Zwölf Uhr Mittags (High Noon). USA 1952
Mit: Gary Cooper, Grace Kelly, Lloyd Bridges, Katy Jurado, Lee van Cleef u. A. Regie: Fred Zinnemann. Musik: Dimitri Tiomkin (Ned Washington: Text des Titelliedes)
Bild: gut / SW / 4:3. Filmlänge: 80 Minuten
Auszeichnungen: Oscars für Gary Cooper für die beste männliche Hauptrolle, Musik, Titellied und Schnitt. Nominierungen: für mehrere Oscars
Die besten Qualitäten dieses Films sind:
a.) seine Einfachheit
b.) ein menschlicher und gleichzeitig mutiger Held
c.) die ängstlichen, feigen oder egoistischen Mitbürger, die den Helden in entscheidendem Moment im Stich lassen
d.) die Musik
e.) die Spannung
Gary Cooper als Sheriff ist ein menschlich normaler Held, der seine Mitbürger um Hilfe gegen blutdürstige Bösewichte bittet. Schon diese Tatsache offenbart den Film als eine realitätsnahe Studie über soziale Mechanismen von Entscheidungen. Die Angst ist die Triebfeder der meisten Absagen der vermeintlichen Freunde, aufgrund derer Cooper in eine lebensbedrohliche Situation katapultiert wird innerhalb von wenigen Minuten. Der Tod eilt ihm in Lichtgeschwindigkeit entgegen und er stellt sich dem mordlüsternen Killerkommando nicht, weil er gute Chancen hat, sondern, weil er seinen Treueeid hält. Die Bürger in ihrem vermeintlich gesicherten gesellschaftlichen Gefüge prostituieren sich dadurch, dass sie die Anarchie zulassen, indem sie sich als aktive Bewahrer der Kollektivordnung verweigern. Sie verstehen nicht, dass ihr persönlicher Verzicht auf die Ausübung der regulierenden Gewalt, den Status der eigenen Sicherheit untergräbt. Der Einzige, der die Gefahr durchschaut ist Cooper - und aus dem Grund weicht er nicht der bösen Gewalt.
Gary Cooper verkörpert den leidenden, gequälten, der Angst unterworfenen Helden ganz tiefsinnig und glaubwürdig, so dass er des Oscars vollkommen würdig ist.
Es ist die zutiefst bewegende Psychologie der Handlung, in welcher ein Einzelner, der bis dahin ein anerkanntes Mitglied der Gemeinde war, plötzlich völlig alleine und verlassen da steht. Ein solcher Held wirkt berührend im Auge des Zuschauers, dem man sich spontan solidarisch zuwendet. Das ist auch einer der Gründe für die große Beliebtheit des Films und seinen Erfolg.
Kurz zur Reaktion auf den Film mit filmischen Beispielen wie Rio Bravo. Ja, es ist klar, warum es der eine oder andere nicht vermag, High Noon zu ertragen. Weil die Situation von Cooper unerträglich ist. Es ist genauso unerträglich der Hilflosigkeit und seinem wahrscheinlichen Scheitern entgegenzusehen. Das ist aber gleichzeitig seine Güte. High Noon ist ja viel komplexer und realer, als sämtliche Geschichten über die furchtlosen Helden, die ach ja so locker ihren Revolver aus dem Halfter ziehen. Darum ist Zwölf Uhr Mittags besser. Der Einzelne muß mal diesen Druck des drohenden und sich nähernden Todes ertragen, sich ihm stellen. Das als Zuschauer zu verfolgen, erfordert Demut, Courage und Verständnis, sowie die Selbsterkenntnis, wie brüchig, unsicher und ungewiß unser Leben ist. Die Lebenskunst besteht darin, dass man infolge und trotz existenzieller Angst, nicht davonrennt, sondern Courage beweist. Das ist echtes Heldentum, und das hat Hawks nicht kapiert, als er Rio Bravo schuf.
High Noon ist zurecht einer der besten Filme der Filmgeschichte (nicht nur der Westernfilme).