Diesen von zwei französischen Brüdern, Jules und Gedeon Naudet, gedrehten Dokumentarfilm kann ich nur als ein Zeitzeugnis bezeichnen. Denn am 11. September 2001 veränderte sich innerhalb kürzester Zeit die gesamte Welt. In Folge der Terrorangriffe auf New York und das Pentagon hat sich die Geschichte des beginnenden 21. Jahrhunderts in eine vollkommen neue Richtung entwickelt. Vor diesem Tag konnten die Brüder Naudet nicht ahnen, dass sie wenige Zeit später als die unmittelbarsten Zeugen angesehen würden, die die dramatischen Ereignisse dieses Tages im September in einem mehr oder weniger zusammenhängenden Film festgehalten hatten.
Angefangen hatte alles im Frühsommer desselben Jahres. Absicht der Filmemacher war eine Dokumentation über die Arbeit und das Leben der Männer von der Einheit "Engine 7, Ladder 1" des Fire Department New York (FDNY), die in Manhattan stationiert ist. Die Monate bis zu jenem Tag im September zeigen die beiden inmitten einer zusammengewachsenen Gemeinschaft von typisch amerikanischen Feuerwehrleuten; dokumentieren das Löschen brennender Autos, die Aufnahme des jungen Anfängers Tony in das Team der Wache oder die vielen gemütlichen Abende, an denen sich die Männer gegenseitig von ihren Einsätzen erzählen bzw. sich über die französischen Kochkünste ihrer Beobachter belustigen.
Am 11. September erhält die Wache wie so oft einen "ganz normalen" Notruf. Es ist ein klarer, sonniger Morgen im Spätsommer. Nicht weit von der Wache entfernt, in unmittelbarer Nähe des World Trade Centers, tritt Gas aus einer Leitung unter der Straße aus. Jules Naudet dokumentiert diesen Routineeinsatz mit seiner Digitalkamera. Nach nur ungefähr zehn Sekunden unterbricht ein dröhnendes Geräusch die Arbeit der Feuerwehrleute, es ist das Geräusch eines Flugzeugtriebwerks. Naudet schwenkt seine Kamera sofort gen Himmel, denn es ist ungewöhnlich, dass Flugzeuge über diesem Teil der Stadt unterwegs sind. Ein paar Sekunden später kann man den Jet, den Jules Naudet filmt, erkennen. Die zu sehende Boeing 767 der American Airlines bohrt sich mit etwa 900 km/h in den Nordturm des WTC und geht in einer gewaltigen Explosion in Flammen auf.
Es ist 8:47 Uhr. Der Terror hat begonnen. Was jetzt folgt, ist ein dokumentarischer Abschnitt des Films, der beispiellos ist. Der Einsatzwagen setzt sich sofort in Richtung der Zwillingstürme in Bewegung, wenige Minuten später kommen die Männer an. Jules bekommt die Anweisung sich an den Chief der Einheit zu halten, sie betreten das WTC. Jules filmt ununterbrochen. Diese Szene des Films hat mich im Nachhinein mit am meisten erschüttert: Trotz der vielen hundert Toten in den oberen Stockwerken des Gebäudes, dem Überlebenskampf der dort beschäftigten Menschen, wirkt in der Lobby fast alles wie immer. Hier und da ein paar heruntergefallene Teile der Deckenkonstruktion, aber nichts, was an ein Inferno erinnern könnte. Es ist gespenstisch. Gespenstisch, wenn man bedenkt, dass alles was man gerade sieht in weniger als anderthalb Stunden in tausenden von Trümmern liegen wird.
Dieser Film hat nichts Sensationslüsternes an sich. Er ist vielmehr das Resultat zweier Zeitzeugen, die zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort waren, auch wenn das makaber klingen mag: "11. September - Die letzten Stunden im World Trade Center" zeigt den Rettungskampf der Einsatzkräfte von New York; hier gibt es keine strahlenden Helden zu sehen, sondern hart arbeitende und zugleich zutiefst entsetzte Menschen, die versuchen, wenigstens ein einziges Leben vor dem Tod zu bewahren. Was diesen Film meiner Ansicht nach besonders hervorhebt, ist die Menschlichkeit der Überlebenden, die er zum Ausdruck bringt. Aber auch die verachtenswerte Grausamkeit derer, die der Auffassung sind, dass ihre Lebensweise die bessere sei.
Ich kann diesen Film nur weiterempfehlen, denn er zeigt unverhüllt und ohne jeglichen patriotisch geprägten Beigeschmack die Realität eines alles verändernden terroristischen Anschlags. Als Bonusmaterial enthält diese DVD mehrere Interviews. Alles in allem ein ungemein authentisches und ergreifendes Zeitdokument gegen das Vergessen eines Tages im September des Jahres 2001.