genauso gut einer Szene des genannten Buches entnommen sein. Doch weit gefehlt. Ohne zuviel verraten zu wollen, wer ein von diesem Buch leichte Unterhaltung erwartet, dem wird spätestens im letzen Viertel das Lachen im Halse stecken bleiben. Und trotz der tragisch beschriebenen folgenden Ereignisse, die ich nicht so recht Kracht zuschreiben wollte bleibt es ein „echtes" Buch, made by C.K. Ein Feuerwerk überhöhter Ironie, eine Leichtigkeit und die Einfachheit der Sprache in Verbindung mit der paradoxen Geschichte stehen in einem grotesken Zusammenspiel und machen „1979" zu einem der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Wo andere Erzähler sich wortgewaltiger, blumiger Floskeln bedienen, um den Geschehnissen Tribut zu zollen, lässt der Kracht der Geschichte Luft, Platz zum Atmen, eine mysteriöse Ruhe liegt über den Ereignissen und der Leser darf sich selbst ein Bild der Geschichte machen. Und wenn man - wie ich - nach nicht ganz fünf Stunden intensiven Lesens das schlichte Buch beiseite legt, in einem Wechselbad der Gefühle, zwischen Schrecken, Empörung und Entzücken. - Der darf getrost wieder von vorne beginnen. Denn im Wissen um die späteren Ereignisse lassen die Hauptdarsteller in einem ganz anderen Licht dastehen, die Figuren wirken - im Gegensatz zum ersten Mal- schlüssig. Da passen die Details, die Lücken sind gefüllt. Für mich ist „1979" ganz klar eines der großen Werke der Gegenwartsliteratur.

Und wer nun aufgrund dieser Kritik über die Anschaffung nachdenkt, und zuvor keinen Kontakt mit dem Schreiben Krachts hatte, dem sei zuerst die Lektüre von „Faserland" ans Herz gelegt. Zum einen, weil das Erstlingswerk schon als Taschenbuch verfügbar, zum anderen, weil „1979" als konsequente Weiterentwicklung zu sehen ist. Doch Vorsicht: Kracht wird nicht erwachsen. Nur besser.

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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Innere Zerrissenheit, 19. August 2003
Rezension bezieht sich auf: 1979: Roman (Taschenbuch)
Eine Geschichte, die nicht belangloser und zugleich treffender die Partnerschaft zweier Menschen, die Asymmetrie ihrer Liebe und den verzweifelten Kampf eben um diese Liebe von unterschiedlichen Standpunkten und Bedürfniswinkeln aus beschreiben könnte, nimmt eine merkwürdige Kehrtwende und führt den Leser zum zweiten Teil auf die Grundwerte der menschlichen Existenz zurück.

Am Ende des Buches war ich innerlich zerrissen zwischen Mitleid mit dem Erzähler und der aufrichtigen Freude für ihn, denn Sinn für das beschriebene und gelebt erlebte Leben gefunden zu haben.

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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Der Schar, die Revolution und der Berg, 15. Januar 2005
Rezension bezieht sich auf: 1979: Roman (Taschenbuch)
Ich muß zugeben, ich habe es in einem durch gelesen, was sonst wirklich nicht meine Art ist, aber dieses Buch fesselt. Kracht schreibt in über zwei Drittel des Werks, über die letzten Tage des dekadenten Teherans im Jahr 1979. Dann bricht die Revolution aus und in den Wirren verliert die Hauptfigur seinen geliebten und gebrauchten Begleiter. Zwischendurch droht ihnen ein Exkurs in die Welt synthetischer Drogen.Dann erhält er einen Auftrag, der ihn allein in den Händen der chinesischen Armee treibt. In diesem Teil des Buches beginnt das Grauen: und was bisher ein kurzweiliges Lesevergnügen war dreht sich völlig um. Es geht nur noch um die blanke menschliche Existens und der angenehme Lifestile wird komplett pervertiert.
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