Es ist die schwerste Rezension, die ich bis jetzt geschrieben habe. Ich habe das Buch gerade eben zu Ende gelesen und bin irgendwie noch ganz betäubt und gelähmt. Ich hatte das Buch zur Hälfte gelesen, bis ich nachts Albträume bekam. Dann habe ich es ein paar Tage nicht mehr angerührt, aber dennoch spürte ich den inneren Drang, es bis ganz zum Schluss zu lesen. Wenn man einen spannenden Psycho-Thriller liest, so weiß man, dass die komplette Geschichte fiktiv ist. Bei "102 Minuten" aber weiß man, dass diese Tragödie tatsächlich passiert ist. Detailgetreu haben es die beiden Autoren geschafft, die 102 Minuten vom ersten Flugzeuganschlag bis zum Einsturz der beiden Gebäude zu schildern. Als Fernsehzuschauer sah man das Attentat von außen. Als Leser dieses Buches war man in den Gebäuden.
Erschreckend offen und direkt wurde geschildert, wie schwer der Kampf um das Überleben in den Gebäuden war und wieviele Menschen es nicht geschafft haben, aus den Türmen zu fliehen. Denn genauso offen und direkt wurden die Menschen, die sich damals in den Türmen aufhielten, mit den Anschlägen konfrontiert. Auch wenn ich als Leserin vorbereitet war auf das, was mit diesem Buch auf mich zukommen würde, so war ich dennoch unvorbereitet auf die schreckliche Wahrheit, die sich IN den Türmen ereignete. Und so schwer es mir auch gefallen ist, dieses Buch bis zum Ende zu lesen, desto leichter ist es geworden, sich an den Satz zu erinnern, der damals an die Innenseite des Gebäudes gesprüht wurde "Never forget!"