Als sich die Welt neu zu ordnen begann und Adenauer Kanzler wurde, machten etwa 800'000 neue Erdenbürger in Westdeutschland ihren ersten Schrei. Was sich im Gründungsjahr der Republik sonst noch ereignete, interessiert vor allem Menschen, deren Biographie 1949 begann. Der Pattloch Verlag und Gerald Drews folgen zwar dem Grundrezept solcher Jahrbücher, überraschen aber doch mit Variationen, die erwähnenswert sind. Statt nur Ereignisse des Geburtsjahres, die Promis mit dem gleichen Jahrgang oder die Kultobjekte von damals zu erwähnen, wird der Jubilar auch auf eine kleine Zeitreise durch die folgenden Jahrzehnte mitgenommen. Das weckt Erinnerungen an alte Schlager, abenteuerliche Ferienreisen, Elvis Presley, Fernsehserien, merkwürdige Frisuren und skandalöse Miniröcke. Und zum Schluss erfahren wir noch, was uns nach Einschätzung des Herausgebers von den Sechzigern in Erinnerung geblieben ist.
Das Konzept gefällt mir, hat aber eine Schwäche, die man erst entdeckt, wenn der Gedanke umgesetzt wird, die ganze Verwandtschaft mit solchen Jahrgangsbüchern zu beglücken. Denn egal, ob man seinem 70-jährigen Großvater, der 60-jährigen Großmutter, dem 50-jährigen Onkel oder der 40-jährige Mutter ein solches Erinnerungsalbum schenkt, alle finden sich im gleichen Layout wieder. Das ist aus Kostengründen verständlich, aber trotzdem ärgerlich. Denn Schriften ändern sich ebenso wie Bildsprachen und Farbvorlieben. Andere Verlage lösten dieses Problem, indem sie sich beim Layout für eine zeitgemäße Version entschieden und nur auf die abgebildeten Objekte und Personen setzten, begleitet von erklärenden Texten. Das gefällt mir zwar besser, kommt aber meist schlecht an, wenn es um das Abtauchen in die eigene Kindheit geht. Da es beim Preis für Geschenkbücher eine enge Bandbreite gibt, ist das Problem eines passenden Layouts wohl kaum zu lösen. Aber die Beschenkten werden dem wohl nicht so viel Beachtung schenken wie ich, womit sich der Schaden Grenzen hält.
Mein Fazit: Zeitreisen für lediglich zehn Euro sind ein Schnäppchen. Weil das auch die Beschenkten wissen, sollte man diesen Erinnerungsalben noch etwas hinzufügen. Das kann auch ein Nachmittag sein, an dem man gemeinsam darin blättert und alte Geschichten wieder aufleben lässt.