Ich gebe zu, ich habe eine direkte Fortsetzung der dramatischen Ereignisse aus
Alarm für die Erde erwartet. Es sind ja noch einige Fäden offen -- Südafrika ist besetzt, die Katastrophe des Kilimandscharo scheint ja nicht kurzfristig ausradiert werden zu können -- und da wäre doch noch viel Arbeit für den wackeren Commander.
Nichts da. Wir sind nicht nur ganz woanders (nämlich wieder weit draußen im Weltraum), sondern werden genötigt, einem etwas unbeholfenen jungen Reporter über die Schulter zu schauen. Der kennt sich mit der Raumfahrt und mit einem Patrouillenalltag nicht so aus, ist aber neugierig, weil er als Erster einen Bericht über die geheime Testarbeit der Raumfahrtagentur VEGA schreiben darf. Pech für ihn, dass er mitten in einen Kommandodisput zwischen Mark Brandis und dem ruppigen Major Degenhardt gerät. Der Major vertritt den Kunden, der das neue Schiff übernehmen wird, und er macht keinen Hehl daraus, dass er sich schon als Chef des Schiffes sieht. "Flagge zeigen in diesen Zeiten", ist seine Devise, und das heisst für ihn halt auch schon mal schießen, bevor der andere ziehen kann.
Der große Bogen wird also ganz anders fortgesetzt. Statt der fortgesetzten Weltenrettung ist es nun der Alltag auf einem Patrouillenboot, erzählt aus der Sicht eines Neutralen. So ist das auch in der Buchvorlage, auch wenn dort der Major um Einiges uneinsichtiger und brutaler rüberkommt. Hier im Hörspiel habe ich mich dabei ertappt, auch mal ein "wo er Recht hat ..." in Degenhardts Richtung zu denken. Auch wenn mir das nicht gefiel.
Wenn ich mir die Hörspielreihe als Ganzes anschaue, glaube ich bei aller Vielfalt der Geschichten ein Auswahlmuster zu erkennen: "was Anderes bitte beim nächsten Mal". Wenn man sich nicht wiederholen will, muss man als Macher auch Pfade verlassen, die gut funktioniert haben -- und daher weder die dräuende ökologische Weltkatastrophe
Operation Sonnenfracht wiederholen, noch nach der großen Putschgeschichte rund um
General Smith einfach den Weltdiktator #2 auspacken. Das hält die Sache lebendig, aber birgt auch immer das Risiko, dass das Publikum die eigenen Erwartungen enttäuscht sieht. Ent-Täuschung kann ja positiv wie negativ ablaufen. Aber wenn es in dieser Geschichte mit Fremdperspektive durch Reporter Seebeck und das lange Warten im Alltag einer Patrouille ungewohnt wenig actionreich zugeht, nehme ich an, dass es genau das sein sollte: wieder eine andere Seite der Welt dieser Hörspielserie. Und
Duell im Atlantik im Weltraum hatten wir halt noch nicht bei Mark Brandis.
Dass es vom Klang und von der Performance der Sprecher her nichts zu mosern gibt, ist irgendwie schon selbstverständlich geworden. Aber ein besonderes "Hut ab" diesmal an Sprecherin Claudia Urbschat-Mingues, die ihre zupackend-couragierte Bordärztin Rebecca Levy eine Tour-de-Force reiten lässt (Anfang von CD#2, großes Kino)!