Als langjähriger Bryan Adams-Fan habe ich mich durch die sehr unterschiedlichen Bewertungen dieses Albums herausgefordert gefühlt, hier auch meinen Senf dazuzugeben...
Fakt ist: Mit "11" legt Bryan Adams erneut ein Album vor, das man ohne qualitativen Ausreißer nach unten vom Anfang bis zum Ende durchhören kann und das seine unverkennbare Stimme schön zur Geltung bringt. Neben der Single-Auskopplung "I Thought I'd Seen Everything" haben v. a. "Tonight We Have The Stars" und "Broken Wings" Hitqualitäten. Ein echtes Kleinod ist der letzte Song "Walk On By", der mit sanfter Stimme und ruhigen Gitarrenklängen zum Träumen einlädt, mit 2:46 Minuten allerdings reichlich kurz ausfällt.
Fakt ist aber auch: Rockigere, härtere Songs wie auf den früheren Alben "Waking Up The Neighbours", "18 Til I Die" oder "On A Day Like Today" fehlen auf dem neuen Album völlig. Der Grundsound ist noch ruhiger und langsamer als auf dem Vorgänger "Room Service". Bryan Adams muss aufpassen, dass er nicht in der Schublade für eintönigen Kuschelrock-Mainstream abgelegt wird und in den Ruf kommt, ihm würde nichts Neues mehr einfallen. (Andererseits: Wer würde ihm das nach so vielen Jahren im Musikgeschäft verübeln?) "11" bietet gute Musik, aber weder die mitreißende Power noch die musikalische Bandbreite früherer Bryan Adams-Alben.
Fazit: Alle, die Kuschelrock mögen und keine überraschenden Innovationen erwarten, sind mit "11" sehr gut bedient. Aber für diejenigen, die beim Kauf des Albums auf rockigere Töne á la "Summer of 69" oder "18 Til I Die" hoffen, gilt: Lieber Finger weg!