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Fußball-Weltmeisterschaften sind neben den Olympischen Spielen das größte Sportereignis der Welt - aber mehr noch. Sie geben Kindheitserinnerungen Halt, sie prägen den Geist der Zeit, sie versetzen ganze Länder in Euphorie oder stürzen sie in Trauer. Die Fußballwelt hat Deutschland als Schauplatz für ihr 18. WM-Turnier 2006 erwählt, zum zweiten Mal nach 1974 macht das Spektakel Halt in Deutschland. Die Süddeutschen Zeitung gibt aus aus diesem Anlass eine Bibliothek der Weltmeisterschaften heraus: ein Buch zu jeder WM seit 1954 und einen Sammelband zu den ersten vier Turnieren.
Die WM-Bibliothek erweckt ein Stück Geschichte zu neuem, farbigem Leben. In Berichten und Reportagen, Interviews mit Zeitzeugen und Beiträgen prominenter Gastautoren lässt sie die Turniere Revue passieren. Sie begleitet die deutsche Mannschaft durch das Turnier und bietet einen Blick auf das Deutschland der jeweiligen Epoche. Sie stellt die Gastgeberländer vor, porträtiert Stars, die Weltmeister - und auch die größten Verlierer. Sie wirft Streiflichter auf Stile und Moden. Und sie dokumentiert im Statistikteil lückenlos alle Spiele, alle Spieler, alle Tore seit dem ersten Turnier 1930 in Uruguay.
Erleben Sie Geschichte und Geschichten der Fußball-Weltmeisterschaften.
Dieses Buch schildert den turbulenten Weg der Deutschen zum finalen Triumph über Johan Cruyffs überragende Niederländer. Sie hatten 1972 mit Zauberfußball die Europameisterschaft gewonnen und ein Land beflügelt, das unter Kanzler Willy Brandt mehr Demokratie wagte. Und waren am Tiefpunkt, als sie in der WM-Vorrunde der DDR 0:1 unterlagen. Jenes Tor von Jürgen Sparwasser steht für die hoffnungsvollste Ära der DDR, die im Fußball zur Weltspitze aufschloss und sich politisch zu öffnen schien.
Helmut Schöns Team steckte den Rückschlag weg, angeführt von der überragenden Bayern-Achse mit Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Gerd Müller. Sie spielten nun pragmatischen Fußball, stellvertretend für die neue Zeit: Willy Brandt war über die Affäre um DDR-Spion Guillaume gestürzt, Helmut Schmidt führte das Land durch schwere Krisen. Zeit, sich zu erinnern: Günter Netzer porträtiert Franz Beckenbauer als stets loyalen Partner, dem er allerdings einmal fast an den Kragen gegangen wäre. Uli Hoeneß erzählt, wie die Spieler bei Bier und Wein um die WM-Prämien pokerten. Jupp Heynckes klärt auf, warum er im Finale nicht zum Einsatz kam. Und nicht zuletzt gilt es zu zeigen, was es mit diesen wilden Frisuren und Bärten der Weltmeister auf sich hat.
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Wer sich für die Schattenseiten des Fußballs interessiert: Bill Bufords "Geil auf Gewalt" ist ein Topbuch über Hooligans, "Football Factory" ein durchgeknallter Film (ebenfalls über Hooligans) und ein absoluter Hammer ist Weine nicht, mein Schatz von Andre Pilz.
Am besten hat mir gefallen, dass das Buch tatsächlich von den Spielen ausgeht (alle Spiele, alle Tore !) und es dennoch schafft, ein Bild von der damaligen Zeit, wenige Wochen nach Brandts Rücktritt, zu zeichnen. So erfährt man einiges, was man auch dann noch nicht wusste, wenn man die Aufstellung der Weltmeistermannschaft nach dem dritten Bier aufsagen kann. So z.B. dass Mario Kempes, der Torschützenkönig der WM 1978, bereits bei der WM 1974 dabei war. Oder Schwarzenbecks Lieblingssatz ("Woaßt eh, wies is").
Viele der Fotos hat man schon hundertmal gesehen: Bonhof, wie er vor zwei schwedischen Verteidigern abzieht. Müller, wie er das 2:1 gegen die Niederlande schießt. Maier und Beckenbauer mit dem Pokal. Aber viele andere Fotos kennt man eben noch nicht: Maier im strömenden Regen bei dem Spiel gegen Polen. Hoeneß, Breitner und Beckenbauer mit hängenden Köpfen nach dem Spiel gegen die DDR. Auch sehr schön: Prinz Bernhard, Walter Scheel und Helmut Schmidt beim Finale auf der Tribüne.
Die Redaktion der Süddeutschen hat die schwierige Aufgabe gelöst, mit einer zeitlichen Distanz von mehr als 30 Jahren ein interessantes Buch über ein Sportereignis zusammenzustellen.
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