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Produktinformation
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Die Suche des Autors nach einer Antwort führt zu überraschenden Ergebnissen. Dokumente beteiligter Außenministerien, Notizen und Memoiren englischer, französischer, italienischer und amerikanischer Regierungschefs, Minister, Diplomaten und Armeeoberbefehlshaber belegen: Es war eine ganze Anzahl von Staaten, die den Zweiten Weltkrieg angezettelt haben. Zusammenhänge werden deutlich, die bislang schlichtweg übergangen wurden. "Dieser Krieg", so Schultze-Rhonhof, "hatte viele Väter". Vieles in unserer deutschen Geschichte zwischen 1919 und 1939 ist ohne Kenntnis des zeitgleichen Geschehens in anderen Ländern nicht zu verstehen, zu eng greifen oft Wirkung und Wechselwirkung ineinander. Doch es ist nicht allein die zeitgleiche Geschichte unserer Nachbarvölker, die den Kriegsbeginn beeinflußt hat, es ist auch - und das nicht unerheblich - die gemeinsame Vorgeschichte der streitenden Parteien. Der israelische Botschafter in Bonn, Asher ben Nathan, antwortete in einem Interview auf die Frage, wer 1967 den 6-Tage-Krieg begonnen und die ersten Schüsse abgegeben habe: "Das ist gänzlich belanglos. Entscheidend ist, was den ersten Schüssen vorausgegangen ist." So hat fast jede Geschichte ihre Vorgeschichte.
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Ausgehend vom Waffenstillstand 1918 und vom Versailler Vertrag, zeigt der Autor, dass sich einzig und allein das Deutsche Reich an die damals festgelegten Abrüstungsbedingungen gehalten hat, während die Siegermächte diesen Paragraphen in keiner Weise zu folgen gewillt waren. Im Gegenteil, angetrieben von gegenseitigem Misstrauen und wohl auch von der Überzeugung, dass die neue Struktur Europas auf die Dauer keinen Bestand haben könnte, trieben sie ihre Rüstung voran, selbst als das Deutsche Reich in der zweiten Hälfte der 20er Jahre seine Entwaffnung auf das vereinbarte Niveau voll durchgeführt hatte und somit keine unmittelbare Gefahr mehr darstellte. Dieser labile, aber nicht bedrohliche Zustand sollte noch fast ein Jahrzehnt bis weit in die Hitlerzeit hinein andauern, jedoch lief etwa in den USA zu jener Zeit die Rüstungsproduktion bereits auf vollen Touren und man baute dort sogar viermotorige Bomber, die sicherlich nicht für den Schutz des Landes vor Übergriffen mexikanischer Bandenführer vorgesehen waren.
Man begreift die Grundeinstellung von Staaten wie Frankreich, Polen oder der Tschechoslowakei, die, wie der Verfasser aufzeigt, in den 20er und 30er Jahren ganz entschieden aufrüsteten. Diese Staaten waren - ob zu Recht oder zu Unrecht soll hier nicht diskutiert werden - auf Kosten des Deutschen Reiches gewachsen oder überhaupt entstanden und mussten ein Wiedererstarken Deutschlands fürchten. Der Leser fragt sich jedoch nach den Motiven, welche der Londoner Regierung eine ähnliche Politik vorschrieben.
Natürlich gibt es dafür die traditionelle Erklärung, dass Großbritannien aus Prinzip die schwächere Macht auf dem Kontinent gegenüber der stärkeren förderte, doch liegen die Gründe vielleicht tiefer; man findet einen Hinweis darauf an anderer Stelle. Der britische Autor Martin Allen veröffentlicht in seinem Buch „Churchills Friedensfalle" ein Dokument, das hierüber Aufschluss geben kann. Es handelt sich um eine Notiz des Ständigen Beraters des britischen Außenministeriums, Sir Robert Vansittart, von Anfang September 1940 für seinen damaligen Außenminister, Lord Halifax. In dieser Notiz steht der merkwürdige Satz: „The enemy is the German Reich and not merely Nazism and [certain people]... would let us in for a sixth war even if we survive the fifth".
Auf den ersten Blick ist dieser Satz völlig unklar, denn es hatte außer dem 1. Weltkrieg nie einen Krieg zwischen dem Deutschen Reich und Großbritannien gegeben. Wenn man ihn mit einer weiteren Zeile aus Vansittarts Notiz zusammenbringt, erkennt man mehr, da steht nämlich „... the German Reich and the Reich idea have been the curse of the world for 75 years...". Liest man noch Vansittarts entsetzliches Pamphlet „Black Record - Germans Past and Present", so wird die Sache vollends deutlich: Es ging in London um die Auschaltung Deutschlands als Machtfaktor in Europa überhaupt und das war im 1. Weltkrieg noch nicht erreicht worden. Deutschlands bloße Existenz als Staat mit einer eigenen politischen Ausrichtung bedeutete schon eine echte Gefahr für die Londoner Regierung und musste daher bekämpft werden.
Vor diesem Hintergrund nimmt sich das Verhalten Londons in den Jahren zwischen 1918 und 1939 ganz rational aus. Man erkennt mit Schulze-Rhonhof, dass es den Regierungen in London darum ging, das Deutsche Reich in eine politische Situation hineinzubugsieren, in der es zu den Waffen greifen musste, um dann nochmals, und nun völlig, besiegt und entmachtet zu werden. Auch das sagt Vansittart in den wenigen Zeilen seiner Notiz: „...the German Reich ... has got to go under, and not only under, but right under." Als es dann im Sommer 1939 zur Danzig-Krise kam, die Schulze-Rhonhof sehr detailliert beleuchtet und Hitler vorher mit der Besetzung der Rest-Tschechei einen außenpolitischen Fehler begangen hatte, konnte man das britische Ziel auch der Welt verständlich machen, die nötigen Bundesgenossen gewinnen und militärisch aktiv werden. Hitler als Figur war dabei unwichtig und der Nationalsozialismus eine Nebensache. Die einzige Überraschung war der unerwartete und völlige Kollaps Polens im September 1939.
Diese britische Politik wurde grundsätzlich von dem Bestreben geleitet, den eigenen Besitzstand, das Empire, vor dem vermeintloichen deutschen Griff nach der Weltherrschaft zu sichern. Wie so häufig bei einem Krieg, sah dann die Welt 1945 völlig anders aus, als sich das die Beteiligten anfangs vorgestellt hatten. Deutschland war zwar zerstört, zerschmettert und zerrissen, den Erzfeind Preußen hatte man einfach abgeschafft, doch das Empire war ebenfalls verloren und im Osten richtete sich die Sowjetunion drohend auf, sodass sich ganz Westeuropa unter den Schutz der USA flüchten musste. Frankreich versuchte zu retten, was von seinen Eroberungen noch zu retten war, aber innerhalb von einem Dutzend Jahren war auch hier von Vietnam bis Algerien der Traum von einem Weltreich ausgeträumt. London besitzt heute politisches Gewicht nur noch durch seine Anlehnung an Washington und so könnte Großbritannien durchaus als 51. Staat der USA enden - wenn auch etwas anders, als sich das Shaw in seinem „Kaiser von Amerika" einmal vorgestellt hatte.
Polen und die Tschechoslowakei, um derentwillen man 1939 in den Krieg gezogen war, spielten 1945 überhaupt keine Rolle mehr und wurden mit den baltischen Staaten der Sowjetunion überlassen. Diese hatte als einzige Macht in Europa politische Siege verbuchen können, sie hatte mit Ostpreußen eine wichtige U-Bootbasis an der Ostsee gewonnen, hatte ihre Grenzen auf Kosten Polens und Deutschlands um mehrere hundert Kilometer weiter nach Westen vorschieben können und bedrohte jetzt sogar die USA von Kuba aus.
Von der heutigen Warte aus betrachtet, kann man die Politik der Alliierten in den Jahren vor 1939 nur als infantil und das Ergebnis als ein Desaster bezeichnen. Man hatte sich im Hinblick auf das Deutsche Reich einen Popanz aufgebaut, der den Blick auf die wirkliche Situation der damaligen Welt völlig verstellte. Weil sie ihrer eigenen Propaganda glaubten, fühlten sich die Alliierten berechtigt, die Substanz Mitteleuropas zu zerstören und dort eine kulturelle und geistige Wüste zu hinterlassen, die noch lange einen Schwachpunkt des Abendlandes darstellen wird, welcher vielleicht nie wieder beseitigt werden kann. Gerd Schulze-Rhonhof, dieser ehemalige Offizier, hat hier eine entscheidende Lücke in unserer Geschichtsschreibung gefüllt.
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