Kurzbeschreibung
Vorgestellt werden:
o Methoden für EinsteigerInnen ins Online-Lernen: Darunter fallen bspw. Methoden zur Erhebung der Einstiegsvoraussetzungen der TeilnehmerInnen oder einfach umzusetzende Eisbrecher-Übungen im Diskussionsforum.
o Methoden zur Begleitung von Seminaren: Methodische Tipps für TrainerInnen und Lehrende, die bestimmte Phasen ihrer Seminare, Vorlesungen und Übungen für sich und ihre TeilnehmerInnen zeitlich und örtlich unabhängiger gestalten wollen.
o Methoden für reine E-Learning-Seminare.
Wenn Sie also nur einige organisatorische, inhaltliche oder auch prozessrelevante Phasen Ihrer Seminare online halten wollen, ist dieses Buch für Sie genau so relevant wie für jene TrainerInnen, welche neue Ideen zur Gestaltung ihrer Online-Seminare bekommen wollen.
Auf der begleitenden Website zum Buch können die beschriebenen E-Learning Werkzeuge nach Belieben kostenlos ausprobiert werden. Somit ist eine sofortige Umsetzung der beschriebenen Methoden leicht möglich. Zusätzlich können sich die LeserInnen in einem von den AutorInnen moderierten Forum zu den im Buch beschrieben Methoden austauschen.
Der Verlag über das Buch
Eine Fundgrube an funktionierenden Blended Learning Methoden mit Anwendungsbeispielen und Linktipps. Besonders geeignet für TrainerInnen, die sich mit der praktischen Umsetzung des viel versprechenden Themas beschäftigen und viele Praxistipps brauchen.
Inhalte: Motivatorische Methoden, Methoden zur Verwendung von Chats, Virtuellen Klassenzimmern, Foren, Visitenkarten, Umfragen, Infoboards, Quizzes und Tests, E-Mail, Dokumenten-Container, Wiki-Webs.
Die LeserInnen erhalten einen exklusiven Zugriff auf spezielle Anwendungen der Website zum Buch.
Auf diese Methodensammlung können Sie immer wieder zurückgreifen.
Der Autor über sein Buch
Für das Umsetzen der beschriebenen Methoden ist kein teures Learning Management System notwendig. Mit ganz einfachen Werkzeugen wie einem kostenlosen Diskussionsforum oder Chat kann sinnvolles E-Learning verwirklicht werden.
Mit diesem Buch möchten wir Ihnen Lust auf E-Learning machen, Ihnen zeigen, dass das Gestalten von Lehr- und Lernprozessen online ein kreativer Prozess ist, der sehr viel Spaß machen kann.
Lassen Sie sich also nicht abschrecken, wenn Sie technisch weder begabt noch interessiert sind, über keine teuren Lernumgebungen und auch über keine medienwirksam aufbereiteten Lerninhalte verfügen. E-Learning ist keine technische Spielerei, sondern das Lernen im Virtuellen Raum und das kann ohne die genannten Voraussetzungen bestens funktionieren. Wie, wollen wir Ihnen in diesem Buch gerne zeigen.
Über den Autor
Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Initiierung und Begleitung von Veränderungsprozessen in Organisationen Curriculumsentwicklung Design, Planung und Durchführung bildungsrelevanter Untersuchungen Evaluation von Projekten und Prozessen Lernen und Lehren im und mit dem Internet Evaluation von neuen Medien im Zusammenhang mit Aus- und Weiterbildung
Hartmut Häfele: Diplom-Psychologe. Seit 1993 hauptberuflich in der Weiterbildungs- und EDV-Branche tätig. Durchführung zahlreicher EU-Projekte zu den Themen Distance Learning, Telearbeit, Unternehmensentwicklung. Forschungsprojekte im Auftrag des österreichischen Bildungsministeriums (bm:bwk) zu den Themen Neue Medien in der Lehre und E-Learning an Schulen und Hochschulen. Lehre an der Universität Innsbruck, der Donau-Universität Krems und am Pädagogischen Institut des Landes Vorarlberg.
Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Community-Building, e-Learning Neuropsychologie Pädagogische Beurteilung von Lernsoftware Design, Planung und Durchführung bildungsrelevanter Untersuchungen Evaluation von Projekten und Prozessen Web- und Multimedia Design
Auszug aus 101 e-Learning Seminarmethoden von Hartmut Häfele, Kornelia Maier-Häfele, Kornelia Maier Häfele. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Von Seminardrachen und Prinzessinnen
Märchen ermöglichen es, neue Sichtweisen einzunehmen, phantasievoll zu arbeiten. Je nachdem, in welcher Situation Sie mit Märchen arbeiten,können die Ziele unterschiedliche sein:
Märchen als Auflockerung.
Märchen als Gleichnisse für das Geschehen im Seminar.
Märchen beflügeln die Phantasie für den Transfer des Gelernten in die Praxis.
Werkzeuge: E-Mail, Diskussionsforum, Wiki-Web.
Wann einsetzen: Je nach Zielsetzung (siehe oben)
Zum Seminarbeginn.
Zu Beginn eines Themas.
Zur Arbeit mit der Gruppe.
Zur Reflexion.
Für den Transfer.
Gruppengröße: Auch für Großgruppen geeignet.
Dauer: Bis zu einer Woche.
Ablauf:
Märchen können in Online-Seminaren wie folgt eingesetzt werden:
* Als Geschenk:
Wann immer es etwas zu schenken gibt, ein Märchen, eine Geschichte eignen sich sehr gut dazu. Senden Sie Ihre Lieblingsgeschichte zum Thema an Ihre TeilnehmerInnen und bitten Sie im Gegenzug um deren Lieblingsgeschichten. Vielleicht finden Sie eine, die sich zur Seminargeschichte eignet.
* Zum Einstieg:
Präsentieren Sie zum Einstieg ins Seminar oder in ein Thema ein Märchen. Lassen Sie die TeilnehmerInnen veröffentlichen, was diese Geschichte mit ihnen und dem Seminar zu tun haben könnte.
Eine schöne Geschichte, die wir z.B. zum Einstieg in Zeitmanagement-Seminare veröffentlichen, stammt aus Michael Endes Momo: Die Geschichte von Beppo Straßenkehrer.
* Märchen zu Ende schreiben:
Veröffentlichen Sie den Anfang eines Märchens oder einer Geschichte im Wiki-Web und laden Sie die TeilnehmerInnen ein, diese zu Ende zu schreiben.
Der Anfang vom hässlichen kleinen Entchen eignet sich gut, um den Transfer des Gelernten in die Praxis auf märchenhafte Weise zu beschreiben.
Beispiel:
Stellen Sie sich vor, Sie setzen einige Methoden Ihres neu
erworbenen Teamwissens am Arbeitsplatz ein.
Wir haben Ihnen die ersten Anfänge vom hässlichen kleinen
Entchen aufgeschrieben. Schreiben Sie die Geschichte als
gemeinsame Seminargeschichte zu Ende. Stellen Sie sich dazu
vor, Sie kehren an Ihren Arbeitsplatz zurück und wollen
einiges verändern.
Sie wissen ja, Sie müssen sich nicht an die Wendungen der
Ursprungsgeschichte halten!
Viel Spaß!
Es war so herrlich draußen auf dem Lande. Es war Sommer, das
Korn stand gelb, der Hafer grün, das Heu war unten auf den
grünen Wiesen in Schobern aufgesetzt, und der Storch ging auf seinen langen, roten Beinen und plapperte ägyptisch, denn diese Sprache hatte er von seiner Frau Mutter gelernt. Rings um die Äcker und die Wiesen gab es große Wälder und mitten in den Wäldern tiefe Seen. Ja, es war wirklich herrlich da draußen auf dem Lande! Mitten im Sonnenschein lag dort ein altes Landgut, von tiefen Kanälen umgeben; und von der Mauer bis zum Wasser herunter wuchsen große Klettenblätter, die so hoch waren, dass kleine Kinder unter den höchsten aufrecht stehen konnten; es war ebenso wild darin wie im tiefsten Walde. Hier saß eine Ente auf ihrem Nest, welche ihre Jungen ausbrüten musste; aber es wurde ihr fast zu langweilig, bis die Jungen kamen. Dazu erhielt sie selten Besuch; die andern Enten schwammen lieber in den Kanälen umher, als dass sie hinaufliefen, sich unter ein Klettenblatt zu setzen, um mit ihr zu schnattern.
* Umdichten:
Laden Sie die TeilnehmerInnen ein, bekannte Märchen in den jeweiligen Fachjargon zu übersetzen.
Ein bekanntes Beispiel stammt von dem Linzer Rechtsanwalt
Dr. Harry Zamponi.
Beispiel:
Liebe Neue-Medien-Community,
hier das angekündigte Beispiel für ein umgeschriebenes
Märchen. Es stammt von Harry Zamponi, der Rotkäppchen für
Juristen übersetzt hat.
Rotkäppchen juristisch
Es war einmal eine Minderjährige, die unter der elterlichen
Gewalt ihrer Mutter stand, da ihr Vater schon verstorben war.
Ob die Mutter zugleich Vormund war, ist nicht bekannt.
Es lebte ferner ihre Großmutter mütterlicherseits.
Der der Mutter der Minderjährigen obliegenden Unterhaltspflicht der Großmutter gegenüber (§ 154 ABGB) kam erstere dadurch nach, dass sie kraft der ihr zustehenden elterlichen Gewalt die Minderjährige beauftragte, der Großmutter in ihren von der Mutter verschiedenen Wohnsitz, der sich von letzteren nicht weit, etwa zwei Kilometer, befand, einen Korb, Esswaren enthaltend, zuzustellen.
Die Minderjährige begab sich zwecks Erfüllung des ihr übertragenen Auftrages (§§ 1002, 1009 ABGB) zum Wohnsitz der
Großmutter, der sich in einem Walde befand. Hiebei begegnete
ihr ein herrenloses Tier, ein Wolf. Nachdem dieser durch
Erkundigungen bei der Minderjährigen den Wohnsitz der
Großmutter ermittelt hatte, begab er sich unverzüglich dorthin und verübte dortselbst an der Großmutter des Kindes das Delikt der Freiheitsentziehung in Idealkonkurrenz mit dem des Mordes (§§ 99/2, 75 StGB), begangen durch Auffressen.
Das Thema der Märchen ist nicht nur die heile Welt, sondern oft genug auch die Welt der Schurken, Hexen und Räuber.
So wurden Märchen ursprünglich nicht für Kinder sondern vielmehr von Erwachsenen für Erwachsene gemacht. Die im deutschsprachigen Raum bekannten Märchen wurden erst von Wilhelm Grimm geschönt und so geändert, dass sie den heute so bekannten, scheinbar unverkennbaren biedermeierlichen Märchenton erhalten haben.
Wann immer Sie über einen symbolhaften Text stolpern: Archivieren Sie ihn! Oft ergeben sich in Online-Seminaren Situationen, in denen es zielführend ist, mit Märchen und Geschichten zu arbeiten. Dann ist es angenehm, auf ein vorhandenes Repertoire zurückgreifen zu können.
Vielleicht verfügen Sie über die Phantasie, selbst ein Märchen zu schreiben? Oder Sie nehmen eine Geschichte, die Ihre TeilnehmerInnen in früheren Seminaren geschrieben haben (siehe hierzu die Methode Sich einen Reim machen, S. 212) und stellen diese zur Online-Bearbeitung zur Verfügung.
Variation:
Statt Märchen zu schreiben, können Sie die TeilnehmerInnen auch auffordern, Parodien zum Seminarthema einzeln oder gemeinsam zu entwickeln.
Bemerkungen:
Als Geschenk oder Zum Einstieg setzten wir auch in Präsenzveranstaltungen bereits Märchen ein. Auch das Umdichten konnten wir uns ganz gut vorstellen und haben es bereits einige Male mit großem Erfolg eingesetzt.
Nun wagten wir uns auch daran, ein Märchen im Wiki-Web gemeinsam fertigzustellen. Wir werden es bestimmt wieder tun! Viele der TeilnehmerInnen waren mit großem Eifer dabei, die Geschichte nahm täglich neue Gestalt an und wir waren froh, dass die Wiki-Software die sich ändernden Versionen automatisch abspeicherte.
Referenzen:
Nach Günther Gugel: Methoden Manual I + II. Neues Lernen.
Tausend Praxisvorschläge für Schule und Lehrerbildung. Weinheim und Basel 1997.
Das hässliche kleine Entchen stammt von Hans-
Christian Andersen.
Eine ganze Reihe an Märchenvorlagen mit Einsatzempfehlungen
können Sie folgendem Buch entnehmen. Detlev Blenk: Inhalte
auf den Punkt gebracht. Weinheim 2003.