Natürlich kann man sich streiten, was nun zu den definitiv besten Platten der letzten fünfzig Jahre gehört. Die Vorlieben der über 90 Autoren (darunter nur ein deutscher, entsprechend unterrepräsentiert mit nur 11 Künstlern ist die BRD, schaffte es mit Kraftwerk aber immerhin aufs Titelbild!) liegen eindeutig in den 70ern, die mehr als ein Viertel des ganzen Buches einnehmen. Und man kann sich streiten, warum nicht mehr Tom Waits drin ist, nicht mehr von den Sparks, warum dieses Album von Belle and Sebastian und jenes von Sinead O'Connor und Dead Can Dance gänzlich fehlen. Wichtig aber ist: das Buch schneidet den Rock- und Pop-Kuchen einmal quer durch und nascht hier und dort und weiß kurzweilig durch die jüngere Musikgeschichte zu führen, bei den wichtigsten der wichtigen sogar mit Tracklist, bei den meisten mit abgebildetem Cover, bei jedem Album aber mit Erscheinungsjahr (streng chronologisch sortiert), Label, Produzent, Art Direction, Nationalität und Spielzeit. Interessant sind die Querverbindungen: auf wen beruft sich ein Künstler, wen beeinflusst er seinerseits, in welchem Kontext ist ein Album zu verstehen?
Von den Beatles, Bob Dylan, David Bowie, Neil Young (inkl. Neil Young & The Crazy Horses) und Morrissey (inkl. The Smiths) werden übrigens die meisten Alben (nämlich je 7) besprochen. Wunderts wen? Es folgen The Rolling Stones und Paul Simon (inkl. Simon & Garfunkel) (je 6) und The Byrds, The Who, Brian Eno, Bruce Springsteen, Radiohead, Sonic Youth und Tom Waits (je 5). Ein bisschen Konsenspolitik mag da schon im Spiel gewesen sein, doch wer glaubt, hier würden elitäre alte Säcke auf hohen Rössern sitzen, dem sei gesagt, dass auch Michael Jackson, Justin Timberlake, Christina Aguillera und Britney Spears vertreten sind.
Das Ultimative, das der Titel augenzwinkernd vorgibt, sollte man mal beiseite lassen, dann ist das reich bebilderte Buch ein herrlicher und kurzweiliger Ausflug in den Rock und Pop bis 2004.