Charles C. Mann ist Journalist und Schriftsteller, und widmet sich in seiner Arbeit gerne wissenschaftlichen Themen, die er in gut aufbereiteter Form der Öffentlichkeit zugänglich macht. Als er 1983 zum ersten Mal die Halbinsel Yucatán besuchte, und dort die Maya-Ruinen besichtigte, wurde er in den Bann der untergegangenen mesoamerikanischen Kulturen gezogen. Dieses, zunächst persönliche Interesse, führte schließlich zu dem vorliegenden Buch, "1491", das 2006 auf dem amerikanischen Markt veröffentlicht wurde.
Gegliedert in drei Teile, gibt "1491" Einblicke in ein Amerika vor dessen Entdeckung durch Columbus, eben im Jahr 1491. Wie der Untertitel "New revelations of the Americas before Columbus" schon andeutet, geht es dem Autor dabei primär auch darum, das allgemein verbreitete Bild der Amerikas (Nord, Mittel und Süd) vor 1491 zu widerlegen. Dieses allgemein vorherrschende Bild beschreibt den Erdteil als größtenteils unberührte Wildnis, mit vereinzelten Indianerdörfern und ihren primitiven Einwohnern, den zeitgenössischen Europäern in jeder Hinsicht unterlegen. Mittlerweile deuten die Erkenntnisse jahrelanger wissenschaftlicher Arbeit jedoch auf ein ganz anderes Amerika hin: Dicht besiedelt mit teilweise weit entwickelten und viele tausende von Jahren alten Kulturen, Städten, größer als das Paris der damaligen Zeit, und einer Natur, die weniger eine Wildnis, als eine gezielt von den Menschen gestaltete und gepflegte Umwelt ist.
Im ersten Teil des Buches beschreibt Mann das Leben der Einwohner der Nordamerikanischen Ostküste, die den ersten Kontakt zu den europäischen Eroberern hatten. Dabei beginnt er eben mit diesem Kontakt, und beschreibt dann das bisherige Leben der Indianer. Es folgt eine Beschreibung des Inkareiches Tawantinsuyu. Hier in diesem ersten Teil geht Mann zudem auf die Folgen der Entdeckung Amerikas durch die Spanier für die bisherigen Einwohner ein.
Im zweiten Teil werden die großen mesoamerikanischen Zivilisationen, die Dreier-Allianz (Mexica/Azteken), die Maya und die kleineren Stämme genauer betrachtet.
Im dritten und letzten Teil des Buches, geht es schließlich um die Moundbuilders Nordamerikas, sowie die Bewohner Amazoniens. In diesem Teil widmet sich Mann außerdem dem Thema der "unberührten Wildnis". Es folgt eine kurze Koda.
Im Anhang des Buches befindet sich ein Appendix, in dem auf vier im Verlauf des Buches angerissene Themen (Der Begriff "Indianer", die Knotensprache, europäische Krankheiten und indianische Kalender) genauer eingegangen wird, ausführliche Anmerkungen und eine umfangreiche Bibliografie.
Das Ziel des Buches "1491" ist es, ein neues, besseres Licht auf die ursprünglichen Einwohner der Amerikas zu werfen. Und das gelingt dem Autor Charles Mann auch sehr gut. Auf den rund 350 Seiten beschreibt er einen Kontinent voller Leben und verschiedenen Kulturen, dass sich fundamental von der vorherrschenden Sicht unterscheidet. In der Wissenschaft hat sich dieser Trend zur Revision des veralteten Bildes Amerikas schon durchgesetzt, die große Masse der Allgemeinheit folgt hoffentlich. Bücher wie das hier besprochene, können ihren Teil dazu beitragen.