Endlich! Mag man meinen. Es geht um "9/11 Der Kampf um die Wahrheit", von Marcus B. Klöckner, erschienen als Telepolis Buch im Heise Verlag. Es wurde dringend Zeit für dieses Buch, fast hätte man bis heute meinen können, es hätte niemand bemerkt und aufgearbeitet, wie unreflektiert die Medien nach dem 11. September die Erklärungs-Version des Weißen Hauses übernahmen. Und später, als sich Zweifel und eine Gegenöffentlichkeit formierten, während das Weiße Haus wiederholt der Lüge überführt wurde, wie eben diese Medien mit unfairen und unlauteren, nach Journalisten-Kodex verpöhnten Methoden gegen die 9/11-Zweifel ankämpften. Die "Verschwörungstheorie", als Kampfbegriff mit der Konnotation Schwachsinn, wurde gepflegt. Jede Hinterfragung wurde so unmöglich gemacht, der Preis der Wahrheit ins Unendliche getrieben.
Nun, damit ist nun Schluß. Klöckner legt mit seinem Werk eine erstmalige Aufarbeitung der Thematik vor. Klöckner, selbst Journalist, der schon für viele Printmedien gearbeitet hat, aber kein Nestbeschmutzer ist. Sondern jemand, der klar und analytisch vorgeht, um mit dem gebotenen Abstand diese eigentlich unfaßbare Mediengeschichte zu dokumentieren.
Er beginnt damit, die wichtigsten Köpfe der Gegenöffentlichkeit in Sachen 9/11 zu skizzieren. Dann wird das 9/11 Truth Movement inkl. Innenansicht vorgestellt und eine Darstellung der Ziele vorgenommen. Auch eine Kritik an diesen wird vorgetragen - zu Recht.
Denn viele Behauptungen und Thesen sogenannter 9/11 Truther sind ja auch in der Tat abenteuerlich, aber nur diese werden immer wieder widerlegt, während die Medien andere, heiklere - und bis heute unwiderlegte, aber falsifizierbare, wissenschaftliche Hypothesen und Themen nie behandeln. Klöckner differenziert dabei- journalistisch richtig:
"Allerdings trifft die veranschlagte Kritik bei Weitem nicht auf alle 9/11 Skeptiker zu. Der Schweizer Forscher Daniele Ganser, der US-9/11-Kritiker David Ray Griffin oder etwa der deutsche 9/11 Blogger Dirk Gerhardt dokumentieren in ihrer Arbeit zum 11. September Differenziertheit und um Sachlichkeit bemühte Aufklärung."
Danke für das Lob! Man darf eben nicht alle über einen Kamm scheren, anhand einzelner, abstruser und widerlegter Punkte alles in Bausch und Bogen und ohne weitere inhaltiche Beschäftigung verdammen! Genau das machen aber "Experten" wie Elmar Theveßen oder Prof. Bernd Greiner selbst heute noch in ihren kürzlich vorgelegten Büchern.
Eine Stelle im Buch, auf Seite 100, scheint mir besonders bezeichnend für diese Klientel zu sein. Dort geht es konkret um den Geschichtsprofessor und Historiker Wolfgang Wippermann und dessen Realitätsverzerrung (in Sachen von Bülow, wie diesem Antisemitismus untergeschoben wurde, durch Zitatfälschung!):
"Die Wortführer im Stigmatisierungskampf um den Begriff der Verschwörungsheorien [seien] längst nicht so glaubwürdig, ihre Sichtweise sei längst nicht so frei von Widersprüchen, wie sie es für sich beanspruchen und der Öffentlichkeit glaubend machen wollen. Es verwundert nicht, dass gerade die Journalisten, die den Begriff Verschwörungstheorien stigmatisiert sehen wollen, sich genau auf jene Wissenschaftler stützen, die mit dem Anspruch der Unumstößlichkeit erkannt haben wollen, was es mit den Phänomen der Verschwörungstheorien auf sich hat, also Wissenschaftler, die letztlich durch ihre Beiträge zur Diskussion doch nur erkennen lassen, wie großzügig die eigenen subjektiven Glaubensgrundsätze ihr "unantastbares Urteil" über Verschwörungstheorien wohl beeinflusst haben."
Zum Schluß folgt das beste am ganzen Buch, im letzten Kapitel "Die Leitmedien" entlarvt Klöckner die Methoden der Medien. Mit der sogenannten Sequenzanalyse werden die Artikel "Die September-Lüge" von Fichtner aus dem Spiegel 2002, "Ein Wahn stützt den anderen" von Jörg Lau, ebenfalls aus 2003, im Format "Die Zeit" publiziert, sowie Andreas von Bülows Auftritt bei Maischberger 2003, komplett auseinandergenommen und all der Schmutz entlarvt, der von den Medien im Kampf um die Wahrheit ausgekübelt wurde, um sich nicht inhaltlich mit den Thesen beschäftigen zu müssen. Die Artikel sind wirklich so übel, wie man sie in Erinnerung hat! Wo blieb der Aufschrei der ehrenwerten Journalisten? Warum hat es 7 Jahre gedauert, bis das überhaupt mal dokumentiert und aufgedeckt wird (mit Ausnahme der Arbeiterfotografie, die einzige mir bekannte Seite, welche systematisch alles dokumentiert hat!)
4 Sterne gebe ich diesem Buch. Nicht, weil irgendetwas von dem, was da steht, nur 4 Sterne verdient hätte. Es müssten 5 sein. Den Stern Abzug gibt es dafür, dass man an manchen Stellen den Eindruck hat, der Autor kommt viel zu kurz. Es hätte gerne eine tiefergehende Analyse geben können, weitere, detailliertere Ausführungen. Man lechzt förmlich danach! Wie in meinem Interview mit dem Autor, welches gleichzeitig mit dieser Rezension auf der Seite 911-archiv.net veröffentlicht wird, allerdings herauskam, war es die Vorgabe vom Verlag, die Seitenzahl einzugrenzen, Herr Klöckner hätte sonst auch 500 Seiten schreiben können.
Was mir inbesondere fehlt sind: Weitere, aktuelle Sequenz-analysierte Beispiele, nur um zu zeigen, dass sich bis heute kaum etwas an den entlarvten Methoden geändert hat. Nur beispielsweise sei da der Artikel von Andreas Mix vom Stern aus 2008, "Verzweifelte Verschwörungstheoretiker" genannt. Oder auch Beispiele aus dem Ausland, etwa "Popular Mechanics" oder die BBC mit Mike Rudin, um zu demonstrieren, dass auch dort nichts anders läuft.
Mir fehlt zudem eine theoretische Ableitung der Methoden aus den Fallbeispielen. Mir fehlt eine tiefere Behandlung des Themas "Desinformation", welche im Kampf um die Wahrheit ein ernstes Thema ist, sozusagen auch noch ein innerer Feind im 9/11 Truth Movement. Mir fehlt eine tiefere Analyse des Themas "Wirklichkeitskonstruktion" der Leitmedien. Vor allem die Themen "Filterung" und "Auslassung". Eine detaillierte Aufarbeitung darüber, dass nicht alle "Truther" die Medien als Mitglieder einer imaginären Verschwörung bezeichnen, sondern in Wirklichkeit eine ganz eigene Medienkritik entwickelt haben. Allerdings hat Herr Klöckner in oben erwähnten Interview einige meiner Kritikpunkte klären können. Die Geschichte des 9/11 Truth Movements und der Vertreter ist zudem wie vom Verlag angekündigt wirklich nur skizzenhaft und als grobe Übersicht für Neueinsteiger zu verstehen. Auch hier hätte es etwas mehr sein dürfen. 205 Seiten sind eindeutig zu wenig. Ökonomische Zwänge haben diesem sehr, sehr wertvollen Buch daher einen viel zu kleinen Rahmen gegeben und so auch geschadet. Freuen wir und daher auf die Fortsetzung, die ja eindeutig kommen muss! Und hoffentlich auch kommen wird!