Hardboiled. Harte Thriller für knallharte Hörer. Na Mahlzeit! Ich habe ja schon Einiges gehört, aber was hier als mehrfach preisgekrönte Zukunft des Kriminalromans präsentiert wird, ist harter, bitterer Stoff. Kantig, grob, trostlos - ein Moloch, in dem es nur die Bösen, die Zyniker und die Verlierer gibt.
Handwerklich ist dieses Hörbuch gut gemacht. Michael Hansonis trifft den Nerv und den Rythmus der Story gut, die von ihm dazu komponierten/produzierten Musikstücke passen wie die Faust aufs Auge zur Story.
Der Stil des Autors, der dieses Buch inzwischen nach eigenem Bekunden so nicht mehr schreiben würde, ist sehr direkt und eckig und kantig. Sein Protagonist Edward Dunford, der die Ereignisse aus der Perspektive des Ich-Erzählers erzählt, ist nicht gerade ein Sympathieträger. Er ist Gerichtsreporter und will eine gute Story haben. Dabei ärgert er sich über alle in seinem Umfeld, die erfolgreicher sind als er. Zu wahren Beziehungen ist er nicht fähig. Ein selbstverliebtes A..loch, der auf alles und jeden sch... "Du kriegst ein Kind? Lass' es wegmachen."
Durch seine Ermittlungen im fall des Mordes an einem kleinen Mädchen gerät er in einen Sumpf aus Kriminalität, Macht, Korruption und Rassismus. Er schwimmt auf der Welle mit und spielt seine eigenen Spielchen, bis sich das Blatt wendet und er selbst gewaltig aufs Maul bekommt. Ganze sieben von acht Cds ist er damit beschäftigt, lose Enden ins Spiel zu bringen, macht immer neue Nebenkriegsschauplätze auf und auch im Finale wird längst nicht alles aufgeklärt.
Dies ist das erste von vier Büchern des sogenannten "Red-Riding-Quartetts".
Lust auf die anderen drei macht es nicht. Mir ist es zu menschenverachtend, zu brutal und zu negativ. Einen Quickie funktioniert Edward zur aus seiner Sicht lustvollen, analen Vergewaltigung um. Ausführlich beschreibt er Polizeiverhöre unter Folter und wie er dort aus Angst die Kontrolle über sämtliche Schließmuskeln verliert.
Warum ich es zu Ende gehört habe? Vermutlich, um hier einen Verriß zu schreiben.
Und, wie gesagt, rein technisch hat es was, und der ungewöhnliche Sprachstil fesselt. Da hätte man auch etwas anderes daraus machen können. So ist es ein hardboiled egg: Furztrocken, und wenn man nur lange genug darauf herumkaut, hinterlässt es einen fiesen Nachgeschmack.