Ich besitze bereits das Buch "1000 Flugzeuge", von dem ich aufgrund der hohen Qualität des Inhalts und der Bilder sehr angetan war. Dieses Buch vom Autor Rolf Berger bietet ein breites Spektrum an Flugzeugen aus aller Welt und vermittelt dazu objektiv recherchierte Hintergründe zur Entstehungsgeschichte.
Entsprechend freute ich mich als ich das Buch "1000 Automobile" vom Autor Reinhard Lintelmann geschenkt bekam, da ich von diesem Buch Ähnliches erwartete. Ich kann mich für Autos aus aller Welt begeistern und kenne mich besonders gut mit Automobilen aus dem ehemaligen Ostblock aus. Ich freute mich, auch dazu ein paar Autos in diesem Buch zu finden, da dies nicht immer selbstverständlich ist.
Bei genauerem Lesen der Texte zu PKW Typen von Trabant und Wartburg, welche aus der DDR stammen, stellte ich allerdings fest, dass die dem Leser gebotenen Informationen zum Teil falsch sind, wichtige Informationen fehlen und die Texte mit vielen negativen Adjektiven ausgeschmückt wurden.
Hier ein paar Beispiele dazu:
- S. 210, Wartburg Sport 313-1: Der Autor schreibt zum Wartburg Sport 313-1, dass er nur von einem Dreizylinder Zweitakter angetrieben wird, der sich "bemühte" das Auto auf 145 km/h zu bringen.
Es sei angemerkt, dass es Ende der 50er bzw. Anfang der 60er Jahre durchaus üblich war, Zweitaktmotoren zu verbauen.
Im Saab Sonett 1, welcher auf Seite 266 vorgestellt wird, wird ebenfalls ein Dreizylinder Zweitaktmotor verbaut, der, wie der des Wartburgs, auf DKW zurückgeht. Doch hier wird die Wahl des Motors nicht kritisiert und neutral festgehalten, dass das Auto 160 km/h schnell war. Das ist verwunderlich, da es sich beim Saab immerhin um einen reinrassigen Sportwagen handelt und beim Wartburg nur um einen Roadster.
- S. 203, Trabant P50: Der Autor schreibt, dass dem Trabant der offizielle Weg in den Westen so gut wie verschlossen blieb und der Bau der Mauer die Exportversuche blockierte, was nicht zu trifft. Der Trabant wurde, wenn auch in geringen Stückzahlen, in die BRD, nach Skandinavien, in die Schweiz und in die Benelux-Länder exportiert und zwar auf offiziellem Wege.
- S. 202/ 308: Der Trabant P50/ P601 wird vom Autor lapidar als "Plastikauto" bezeichnet, was falsch ist. Per Definition handelt es sich bei der Beplankung aller Trabanttypen um einen Faserverbundwerkstoff (baumwollverstärktes Phenoplast), doch das klingt wohl zu fortschrittlich.
Statt sich mit Polemik gegen das Fahrzeug aufzuhalten, hätte der Autor den Leser besser über internationale Motorsporterfolge des Trabants informieren sollen, so wie er es bei anderen Fahrzeugen auch getan hat. Hervorzuheben sind der Doppelsieg auf dem Nürburgring bei der Rallye-Hanseat sowie mehrere Klassensiege bei der Rallye Monte Carlo und der Semperit-Rallye in Österreich. Seit 1960 startete das Sachsenring Werkteam bei Rallyes. In 30 Jahren Rallyeeinsatz wurden in 13 Eu-Ländern, bei 845 Starts, 8 Gesamtsiege, 177 Klassensiege, 110 zweite und 83 dritte Plätze eingefahren.
- S. 202/ 203/ 308: Bei einer Vielzahl sehr guter Bilder anderer Autos verwundert es, dass von den Trabanttypen ausschließlich Bilder zu sehen sind, die die Fahrzeuge von vorne oder von der Seite zeigen. Perspektiven also, die denkbar ungeeignet sind, um dem Betrachter ein Auto zu präsentieren. Die Krönung stellt eine Frontalaufnahme des P50 dar, der, mit abblätterndem nicht originalem Lack und mit Laub bedeckt, offensichtlich seine besten Jahre längst hinter sich hat. Ein paar Seiten weiter werden vom VW Käfer auf vier Seiten sehr gute, annährend isometrische Aufnahmen von allen möglichen Karosserievarianten gezeigt.
Heutzutage ist es so leicht wie nie zuvor, an Informationen und Bildmaterial zu kommen und genügend Publikationen zum Thema gibt es auch, weshalb es nur schwer vorstellbar ist, dass die Texte zu den genannten PKWs aufgrund von Informationsmangel so fehlerhaft sind. Mir als Leser drängt sich deshalb der Verdacht auf, dass der Autor latent versucht, politische Ansichten auszudrücken. Diese Ansichten kann der Autor ruhig haben, nur ist dieses Buch, in dem es darum gehen sollte, den Spaß am Automobil zu vermitteln, nicht die richtige Plattform, um eigene politische Meinungen zu verbreiten. Ich halte es für falsch, Autos aufgrund ihrer Herkunft in ein negatives oder positives Licht zu rücken, je nachdem, ob das Herkunftsland genehm ist oder nicht.
Aufgrund der genannten Mängel, vergebe ich nur 2 Sterne für ein ansonsten gelungenes Buch.
Wem es genügt, technische Daten zu lesen und zum Großteil gelungene Bilder anzusehen, dem sei dieses Buch empfohlen.