Das ehemalige Vorstandsmitglied von Volkswagen, Dr. Martin Posth, berichtet in diesem Buch über das China-Engagement des Konzerns Anfang der 80-er Jahre. Er plaudert über anfängliche Schwierigkeiten, als westeuropäischer Automobilhersteller im Reich der Mitte eine Fabrik aufzubauen. Ausgeschmückt mit Anekdoten vermittelt er ein Bild über die Gründungszeit und die zum Teil recht unbürokratischen Vorgehensweisen wie die unterschiedliche Wertvorstellungen und Maßstäbe auf das Erreichen des gemeinsamen Ziels angeglichen wurden. Nicht nur die politischen und wirtschaftlichen Unterschiede der Kulturen oder Sprache sind zu überwindende Hürden, sondern auch Devisen, Ausbildung und das Verständnis für Prozessabläufe. Mit der erforderlichen - und zu diesem Zeitpunkt zugegebenermaßen recht innovativen - Personalpolitik stieß Posth auch innerhalb des Konzerns auf Widerstände. Letztendlich stellte sich die Entscheidung, einen Standort für den asiatischen Markt aufzubauen, als richtig heraus. Ein Vierteljahrhundert später sind die katastrophalen Bedingungen behoben und Shanghai Volkswagen baut einen erheblichen Anteil Fahrzeuge für den asiatischen Markt.
Das Buch gibt natürlich nicht nur die subjektiven Erlebnisse wieder, sondern soll auch auf die Aspekte hinweisen, die zum Misslingen eines Projektes führen können. Diese sind nach jedem der zwölf Kapitel zusammengefasst in einem Kasten farbig unterlegt. So kann man die wichtigsten Ratschläge schnell nachschlagen oder einen groben Überblick verschaffen. Die 240 Seiten nehmen nicht allzu viel Zeit in Anspruch, sodass diese vom ehemaligen Oberbürgermeister Shanghais Xu Kuangdi empfohlene Pflichtlektüre auch noch im Flugzeug gelesen werden können. Für mich war es keine Vorbereitung auf einen China-Einsatz, sondern eher eine Erinnerung an die damalige Zeit. Die Beschreibungen haben mich oft schmunzeln lassen, weil es auch aus meiner Wolfsburger Sicht genau so stattgefunden hat. Die Tipps sind bestimmt hilfreich für alle, die sich bisher nicht mit der chinesischen Mentalität auseinander gesetzt haben. Vor allem der Hinweis es ist alles anders" ist nicht nur so dahergesagt. Der heutige Erfolg Volkswagens mit seinen chinesischen Standorten hat damals mit der Santana-Fertigung sein Fundament bekommen, was nicht zuletzt auf das große Engagement der seinerzeit vor Ort tätigen Expats zurückzuführen ist. Die Botschaft, dass man nicht nur Produktionszahlen vor Augen haben sollte, kommt in jedem Kapitel sehr deutlich hervor und bildet die Grundlage der Zusammenarbeit. Diese Mischung von emotionaler und wirtschaftlicher Zielsetzung ist rational vermittelt worden. Von daher kann ich nur fünf Sterne vergeben.