Inzwischen haben es einige Verlage entdeckt, dass der Durst nach Geschichten der eigenen Kindheit kaum zu stillen ist. Erstaunlicherweise unterscheiden sich aber die verschiedenen Varianten solche Jahrbücher nur in Details. Das Grundrezept scheint in Stein gemeißelt. Man schlage in den großen Wälzern nach, was die Menschen damals bewegte, gebe in den vielen Bilddatenbanken die gewünschte Jahreszahl ein, treffe nach den üblichen Kategorien eine Auswahl, engagiere einen Texter für die sprachlichen Verbindungen und mache daraus ein nettes Erinnerungsalbum. An dieses Rezept hält sich auch der Pattloch Verlag. Und mit großer Wahrscheinlichkeit wird er damit Erfolg haben. Zumal es an der Bilderauswahl und den Texten wenig zu kritisieren gibt.
Die Schwäche des Layouts entdeckt man erst beim Beschenken der erweiterten Verwandtschaft. Denn egal, ob man seinen 70-jährigen Großvater, die 60-jährige Großmutter, den 50-jährigen Onkel oder die 40-jährige Mutter mit einem solchen Jahrgangsbuch beglückt, alle finden sich im gleichen Layout wieder. Das ist zwar aus Kostengründen verständlich, aber trotzdem ärgerlich. Denn Schriften ändern sich ebenso wie Bildsprachen und Farbvorlieben. Andere Verlage lösten dieses Problem, indem sie sich beim Layout für eine zeitgemäße Version entschieden und nur auf die abgebildeten Objekte und Personen setzten, begleitet von erklärenden Texten. Das gefällt mir zwar besser, kommt aber meist schlecht an, wenn es um das Abtauchen in die eigene Kindheit geht. Da es beim Preis für Geschenkbücher eine enge Bandbreite gibt, ist das Problem eines passenden Layouts wohl kaum zu lösen. Aber die Beschenkten werden dem wohl nicht so viel Beachtung schenken wie ich, womit sich der Schaden Grenzen hält. Zudem feiern ja Alt-Hippies, die sich in die Grafikerbranche verirrten, bereits andere Jubiläen.
Mein Fazit: Der "Weißt-du-noch-Effekt" wirkt fast immer. Aber je mehr sich dies herumspricht, desto grösser die Gefahr, dass man als Geburtstagskind mit solchen Jahrgangsbüchern eingedeckt wird. Das vom Pattloch Verlag macht aber so viel Freude, dass man allfällige Doppel getrost weiterverschenken kann.