David Gilmore dürfte vor Freude im Kreis springen, würde er den Opener "Given Time" der aktuellen Rotersand CD "1023" hören. Viel besser, als es die Herren Rasc, Gun und Krischan getan haben, kann man bei Pink Floyd eigentlich nicht klauen. Oder sollte ich besser huldigen schreiben?
Nach den ersten sanften Tönen dringt dann wieder ein treibender Bass an die Ohren. "Rushing" heisst Titel Nummer zwei und lässt, sofern man Taktgefühl hat, den Fuß automatisch mitwippen. Strophe Refrain, Strophe Refrain, Break, Solo, Ende. Immer schöne melodisch gehalten, nie zuviel und nie zu wenig. Ein Song der sich als Single Auskopplung einigt.
Dem steht "Don´t know" in nichts nach. Auch hier ein treibender Rhytmus, etwas härterer Gesang und der typische Rotersand Synthie- und Sampler Sound.
"Lost" ist der erste Song des Albums, der ein Stück an die Vorgänger erinnert. Ein Tanzflächen taugliches Stück Electro Musik, dass die richtige Geschwindigkeit und den passenden Beat auf den Punkt bringt.
Mit "I am with you" und "I cry" folgen zwei Balladen. Zwar hatten Rotersand auf den beiden vorangegangenen Alben immer mal wieder ein langsamen Stück eingestreut und auch die Qualität der beiden Songs lässt nichts zu wünschen übrig. Dennoch klingt das alles irgendwie nicht wirklich nach Rotersand, sondern könnte auch von einem "mesh" Album stammen.
"Shelter" ist ein reines Instrumental und klingt wie die relativ misslungene Fortsetzung von "Storm" von der "Welcome to Goodbye" CD. Der Song liefert siebeneinhalb Minute gepflegte Langeweile ohne jeden wirklichen Höhepunkt. Rasc ist kein begnadeter Sänger. Das hört man schon an den ersten Takten zu "The Gods have gone insane". Wenn er dann wieder ins Mikro schreien darf, wird es besser und der Song hörbar aufgewertet. Keine schlechter Song, aber auch kein wirkliches Highlight. "Meaning is the Drug" bringt wieder dass Feeling rüber, dass Rotersand ausmacht. Tanzflächen-Elektro ohne Kompromisse. Gleiches gilt für "I don´t remember" allerdings weitaus weniger melodiös und weitgehend instrumental.
Wie eine Auskopplung aus einer "Café del Mar" CD klingt "Inner world", der letzte Song des Longplayers. Ich wähne mich an einer Bar mit einem Cocktail in der Hand. Im Hintergrund geht die Sonne über der Karibik unter und Rasc, Gun, Krischan sitzen an einem Klavier und dudeln ein wenig in der Gegend herum. Auch das ist "1023".
Rotersand sind ein wenig reifer geworden und legen scheinbar mehr Wert auf Lyrics und Melodien. Dadurch geht der ursprüngliche Charme ein klein wenig verloren, weil doch vieles stark nach Mainstream klingt und eben nicht mehr brachial und ungestüm umgesetzt wurde. Massentauglicher als seine Vorgänger ist "1023" in jedem Fall und hat auch einige Highlights zu bieten. Auf einen Knaller im Stil von "Merging Oceans" wartet man aber vergeblich.