Auch wenn "Fiese Verliese" von Pegasus Games vielleicht wie ein Schnäppchen wirkt, möchte ich doch an dieser Stelle davor warnen, unüberlegt zuzugreifen. Es mag sein, dass ich mich irre und etwas im Regelwerk übersehen habe, das möchte ich nicht ausschließen. Doch auch bei nochmaliger Analyse der Anleitung bleibt mir schleierhaft, wie sich derart krasse Fehler in das Spiel schleichen konnten:
1. Die Abenteurerkarten haben Rangwerte von 1 bis 100 und werden mit abnehmendem Rangwert teurer am "Abenteurermarkt" feilgeboten. Das lässt vermuten, dass die niedrigen Abenteurer die besseren und begehrten Kämpfer sind. Pustekuchen - je niedriger der Rangwert, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass der Abenteurer in einem der Verliese stirbt!
--> Wie auf den Kartenabbildungen zu sehen, hat jeder Abenteurer für jedes Verlies einen Buchstaben von A bis E, der für die Wahrscheinlichkeit steht, dass er einen Besuch dort nicht überlebt (ein wesentlicher Bestandteil des Spiels). A ist (auch laut Regel) unwahrscheinlich und am Besten, E bedeutet eine hohe Wahrscheinlichkeit. So hat die Hexe "Gilly Gaukeley" mit dem Rangwert 9 (also eig. GUT!) die Buchstaben C, E, B, C, E. Im Vergleich dazu der Fußsoldat "Kai Kanonenfutter" (Rangwert 44 = SCHLECHT!) mit den Buchstaben E, A, B, B, C. Spätestens auf den zweiten Blick sollte jeder sehen, dass die Todeswahrscheinlichkeit für Kai Koanonenfutter weitaus geringer ist, obwohl er zu günstigerem Preis am Markt angeheuert werden kann.
2. Der zweite Fehler beruht auf der Tatsache, dass das Aussenden der Abenteurer in jeder Runde erst dann beginnt, wenn ALLE Spieler darauf verzichten, einen weiteren Abenteurer am "Abenteurermarkt" anzuheuern. Dies kann man theoretisch endlos lange tun, da es immer einen Abenteurer kostenlos zu haben gibt (auch wenn man bei mehr als drei einen Abenteurer wieder abgeben muss).
--> Nimmt man sich stets den kostenlosen Abenteurer, kann man auf dieses Weise seine Gruppe solange durchwechseln, bis man die beste Konstellation der verfügbaren Karten auf der Hand hat. Und das kann sehr, sehr lange dauern... es reicht schon, wenn ein Spieler sich diese Freiheit nimmt. Da half bei uns nichts anderes, als die Schwachstelle mit eigenen Regeln zu kompensieren.
Besonders fatal wirken sich die beiden Mankos übrigen zusammen aus:
Man kann quasi unbegrenzt und immer für Lau den aktuell besten Abenteurer auf dem "Markt" kriegen. Wahnsinn. Spielprinzip im Eimer.
Theoretisch lässt sich das alles durch eigene Regeln irgendwie beheben. Aber bis das mal soweit ist und ob man es überhaupt noch will nach den Frusterlebnissen, ist eine andere Frage. Ich habe das Spiel mit zwei verschiedenen Gruppen ausprobiert, und es hat unabhängig voneinander wenig Spaß gemacht und sich (wie von anderenbereits erwähnt) lange gezogen. Die Regel ist auch keine große Hilfe. Das ginge deutlich besser.
Dazu kommt dann noch die wirklich ärmliche Qualität des Spielmaterials. Auch mit größter Sorgfalt konnte ich einige Figuren bereits fast kaputt kriegen. Die Wurstfinger der anderen hab ich natürlich gar nicht erst an die Pappaufsteller gelassen... ;)
Deshalb alles in allem und nach reichlich Überlegung tatsächlich nur 1 Stern für das Gesamtpaket.