Ist ja ein recht ambitioniertes Projekt - 1000 sehenswerte Orte auf weniger als 1000 Seiten. Und es kann getrost behauptet werden, dass das Projekt gescheitert ist. Natürlich kann ein so umfassendes Werk nicht allzu präzise in seinen Beschreibungen sein, den meisten Orten ist eine halbe oder dreiviertel Seite gewidmet, sowie ein mieses Foto (schwarzweiß, 5x4 cm, mittlere Auflösung).
Nun also als Test nachgeschaut, was man etwa in Österreich gesehen haben muss: Neben Wien und der Grazer Altstadt U.a. die Salzburger Festspiele, die Bregenzer Festspiele, Kitzbühel, den Opernball und das Hotel Imperial. Wie bitte? Das ist Österreich aus der Sicht einer Amerikanerin? Orte, wo sich die dekadente Seitenblicke-Gesellschaft im Champagnerrausch grunzend aneinander reibt? Am Opernball nehmen als Debütantinnen übrigens "200 Töchter aus den reichsten Familien die einen Titel tragen" teil. Bei soviel unfreiwilligem Humor ist man versucht, gleich noch einen Stern herzugeben.
Und auch in anderen Ländern sieht es nicht viel anders aus - Luxusrestaurants, wo man gegessen haben muss ('bitte Monate im Voraus reservieren...' ??!?!!?) Luxushotels, in denen man übernachtet haben muss ('Die Zimmer bieten eine einzigartige Aussicht' - Ja, schließlich fährt man auf Urlaub, um die tolle Aussicht vom Zimmer aus zu genießen), und nicht zu vergessen die tollen Golfressorts.
Der Rest ist halt eine subjektive Aufzählung mehr oder weniger bekannter Orte, und die Artikel sind vorbei, noch ehe sie interessant werden.
'Sieben Jahre Recherche' (also 2 Tage pro Reiseziel, aber wann hat die Arme dann Urlaub gemacht?) haben Frau Schultz gereicht, um den Kanon der Reiseziele unserer Welt zusammen zu stellen, und der 'New York Times #1 Bestseller' wird ihr wohl das nötige Kleingeld einbringen, um in Zwölfstern-Hotels Hummer mit güldenem Besteck speisen zu können, Ideen für ihr nächstes Buch sammelnd: '1000 more places where I have spent your money'.
Ich hab das Ding geschenkt bekommen und würde es nicht weiter schenken.
Warum dennoch zwei Punkte? Weil das Buch doch die Gedanken anregt, um in die Ferne zu schweifen, und die kurzen Texthäppchen perfekt als Klolektüre geeignet sind.