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Er scheint jedoch der einzige zu sein, der eine Verbindung zwischen den Morden der Jahre zwischen 1969 und 1972 und dem jüngsten Fall herstellt -- oder herstellen möchte. Polizei und Journalistenkollegen nehmen sich des Verbrechens nur zaghaft an. Umso besessener stürzt sich Dunford auf den Fall. Gegen alle Widerstände aus seiner Redaktion und von Seiten der Behörden gerät er in den Sog seiner Ermittlungen und in ein Geflecht aus Alkohol, Gewalt und Korruption. Weder der Mord an einem Kollegen noch die Warnungen von verschiedenster Seite bringen ihn davon ab, nach dem vermeintlichen Serienmörder zu suchen. Denn wenn er recht behält, hat er sich endgültig gegen seine Konkurrenten bei der Zeitung durchgesetzt, und seiner Karriere steht nichts mehr im Wege.
Er dringt immer tiefer in den Sumpf aus Desinteresse und Intrigen ein. Statt den Fall zu den Akten zu legen, steigert sich seine Hartnäckigkeit selbst dann noch, als er brutal zusammengeschlagen und schwer verletzt zurückgelassen wird. Für ihn scheint es keinen Weg zurück zu geben -- bis zur letzten Konsequenz.
1974 ist der erste Teil des Red Riding Quartetts, in dem David Peace das England der siebziger und frühen achtziger Jahre beschreibt. Dies hat ihm in seiner Heimat den Ruf als einer der wichtigsten neuen Stimmen der Literatur eingebracht. Dies kann man nach Lektüre des Romans durchaus nachvollziehen. Peace nimmt Bezug auf den realen Fall des Yorkshire Rippers. Dieser Serienmörder erschütterte in den späten siebziger Jahren den Norden Englands.
1974 ist eine treffliche Chronik des Zeitgefühls. Finster, verunsichert und teilweise hysterisch ist die Stimmung in der Peace den jungen Reporter ermitteln lässt. Dunford ist kein sympathischer Held, er ist ein unreifer, letztlich egozentrischer Mensch, der seine Chance auf einen Karrieresprung wittert, und sich nachgerade unabsichtlich immer tiefer in den trostlosen Ermittlungen verliert.
Höchst erfreulich, dass man beim Liebeskind Verlag diesen im Original bereits 1999 erschienen Roman entdeckt hat, der sich beeindruckend von den üblichen Serienmörder-Thrillern abhebt. Hoffentlich kommen auch die deutschen Leser bald in den Genuss des kompletten Quartetts. --Josef K. Weinreb -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
Knappster Satzbau, Einwortsätze, eingestreute Songtitel und Schlagzeilen, die nebenbei im Radio laufen und den Geist der Zeit heraufbeschwören, Zitate, die stets wiederholt werden - Peaces sprachlichen Mittel erscheinen schlicht, wirken aber umso eindringlicher. Peace webt eine dichte Atmosphäre und baut einen kontinuierlich aufstrebenden Spannungsbogen auf, der den Leser nägelkauend weiterlesen lässt.
Peace verlangt dem Leser ein hohes Maß an Konzentration ab. Gerade in den ersten Kapiteln haut Peace dem Leser die Namen um die Ohren, dass einem Hören und Sehen vergeht. Peace treibt die Geschichte in einem geradezu halsbrecherischen Erzähltempo ihrem dunklen Höhepunkt entgegen und nimmt den Leser mit auf eine düstere Achterbahnfahrt. Alles in einen Zusammenhang einzuordnen, fällt dabei nicht immer ganz leicht. Peaces Romangebilde ist halt sehr komplex.
Ganz im Zeichen dieser Komplexität steht auch Peaces Umgang mit Klischees. Es gibt keine per Definition rein Guten, so wie es keine irgendwelchen Klischees entsprechenden Bösen gibt. Auch Edward Dunford, der auf der Suche nach der Wahrheit hinter der Story ist, ist längst kein strahlender Held. Das Szenario, das Dunford durch seine Ermittlungen am Ende des Romans entblättert, ist gleichermaßen schockierend und düster. Dunford verknüpft die unterschiedlichen Handlungsebenen, zieht die richtigen Schlüsse und steht am Ende vor der grausamen Wahrheit, ohne selbst genau zu wissen, wie er damit umgehen soll. Entsprechend düster, verstörend und bluttriefend fällt das Finale aus und entsprechend düster ist auch der Abschied von Dunford.
Ian Rankin sieht David Peace als "die Zukunft des Kriminalromans". Wenn sich das bewahrheiten sollte, sieht die Zukunft des Kriminalromans in der Tat sehr gut aus. Peace weiß zu fesselnd, inszeniert einen düsteren Plot und eine beklemmende Gesellschaftsstudie. Sprachlich, wie inhaltlich ein harter, schwer verdaulicher Brocken, aber dafür einer, der garantiert im Gedächtnis haften bleibt und obendrein Lust auf die weiteren Teile des "Red Riding Quartetts" macht.
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