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Produktinformation
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101 ist die Postleitzahl für das Stadtzentrum Reykjaviks, den ältesten Teil der isländischen Hauptstadt, wo die so genannte „kulturelle Elite" beheimatet ist. Auch Hlynur, Bohemien und zentrale Figur des Filmes, wohnt dort; bei seiner Mutter wohlgemerkt. Dreißig Jahre hat der Langzeitarbeitslose auf Buckel. Seine Tage beginnen mit Selbstbefriedigung und enden wenn nicht mit selbiger, dann mit einem schnellen sexuellen Vergnügen zu Lasten seiner gefühlsmäßig ausgezehrten Freundin Hófí. Zwischendurch surft er durchs Internet, konsumiert gelangweilt Pornos oder zieht mit Kumpanen von Theke zu Theke. Seine alleinstehende Mutter macht Hlynurs Heim so behaglich wie möglich. Vater gibt es auch, in Form eines gebrochenen Quartalsäufers, der dem Sohn schon mal über den Schnee gesäumten Weg läuft - bzw. auf diesem liegt.
Mitten ins alteingespielte tägliche Ritual der Trostlosigkeit platzt Lola (Victoria Abril), eine spanische Flamencolehrerin, bei der Hlynurs Mutter Kurse belegt hat. Das iberische Energiebündel erregt nach dem Einzug in die Mutter-Sohn-Wohnung nicht nur die ungeteilte hormonelle Aufmerksamkeit des unterkühlten Nordländers, sondern sorgt ungewollt für die seit langem notwendige Wende in dessen Leben. Hlynur entdeckt einen Sinn, wenn dieser vorerst auch nur darin besteht, das Interesse seiner exzentrischen Angebeten zu wecken. Als die Mutter über Silvester zu Verwandten reist, werden die Tagträume des Sohnes Realität. Nach reichlichem Alkoholkonsum kommt es zur stürmischen Kopulation mit Lola. Liebesnacht wäre wohl der verfehlte Ausdruck.
Kaum ist die Mutter zurück, eröffnet sie Hlynur mit tränenumflorten Augen, dass sie seit langem lesbisch sei, Lola liebe und mit dieser das weitere Leben verbringen möchte. Mit dem gleichgeschlechtlichem Outing hat Hlynur kein Problem, im Gegenteil, er bestärkt das verunsicherte Mutterherz. Weit mehr Kopfzerbrechen bereitet ihm die Tatsache, selbst in Lola verliebt zu sein, zumal in deren Bauch auch noch ein Baby heranwächst, von dem seine Mutter keine Ahnung hat, dass er der „Samenspender" war. Nun geht es Schlag auf Schlag, Dauerflamme Hófí findet einen neuen Freund; Lola weist ihn emotional wie körperlich ab. Hlynur verlässt erbost das traute Heim, wandert ziellos durch Reykjavik und versucht sich durch Einschneien lassen ins Jenseits zu befördern. Als selbst das misslingt, setzt die Katharsis gleichsam mit dem Schmelzwasser ein. Hlynurs Lebensweg ändert die Richtung, und der Film ist dort angelangt, wo er von Anfang an hinwollte.
Prädikate wie „Kultfilm" oder „Insidertipp" werden oft inflationär verteilt. „101 Reykjavik" verdient beide. Er trieft vor sarkastischem Humor und arbeitet bewusst mit Überzeichnungen von Charakteren und Situationen. Regie und Drehbuch gelang es, aus den verqueren Lebenssituationen der Protagonisten eine Quintessenz herauszufiltern, die nicht erdrückt, sondern zum Schmunzeln anregt. Ein psychologisch kluger Kniff, durch den der Zuseher animiert wird, über tiefgreifende soziale Probleme nachzudenken, ohne bereits vorab mit diversen Moralkeulen malträtiert zu werden. Ihr eruptives schauspielerisches Naturtalent beweist Victoria Abril: absolut in eine Reihe zu Stellen mit Islands Vulkanen und Geysiren ...
2 Sterne Abzug einmal mehr für die fehlende O.m.U.-Version auf dieser DVD. Schade.
Aber guckt ihn euch an ! Vielleicht übermüdet, nach einem Kneipenbummel in einer verregneten Nacht, wenn... Lesen Sie weiter...
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