Hlynur ist ein totaler Langweiler. Unterstrichen wird das durch sein völlig weltfremdes Styling (Hornbrille, Retro-Haarschnitt). Mit 28 lebt er noch im Hotel Mama. Er ist arbeitslos, weil er nicht arbeiten will; und suhlt sich im Selbstmitleid, Selbstgerechtigkeit und Zynismus seiner Existenz. Sein existenzielles Philosophieren gipfelt in der folgenden Erkenntnis: "Das Leben ist eine Pause vor dem Tod." Als Antithese ist dem Film folgendes Motto vorangestellt: "Man kann nicht dauernd tot sei."
Hlynur hängt in Bars herum, trinkt und hat Sex mit seiner exaltierten Freundin Hofy. Dabei ist er völlig beziehungsunfähig und unflexibel. In sein bequem eingerichtetes Leben kommt erst Unruhe, als Lola, die Flamenco-Lehrerin seiner Mutter, bei ihnen einzieht. Zu allem Überdruss outet sich seine Mutter noch Liebhaberin von Lola. Hlynurs überschaubare kleine Welt bricht langsam zusammen, so dass er sich in der Dauerkrise befindet.
"101 Reykjavík" ist eine charmant-skurrile und atmosphärisch dichte Komödie, deren spezielle nordische Optik auf das Leben besonders in der isländisch-englischen Originalfassung gut zum Tragen kommt. Ein witziges Detail der Originalfassung ist übrigens, dass ein Kollege von Hlynur einen deutschen Dialog aus einem Porno nachspricht. Von den liebenswerten Schauspielern ist besonders Victoria Abril, der aus Almodóvar-Filmen bekannte spanische Superstar, hervorzuheben. Mit einer lässigen Ungezwungenheit spielt sie die laszive Lola.