Klappentext
Seit den Anfängen der Zivilisation gibt es weibliche Dessous. Man hat ihren Gebrauch damit begründet, daß sie dem Schutz und der Körperhygiene dienten, doch das ist ein scheinheiliges Argument. In Wirklichkeit bedient diese "zweite Haut", diese "Venusfalle", die erotischen Bedürfnisse, wie pervers auch immer, von den subtilsten bis zu den gröbsten. Mit ihnen werden sowohl die Wunschvorstellungen derjenigen befriedigt, die sie tragen, wie auch derjenigen, die sie erspähen. Korsetts, Büstenhalter und kleine Slips gehören zu dem mystischen Reigen, der den Mann mit der Weiblichkeit verbindet. Denn Dessous üben eine seltsame Macht auf die Libido aus. Sie sind zugleich das Herzstück der Kunst des raffinierten Ausziehens und die magische Formel für das reizvolle Gelingen. Das Geschlecht ist ein Nichts ohne seine Verkleidung, ohne die Verführungen des Verbotenen. Es leben die Sittenwächter! Ohne sie gäbe es solche Freuden nicht. Die Griechin der Antike trug unter ihrem Gewand ein Band um die Hüften, um ihre Weiblichkeit zu unterstreichen. Auch die Römerinnen banden bereits Strumpfbänder um ihre Schenkel, die keineswegs Strümpfe zu halten hatten, denn die waren noch nicht erfunden; sie hatten vielmehr den Zweck, ein fetischistisches Begehren bei den Männern zu wecken. Seither haben die Vamps und "Blauen Engel", die Filmstars und die Mädchen aus dem Magazin "Paris-Hollywood", die Pinups auf Kalenderblättern und die Models aus der Werbung, die Nylons und die Strapse zum Mysterium gemacht zu einer Zeremonie des Traums, und damit haben sie eine ganz neue Mythologie geschaffen. In 1000 Dessous wird die Geschichte dieser Kleidungsstücke, reich bebildert, von den Anfängen bis zu ihrer Glanzzeit in Kino und Werbung erzählt, und es kommt ans Licht, wie das Bedürfnis, sich zu verhüllen, oder die Lust, sich zu enthüllen, für die Frau zum Vorwand geworden ist, ihre Weiblichkeit und ihre erotische Ausstrahlung in Szene zu setzen. Die Glocke erklingt, der Vorhang hebt sich und das Spektakel beginnt. Es darf sich ausdehnen bis in die lustvolle Intimität der privaten Gemächer.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Autorenportrait
Georges Didi-Hubermann, geboren 1953, ist Philosoph und Kunsthistoriker und lehrt an der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales (Paris). Er ist Träger des Hans-Reimer-Preises der Aby-Warburg-Stiftung (Hamburg). Er veröffentlichte zahlreiche Untersuchungen zur Geschichte und Theorie der Bilder.
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