Jahrgangsbücher zu konzipieren, ist an sich weder besonders schwierig noch außergewöhnlich originell. Anders ist es jedoch bei der Auswahl von Ereignissen, Bildern und Objekten, die bei Lesern mit Jahrgang 1939 Erinnerungen wecken sollen. Macht es Sinn, wenn ich der Generation mit einer verlorenen Kindheit nochmals vorführe, was sie entbehren und verarbeiten musste? Oder ist es nicht besser, wenn ich den Schrecken eher ausblende und die ganz alltäglichen kleinen Freuden von damals zeige? Ich meine, dass es Gerald Drews nicht schlecht gemacht hat, wenn er zwar gleich zu Beginn auf die spezielle Situation eingeht, dann aber darauf besteht, dass die heilen Welten ebenfalls erwähnt werden dürfen. Also gibt es ein Wiedersehen mit Heinz Rühmann, Karl May, John Wayne und Sportler von damals. Wir staunen über die neuen Erfindungen und all die faszinierenden Dinge aus dem fernen Amerika. Und mit Stolz stellen wir fest, dass die Currywurst in "Good old Germany" erfunden wurde, die Trümmerfrauen Großartiges leisteten und sich die junge Generation an die Gestaltung der Zukunft machte.
Gerade bei diesem Jahrgang zahlt es sich aus, dass der Pattloch Verlag und Gerald Drews das Grundrezept solcher Jahrbücher mit der Variation bereichern, auch Erinnerungswertes der folgenden Jahrzehnte zu erwähnen. Denn schließlich ist die Pubertät ein ganz besonderes Zeitfenster. Was die 1939 Geborenen in den Fünfzigerjahren erlebten, hinterließ Prägungen für das ganze Leben. Das Wirtschaftswunder, die neuen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, Idole wie James Dean oder Marlon Brando, Rimini oder die Eroberung des Weltraums.
Mein Fazit: Wenn das Layout bei den Büchern anderer Jahrzehnte manchmal merkwürdig anmutet, trifft die gewählte Mischung bei diesem Band den Zeitgeist nicht schlecht. Doch im Vordergrund stehen ohnehin die Bilder und Texte. Und die sind bei diesem schwierigen Jahrzehnt so sorgsam gesetzt, dass ich den Band höher bewerte als die anderen. Für die Aufarbeitung der Kriegsjahre gibt es andere Bücher.