Kundenrezensionen

20
4,5 von 5 Sternen
14/18: Der Weg nach Versailles
Format: Gebundene AusgabeÄndern
Preis:34,99 €+Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

62 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. Mai 2014
Nachher ist man immer schlauer, speziell in Sachen Geschichtsschreibung. wie erfrischend dieses Thema für den interessierten Leser jedoch sein kann, zeigt Jörg Friedrich in 14/18.

Das Buch beginnt mit der detaillierten Analyse der Ausgangsposition der Europäischen Mächte sowie der USA am Vorabend des 1. Weltkrieges. Entgegen der vorherrschenden Meinung, dass der Krieg durch Jahrzehntelanges Wettrüsten und imperialistischer Muskelspiele unvermeidlich war, stellt Friedrich fest, dass niemand diesen Krieg wirklich wollte, auch nicht das Deutsche Reich.

Dem Versagen der europäischen Diplomatie nach dem Attentat auf den K.u.K. Thronfolger Ferdinand und den fatalen Automatismen der gegenseitigen Mobilmachungen wird im Buch sehr viel Platz eingeräumt. Friedrich räumt hier mit dem Mythos des "Blankoschecks" an Österreich-Ungarn auf. Ebenso wird das Bild eines kriegsgeilen Kaiser Wilhelms II. widerlegt, dessen Pickelhauben die wehrlosen Nachbarn überfallen. Der Autor besitzt hier interessante Einsichten in die diplomatische Korrespondenz aller Entscheider. Franzosen und Russen hier sicherlich in forscheren Rollen als viele Werke der deutschen post-1945 Geschichtsschreibung uns Glauben schenken möchten. Am Ende entwickelte die "Julikrise" eine Eigendynamik, die zum Krieg führte. 100 Jahre Abstand erlauben Friedrich eine sehr präzise Analyse.

Belgien wird ein eigenes Kapitel gewidmet. Die entfesselte Dynamik des Einmarsches in Belgien (Schlieffenplan) führte zum Weltkrieg. Das fehlende Feingefühl der Deutschen in der Kommunikation mit anderen Nationen sowie der Genius der angelsächsischen PR im Kapitalisieren dieser Fehler wird z.B. im Kapitel "Propaganda" beschrieben.

Den sogenannten "was wäre wenn" Szenarien wird viel Platz eingeräumt, diese machen das Buch einzigartig. Was wäre passiert wenn Deutschland Elsass-Lothringen abgetreten hätte und dafür im Osten neue Gebiete gewonnen hätte? Einsichten in damals geheime Dokumente zeigen was möglich war. Was wäre passiert, wenn schon vor den letzten grossen deutschen Offensiven 1918 ein Verständigungsfrieden erreicht worden wäre? Was, wenn Russland 1914 nach Budapest respektive Danzig/Berlin durchgebrochen wäre usw..

Dem Leben der normalen Soldaten wird in diesem Buch ebenso Platz eingeräumt.
Ein Kapitel handelt über die neue Artillerie, ein anderes vom Sanitätswesen. Dies macht das Elend auf den Schlachtfeldern und das industrielle Töten greifbarer, verständlicher.

Das Grosse Ganze steht bei Friedrichs 14/18 stets im Vordergrund. Die Schlachten von Verdun, der Somme, die Brussilow Offensive 1916 oder auch Gallipoli werden nur angeschnitten und in ihren strategischen Folgen analysiert. Die Schlacht an der Marne und Tannenberg sowie die Deutschen Offensiven 1918 hingegen en Detail behandelt (Marschbefehle an XYZtes Korps etc)

Das Buch spart nicht an Bewunderung vor den militärischen Leistungen Deutschlands ("das stärkste Heer der Welt")
Seiner These nach ist es in den Krieg hineingezogen worden. Es wurde jedoch Opfer seines eigenen Erfolgs, denn dieser trug zur Unmöglichkeit eines Verständigungsfriedens bei, da man solch einen Frieden (Status quo ohne Elass z.B.) im Kontext besetzter Gebiete und grosser deutscher militärischer Erfolge (Serbien, Nordfrankreich&Belgien besetzt, Russland bezwungen) der eigenen Heimatfront nicht verkaufen konnte - und vor allem nicht wollte. Die wechselnden Stimmungen während des Kriegsjahre sind kaum zu überschätzen, je mehr Opfer, desto mehr sollte der Frieden als Dividende einbringen.

Auf Rolle der USA als (unfreiwilligem) Hauptprofiteur der europäischen Katastrophe wird detailliert eingegangen. Die Entente Mächte verschuldeten sich im Laufe des Krieges massiv beim grossen Bruder. Dieser half mit Krediten, Munition und Lebensmitteln, die Allierten am Leben zu halten.

Auf Versailles selber wird kaum eingegangen, mehr dafür auf die entscheidenden Wochen bis zum Waffenstillstand sowie die Jahre nach dem Frieden.

Stil:

Das Buch ist mit seinen 1000 Seiten recht umfangreich, gerät jedoch durch die lebendige Sprache Friedrichs selten langatmig. Die oft knackigen und sehr ehrlichen Sätze der damaligen Entscheider sind aus deren Memoiren entnommen. Französische und einige englische Zitate werden öfters im Original belassen und wirken daher sehr prägnant. Oft vorkommende Ausrufezeichen untermalen Friedrichs Stil.
Die Kapitel sind überwiegend chronologisch gegliedert und nach Themen unterteilt (Ostfront, Belgien, Propaganda, USA etc..).

Fazit:

Für Freunde der Historie ein lesenswertes Buch, Neulinge in diesem Thema werden diese 1000 Seiten erschlagen. Nicht als Einstieg in das Thema geeignet! 14/18 ist gut recherchiert (die zahlreichen Quellen hinten anstatt im Text zu finden).

Friedrich ermöglicht seinen Lesern eine neue Sicht auf die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, ohne Scheu vor dem allgegenwärtigen Zwang der Political/Historical Correctness. Mit neuen Einsichten wird es wohl seinen Beitrag zu einem neuen Geschichtsverständnis ohne Scheuklappen leisten, 100 Jahre danach.
22 KommentareWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. Juli 2014
Nachdem ich das Werk von Christopher Clark und jenes von Jörn Leonhard gelesen hatte, habe ich mich an die Lektüre von Jörg Friedrich’s 14/18 gemacht. Positiv empfunden habe ich die Trennung der Kriegshandlungen in Westen und Osten. Dies erleichtert das Verständnis. Ich habe auch viele neue Fakten, besonders aus dem militärischen Bereich zur Kenntnis genommen. Das Werk von Friedrich hat mir eine sehr interessante Ergänzung und Abrundung der schon erworbenen Kenntnisse gebracht. Gefallen hat mit auch sein flüssiger Schreibstil und seine persönlichen - oft lustigen bis zynischen - Anmerkungen. Friedrich’s Werk steht ebenbürtig neben den beiden anderen zitierten Werken und ist deshalb auch ein sehr lesenswerter Beitrag zur Geschichte des 1. Weltkriegs. Bravo! Für historisch Interessierte ein sehr Interessante Lektüre. Negativ ist das Lektorat zu beurteilen: viele Trenn- und Schreibfehler, sinnentstellende Verdrehungen, Fehler in den französischen Zitaten und bei den Ortsnamen. Schade!
Yves Sohrmann
22 KommentareWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
37 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. Mai 2014
Als ich im Focus über das neue Buch von Jörg Friedlich las, setzte ich mich noch nachts an das Notebook und bestellte mir die Ausgabe über Amazon. Wie immer prompte und schnellste Lieferung.

Bereits meine Großeltern erzählten uns als kleine Buben von der Zeit damals und den Berichten ihrer Eltern. Ein Urgroßvater war z.B. Ordonnanzoffizier (Oberst) beim Kaiser Franz-Joseph im K.U.K. Heer, andere dienten im preußischen Heer. Wenn ich heute die Puzzle aus den Erzählungen meiner Groß- und Urgroßeltern mit den neuesten geschichtlichen Erkenntnissen zusammensetze, muß man sich auf jeden Fall kritisch fragen, ob das "Diktat von Versailles" nicht eine unrechtmäßige Bürde mit der Alleinschuld Deutschlands am 1. Weltkrieg und so den Keim noch größeren Übels darstellte. Auf jeden Fall hab ich das Buch kaum eine Sekunde aus den Händen gelegt und ich gebe zu, wie mich dieses "alte Thema" heute mehr denn je fesselt. Es mag 100 Jahre her sein aber viele Dinge erscheinen im einem neuen Licht.
Um mit den Worten meines Großvaters zu schließen..."...die Sieger schreiben die Geschichte...".
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Es ist nun schon eine Weile her, dass sich der Kriegsausbruch von 1914 zum hundersten Male jährte. Rechtzeitig dazu wurde eine Unmenge von Buchneuerscheinungen auf den Markt geworfen. Aus der Menge heraus ragen Christopher Clarks "Die Schlafwandler", dessen Hauptaugenmerk auf der langen Vorgeschichte des Krieges lag, Herfried Münklers umfassende Studie über den "Großen Krieg" und Jörg Friedrichs "14/18". Zu Recht nannte es der Rezensent des Focus "das provokanteste Buch zum Thema".

Zuerst verstörte mich der der aperçuhafte, journalistisch-plaudernde Ton, aber bald wurde ich doch hineingezogen in den Strudel, die dichte, ständig mit Zitaten und authentischen Gesprächsfetzen gespickte Atmosphäre, ja Handlung möchte ich beinahe sagen. Dies ist nicht die anschauliche und differenzierende Sprache des schreibenden Gelehrten - wie bei Clark und Münkler - sondern tatsächlich die eines Provokateurs: "Deutschland hielt sich wie die Kinder die Hand vor Augen, damit es unsichtbar blieb." (120).

Aber ähnlich wie für Münkler, der von einer "Fatalismusfalle" spricht, war auch für Friedrich der Krieg nicht ein zwangsläufiges Ereignis sondern das Ergebnis eines eklatanten Versagens der politischen Eliten: "... mit den Charakteren und Zielen der politischen Eliten hätte der Funke aus Princips Browning eigentlich aufgefangen werden können. [...] die Welt hätte zudem vier Jahre lang das Feuer austreten können, als seine Unersättlichkeit offenbar wurde." (42)

Gelegentlich gleitet der Schreiber in die verschwörungstheoretische Ecke ab: "Der Besuch Poincarés in Petersburg [...] hat keine Aktenspuren hinterlassen. [...] warnte er auch den Zaren, oder erteilte er einen ebensolchen Blankoscheck wie Wilhelm, der Gaukler zu Potsdam?" (84)

Auch die kontrafaktische ("Was wäre gewesen, wenn?") Geschichte kommt nicht zu kurz: "Bucharin wird Lenins Erbe, nicht Stalin, und diskutiert mit Delegationen der SPD ... den richtigen Weg zum Sozialismus. Russisches Getreide und serbische Schweine schlagen [...] die Hungerwaffe aus Englands neidischer Hand. Die ... Ukraine ... bildet mit Deutschland eine Wirtschaftsunion ... Was ist dagegen Elsaß-Lothringen ... Nimm es, Frankreich hin und lebe in Frieden. Das Deutsche Reich hat Größeres vor." (911)

Das Buch konnte anscheinend gar nicht schnell genug auf den Markt kommen. Das mag die (bereits von einem anderen Rezensenten bemängelten) Schreibfehler und Verdrehungen erklären. Dazu kommen noch einige sachliche Fehler. Nur ein kleines Beispiel: "... das Messer..., das ... Franzens Tante ins Herz stach" (12) - tatsächlich war es eine Feile.

Das sollte in einer eventuellen Neuauflage korrigiert werden. Insgesamt überzeugt aber die frische provokante Perspektive des Buches, die aus dem alltäglichen Einerlei herausragt.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 19. Januar 2015
Zwei Empfehlungen seien jedem gegeben der über den Kauf dieses Buches nachdenkt:
1.) Lesen sie dieses Buch nicht als Einstieg in die Thematik!
2.) Versäumen sie auf keinen Fall dieses Buch zu lesen!

Wie gelange ich zu diesen Empfehlungen? Nun, dieses Buch ist von solcher Sprachmacht, mit soviel Feuer, Elan und Begeisterung für die Geschichte, ihre Interpretation und Lehren geschrieben, dass es schwer fällt überhaupt eine Pause zu machen und das Buch aus der Hand zu legen. Wer nach der Lektüre dieses Werkes kein überzeugter Kriegsgegner und Pazifist ist, wer sich hernach nicht empört über den Machtmissbrauch durch viele derjenigen die Macht besitzen - und wie aktuell ist bitte dieses Thema in Zeiten von Krimkrise und Euro-Rettungsspielchen - wen nicht die Wut packt über Propagandalügen jeglicher Art wiedergekäut durch allzu willfährige Presseorgane, dem fehlt Herz, Leidenschaft oder Verstand oder alle drei Dinge zusammen.

Wer die Schilderungen Friedrichs über die Schlachten um Galizien oder Verdun liest wird beständig "Nie wieder Krieg!" ausrufen wollen. Wer den Zynismus und die Berechnung nachvollzieht mit denen Europa 1914 in den Krieg geführt wurde und über vier Jahre ein Gemetzel apokalyptischen Ausmaßes veranstaltet wurde, wird (hoffentlich!) seine Beziehung zu Macht und Mächtigen neu definieren - die Art und Weise wie damals ebenso wie heute egoistische und oft ganz persönliche Motive von Mächtigen auf Kosten tausender, ja von Millionen Menschen durchgesetzt werden und wie leicht dieses Vorgehen hinter einer Fassade des Anstands und Wohlmeinens verdeckt werden kann ist erschütternd. Fassungslos nimmt man bspw. die Rolle von Winston Churchill in der Inszenierung des 1. Weltkriegs zur Kenntnis und verzweifelt fast, wenn man sieht mit wieviel Wohlwollen die Geschichte über diesen Kriegstreiber und Zyniker ersten Ranges urteilt.

Nun, letztere Informationen bekommt man auch andernorts geliefert - und dies oft strukturierter, klarer, nachvollziehbarer. Und genau aus diesem Grund macht es Sinn zunächst ein anderes Buch über den 1. Weltkrieg zu lesen - bspw. Herfried Münklers "Der große Krieg". Aber um dieses historische Ereignis nicht nur in seiner Chronologie und den kleinen und großen Entwicklungslinien nachvollziehen zu können, sondern es zu verstehen, zu begreifen und in seiner ganzen Wucht wahrzunehmen ist dieses Buch von Jörg Friedrich meines Erachtens einzigartig. Dass darüber zuweilen die letzte Klarheit über zeitliche Abfolgen und die übergeordneten Zusammenhänge verloren geht, ist verzeihlich und gut zu verschmerzen, wenn man sich hierüber bereits vorab informiert hat. Dieses Buch bestürzt, regt an und regt auf - und genau diese Emotionalität beeindruckt!
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. Juli 2014
Warum es heute immer über tausend Seiten sein müssen, weiß ich nicht. Weniger wäre mehr, und trotzdem ist das Buch empfehlenswert. Es zeigt die Offenheit von Geschichte, und daß es auch ganz anders hätte kommen können. Außerdem werden viele Kriegsschauplätze in den Focus gerückt, die sonst gerne übersehen werden.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. März 2015
Auf ca. 1000 Seiten erzählt Jörg Friedrich die Geschichte des ersten Weltkriegs beginnend mit dem Attentat von Sarajevo bis hin zum Frieden von Versailles. Die komplexe Thematik gliedert er einerseits chronologisch, andererseits indem er Ost- und Westfront in getrennten Kapiteln behandelt. Dabei ist der Autor ein mitreißender Erzähler, nicht zuletzt sein Sprachvermögen ist beim Lesen immer wieder ein Genuss.
Inhaltlich bemüht sich Friedrich, einen neutralen Standpunkt zu beziehen, was im Zusammenhang einer gegenwärtigen Revision der Ereignisse in der Historiographie (siehe Clark: Die Schlafwandler) bedeutet, dass er auch die Entente nicht aus ihrer Verantwortung entlässt. Zum Beispiel schildert er ausführlich den Fall des neutralen Griechenland, welches durch England und Frankreich mit unsauberen Mitteln in den Krieg gegen die Mittelmächte hineingezogen wurde, und weist auf Parallelitäten zum Übergehen der belgischen Neutralität durch das Deutsche Reich hin. Ebenso führt er an, dass die Hungerblockade durch die englische Marine in der Nordsee ebenfalls (zumindest bis zu einem gewissen Grad) neutrale Länder wie die Niederlande betraf.
Auf Fußnoten hat Friedrich verzichtet, was das Buch nur noch besser lesbar macht. Für jemanden, der sich wissenschaftlich mit der Materie befasst, mag dies ein Ärgernis sein. Jedoch folgt am Ende ein ausführliches Quellenverzeichnis.
Dass ich nur vier Sterne vergeben habe, liegt an folgenden, ärgerlichen Mängeln:
1) Friedrich, bisweilen mit einem frischen Hang zu bissiger Ironie, vegaloppiert sich sprachlich hin und wieder, so dass sein Resümee dann für den Leser unklar bleibt.
2) Manchmal scheint es auch Verwechslungen von Namen, Bezeichnungen etc. zu geben, die bei einer sorgfältigeren Herausgabe des Werkes sicherlich noch vor Drucklegung aufgefallen wären.
3) Da in der Zeit des ersten Weltkriegs manche Deutsche französische Namen oder Russen deutsche Namen hatten, wäre es manchenorts vorteilhaft gewesen, die Nationalität genau zu benennen.
4) Am Ende der Ereignisse beschleunigt sich das Erzähltempo meiner Ansicht nach deutlich. Wird auf Sarajevo noch ausführlich eingegangen, bekommt der Leser Versailles "nur noch im Nachschlag" mit.
5) Und das ist der Hauptpunkt: Das Kartenmaterial (sofern man überhaupt davon sprechen kann) ist erbärmlich! Ohne ein Ergänzungswerk mit gutem Kartenmaterial bleibt etwa der Krieg in Serbien für einen Leser ohne Vorwissen im Dunkeln.
Betonen möchte ich am Ende jedoch: Die aufgeführten Mängel können die Klasse des Buches insgesamt nur leicht schmälern!
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
44 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Auch in seinem neuen Buch enttäuscht Jörg Friedrich mich nicht. Er gilt als der Krawallmacher unter den Historikern und das alles nur, weil er Fragen stellt, die so vor ihm noch niemand gestellt hat.

Der Autor schreibt packend, der Lesefluss wird nicht andauernd von Hinweisen und Quellen unterbrochen, die erscheinen gut sortiert im Anhang.

Was mich für Friedrich einnimmt, ist seine Gabe, provokante Fragen zu stellen. Zweifellos überspitzt er auch und scheint gelegentlich nahe am rechten Rand zu stehen, an dem er sicher nicht verortet werden kann.

Eindrücklich, beinah in romanhafter Form, schildert der Autor den I. Weltkrieg. Er stellt das Deutsche Reich als ein Land in seiner schönsten Blüte vor und fragt dann unverblümt, wie es sein konnte, dass Deutschland dann nach 1918 der große Buh-Mann war. Äußerst spannend seine Bewertungen, warum der Krieg vier Jahre lang dauern musste, obwohl er schon nach einem Jahr hätte beendet werden müssen, waren die Kriegstaktiken beider Seiten doch längst fehlgeschlagen.

Mit Erschrecken lese ich, wie der Historiker gerade in dieser Frage ausführt, dass der Krieg vor 100 Jahren immer mehr zu einem Krieg der Ideologien wurde. Nach dem Motto der Gute haut dem Bösen eins auf die Mütze, hat sich dieser Krieg nach einem Jahr verselbstständigt. Erschrocken über Friedrichs Einlassungen bin ich besonders deshalb, weil ich mich während des Lesens fragte: Beschreibt er den I. Weltkrieg oder den gegenwärtigen Konflikt in der Ukraine? Für mich zeigen sich hier deutliche Parallelen!

Jörg Friedrich wird mit diesem Buch einmal mehr die Historikerzunft spalten, aber damit zugleich neuen Schwung in eine alte Debatte bringt. Mich begeistert der Autor vor allem deshalb, weil er sich nicht scheut, provokante Thesen und Fragen zu stellen!
99 KommentareWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. August 2014
Jörg Friedrich gehört zu den von mir besonders geschätzten Historikern.
Unter Einsatz seines breiten und fundierten Wissens verleiht er dem in Deutschland durch unermüdliche Medienarbeit anerzogenem Mainstream einer vermeintlich politisch korrekten Geschichtsschreibung einen erweiternden Blickwinkel..

Dies gilt auch für das Buch 14/18. Kompliment!

Was Herr Friedrich verbal so treffend, so befreiend vorträgt, spiegelt sich leider nicht immer in der Schriftform des Buches. Viel Wissen voraussetzend, macht es dem Leser der Satzbau zusätzlich schwer „Anschluß“ zu halten.

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß das Buch noch schnell vor Juni 2014 fertig werden mußte und die Texte 1:1 aus einem Diktat des Autors übernommen wurden.

Schade, daß man sich die lesenswerten Inhalte des Buches so schwer „erarbeiten“ muß.
Schade auch, daß so manche Schlachtenschilderung episch ausfällt, ohne dem Nichthistoriker wirklich tiefere Einblicke in die Zusammenhänge des Geschehens zu vermitteln.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
36 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. Mai 2014
Friedrich macht da weiter , wo das "Schlafwandler " Buch aufhört. So wird der unnötige Untergang unserer guten alten Zeit ,der Epoche des globalen Bildungsbürgertums ,in den Schützengräben an der Somme und in Galizien ( Ukraine !) auch zu einer Warnung für unsere Tage: Auch 1914 galt ein Krieg als völlig unwahrscheinlich...Das Buch ist aber keine komplette Kriegsgeschichte,da die Feldzüge in Palästina oder in den Kolonien ( Randgebiete ) nicht abgehandelt sind.Stattdessen zeigt der Autor ,wie das Kaiserreich trotz militärischer Höchstleitungen den möglichen Verständigungsfrieden nicht erringen konnte. Spannend die Beschreibung des Kriegsendes, als Deutschland sich von falschen Versprechungen des US Präsidenten in die Falle locken liess und -geschwächt durch Defätismus und Revolution- die Waffen streckte .
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
     
 
Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen
Die Schlafwandler: Wie Europa in den ersten Weltkrieg zog
Die Schlafwandler: Wie Europa in den ersten Weltkrieg zog von Christopher Clark (Broschiert - 9. März 2015)
EUR 19,99


Der Große Krieg: Die Welt 1914 bis 1918
Der Große Krieg: Die Welt 1914 bis 1918 von Herfried Münkler (Gebundene Ausgabe - 6. Dezember 2013)
EUR 29,95