"1967 - Israels zweite Geburt" beschreibt aus israelischer Sicht das sehr bewegte Jahr 1967, welches maßgeblich durch den Sechs-Tage-Krieg bestimmt wurde. Der Untertitel ist eine Anspielung auf die Gefühlslage der Israelis vor und nach dem Konflikt, sowie die territorialen und politischen Umwälzungen, deren Folgen bis heute wirken.
Wie all seine Bücher ist Tom Segevs "1967 - Israels zweite Geburt" kein gewöhnliches Geschichtsbuch. Es verwebt geschickt die Stimmung der normalen Bevölkerung, belegt durch zahllose Briefe und Tagebücher, sowie die Entscheidungen auf höchster Ebene, soweit öffentlich einsehbar, zu einer großen Erzählung. Das gelingt Segev so gut, dass ein Übergang von der Bevölkerungs- zur Führungssicht nie deplaziert wirkt und der Erzählfuss zumindest intakt und meist spannend bleibt. So schafft es Segev ein ganzheitliches Bild Israels im Jahr 1967 zu zeichnen, das vielleicht Historikern zu unwissenschaftlich erscheint, aber für den interessierten Laien extrem zugänglich ist.
Leider mangelt es dem Buch an einer klareren Strukturierung, auch wenn dies während des Lesens nicht umittelbar auffällt. Die eher lose chronoligsche Reihenfolge der Ereignisse wird durchmischt mit Vor- und Rückgriffen, wenn es dem Autor als relevant erscheint. Fast schon übertrieben wirkt der maßlose Einsatz von Fußnoten, der meiner Meinung nach den Lesefluß stark beeinträchtigt.
Prinzipiell ist anzumerken, dass es sich um eine rein israelische Sicht handelt. Dies erlaubt natürlich keine vollständige Analyse der Geschehnisse, aber wird wenigstens von Segev konsequent umgesetzt. Das heißt, es werden keine Vermutungen aufgestellt oder sonstige Erklärungsversuche bemüht um die Handlungen der arabischen Seite zu beleuchten. Wer das akzeptiert wird seine Freude an dem Buch finden. Wer aber auch die "andere" Seite kennen lernen will, sollte auf jeden Fall auch Michael Orens "Six Days of War" lesen.