Habe ich früheren Bänden dieser Reihe noch einen Bewertungsstern abgezogen, weil mich das gemeinsame Layout für alle Zeitperioden störte, verzichte ich nun auf diese Dauerbestrafung. Denn einerseits habe ich mich an den schönen gestalterischen Einheitsbrei gewöhnt, andererseits stoßen sich andere Leser offenbar weniger daran und freuen sich einfach an der Idee, am Text und an den zahlreichen Bildern aus ihren frühen Jahren. Und das ist schließlich der Hauptzweck.
Wer vier Jahrzehnten zur Welt kam und die Menschheit mit seinem Dasein bereichert, wird gleich mit der Titelüberschrift "1970 - ein Jahr der Aufbruchstimmung" begrüßt. Das empfand ich tatsächlich ebenso, nur konnte ich an dieser Bewegung aktiver teilnehmen als schreiende Babys, die mit dem Friedenszeichen und dem neuen Sound wohl noch nicht so viel anfangen konnten.
Die Antibabypille revolutionierte das Paarungsverhalten, sorgte aber durch den veränderten Hormonhaushalt wahrscheinlich auch dafür, dass wir das passende Gegenüber seither nicht mit unserer Nase wahrnehmen können. Die Mädchen hießen Nicole, Anja, Claudia, Stefanie und Andrea, die Jungs Stefan, Michael, Andreas, Thomas und Frank. Wir lesen auf Seite 10, wer 2010 ebenfalls vierzig Jahre alt wird, aber prominenter als wir ist. Eine Abbildung von Super-8-Rollen zeigt, wir Urlaubsgeschichten vor dem Handyzeitalter verarbeitet wurden und auf der Seite mit den Tophits von damals sehen wir wehmütig ein Bild der Beatles vor ihrer Trennung. Der mit diesem Bändchen beschenkte Vierziger weiß, was Pommes und Pizza bewirken, wie lang der Rocksaum war, wo die grässlichsten Betonsilos die damalige Wohnungsnot behoben, welche Serien und Filme die Bevölkerung vor die Glotze lockten, welche Fahrzeuge Kult waren, was auf den Rasenplätze zusammengekickt wurde, welche Umweltsünden plötzlich in die Schlagzeilen gerieten und wie es nach den 1970ern weiterging.
Mein Fazit: Die meisten Leser dieses Erinnerungsbuches, werden es wohl geschenkt bekommen. Und es gibt klar blödere Gaben. Denn die Bilder und Text entführen in die Jahre der Unschuld, um aber auch zu zeigen, wo und mit dem die ersten Kontakte mit dem Sündigen geschahen. Mir gefallen solche Geschenke, auch wenn dies nicht mein Jahrgang ist.