Auch in diesem Fall kenne ich nur das Hörspiel und nicht die Buchvorlage, so dass ich nichts über die Bearbeitung und Umsetzung des Stoffes sagen kann - was also zum Beispiel akustisch besser oder schlechter gelöst wurde als in Romanform. Insofern bewerte ich auch nur das Hörspiel - das, was man zu hören bekommt. Darüber hinaus versuche ich, alle meine Ressentiments gegen Fußball-Folgen im Rocky-Beach-Kosmos, anbiedernde Trend-Stories im allgemeinen und den Drei-???-Autoren Marco Sonnleitner im besonderen NICHT mit in meine Kritik einfließen zu lassen (wird mir übrigens nicht richtig gut gelingen, s.u.).
Die Geschichte läuft relativ flüssig vor den Ohren des geneigten Hörers ab. Unterstützt wird dies durch eine gelungene Musikauswahl, dieses Mal recht anständig ausgewählte, okay platzierte und meist vernünftig gepegelte Geräusche (abgesehen von den für EUROPA-Produktionen typischen Schwächen bei Menschenmengen und Raumklang) sowie durch Sprecher, die ihre Einsätze überzeugend, markant, konzentriert und ohne Schnickschnack (das meint vor allem die Sprecher der Hauptfiguren, deren Laissez-faire-Stil mich in Produktionen der letzten Jahre oft störte) über die Bühne bringen. All diese Aspekte halfen mir doch sehr, während des Hörens nicht auf störende Weise über die hanebüchene Geschichte, die vielen doofen Zufälle und Übertreibungen, die an sich sinnlosen Rätsel und den leider langweiligen Bösewicht, der am Ende aus dem Hut gezaubert wird, nachzudenken. Wenn man das so liest: trotz allen positiven Punkten ein an sich niederschmetterndes Urteil!
Dennoch ist das Hörspiel "Die drei ??? und das Fußballphantom" kein totaler Versager, sondern relativ unterhaltsam und, da leichtfüßig von Schauplatz zu Schauplatz springend, zum wiederholten Anhören in Maßen geeignet... so ziemlich auf der Kippe zwischen ** und *** Amazon-Sternen (und im Zweifelsfall dann für den Angeklagten!). Auch einige Klassikerfolgen aus der Anfangszeit der Drei ??? waren von der Handlung her nicht der wahre Jakob, gewissermaßen angerissene Stories mit manchmal übertriebenen Bösewichten und Handlungsverläufen - und dennoch als Hörspiel unterhaltsam! Zum Beispiel höre ich die eher mittelmäßige Folge "Der rasende Löwe" weitaus häufiger als das allseits hoch gelobte Hörspiel "Die gefährliche Erbschaft". Das liegt daran, dass ein besonderes Flair, eine akustisch ansprechende Aufmachung oder gute Sprecherleistungen - gewissermaßen der äußere Stil des Hörspiels - einiges dazu beitragen, eine Folge gut "weghören" zu können. In dem gerade genannten Beispiel erliege ich schlichtweg und regelmäßig dem nächtlichen Dschungel-Charme eher als dem Rätselhinterhergehechel der Erbschaftsgeschichte.
Und aus oben genannten Gründen zähle ich auch "Das Fußballphantom" zu denjenigen Folgen, die als Hörspiel halbwegs gelungen sind, wenn auch die zugrunde liegende Geschichte ziemlich mau ist - es gibt einige attraktive Ortswechsel, es herrscht ein freundlicher Gesprächston zwischen den Protagonisten und es gibt sehr gute Musikeinsätze. Das Hörspiel ist "nett gemacht" und man muss sich nicht dauernd und aktiv über die Handlung aufregen. Sie ist eher egal... was schlimm genug ist!
Apropos Handlung: Bei dieser weiteren Fußball-Folge, die eigentlich keine ist und den Sport nur als verkaufsfördernden Aufhänger gebraucht, wünsche ich mir langsam, dass sich die Autoren endlich mal eine richtig gute Fußball-Folge ausdenken mögen. Eine Geschichte, in der Sport und Detektivarbeit ein stimmiges und spannendes Miteinander finden. Da waren ja sogar die frühen deutschen Sportfolgen von Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer attraktiver und sportgemäßer aufgezogen. Nein, heutzutage gibt's lieber nur so halbe Sachen wie das hier. Kein Wunder, dass Fußball-Folgen bei erwachsenen Serienfreunden so unbeliebt sind, wenn da immer nur so liebloser Einheitsbrei geliefert wird (und ich frage mich jetzt, ob ich mir gerade tatsächlich eine weitere Fußball-Folge gewünscht habe?! So weit ist es schon gekommen...!)
Wie auch immer, wer langsam aber sicher von Rätsel- und Schnitzeljagden genug hat, für den ist die Folge wahrscheinlich nichts. Denn auf anderes "Interessantes" wird inhaltlich nicht gesetzt. Der Echtzeit-Effekt ist für die Handlung auch nur bloßes Blendwerk und unterstützt keinen nennenswerten Spannungsaufbau (wie etwa bei der großartigen Fußball- und Echtzeitfolge aus der Serie über den blinden Privatdetektiv aus Hamburg "Peter Lundt und das Eckige im Runden"). Vielmehr scheint mir der trendy Echtzeit-Ansatz eher der planerischen Faulheit des Autoren geschuldet, eine Geschichte auch über mehrere Tage, gar Wochen an Handlungszeit zu entwickeln und am Laufen zu halten - etwas, was sich die klassischen Drei-Fragezeichen-Autoren nicht scheuten, man denke nur an die ziemlich spannenden und actionreichen Folgen "Der Doppelgänger", "Die silberne Spinne" oder "Das Narbengesicht", die alle einen recht langen Erzählatem bewiesen. Das Schlimme ist, dass dies kein dezidiertes Problem von Marco Sonnleitner, dem Verfasser der Buchvorlage des "Fußballphantoms" ist, sondern dass dies momentan eigentlich alle Autoren betrifft, die für "Die drei Fragezeichen" schreiben.
Fazit: Die Geschichte an sich ist ziemlich schlecht und zusammengeschustert - als Krimi schlichtweg liebloser Ramsch -, doch das Hörspiel punktet auf gestalterischer und schauspielerischer Ebene durch eine gewisse Leichtfüßigkeit, so dass ich es als ganz angenehm zu hören empfand. Aber denkt dran, liebe Hörspiel- und Buchautoren der Drei ???: Allzu lange kann man ein so mittelmäßiges Niveau der Geschichten nicht mehr schön reden oder schick verpacken!