...das trifft es vielleicht am besten. Diogenes bringt Djians -50 contre 1- im Taschenbuch heraus. Zum Segen aller Leser von Michael Mosblech übersetzt. Im Original 1981 erschienen und mit einer legendären Entstehungsgeschichte behaftet. Der 22jährige Djian hat die 12 Geschichten an einer Autobahnmautstelle geschrieben; sozusagen als erste Schreibversuche. Der interessierte Leser weiß, was später kam. Rückgrat, Erogene Zone, Verraten und verkauft, vor allem aber: Betty Blue. Kaum ein Autor hat die französische Literaturszene in den letzten 20 Jahren so durcheinander gewirbelt, wie Djian. Leider verlor er in seinen letzten Werken ein wenig den Schwung, ließ den Biss des Beginns vermissen. Schade, aber vielleicht verständlich.
Hier, in -100 zu 1-, ist er wieder da. Djian kann in den Anfängen seine Helden nicht verleugnen. Da ist eine Menge Henry Miller und auch ein wenig Brautigan vorhanden. In manchen Abschnitten besteht fast schon eine Art Seelenverwandschaft auf dem Papier zu Bukowski. Djian, noch am Anfang auf der Suche nach seinem eigenen, unverwechselbaren Stil, ist unterhaltsam, brillant und scharfzüngig. Vielleicht dem einen oder anderen Leser ein wenig zu schmuddelig oder vulgär, aber egal. -100 zu 1- ist ein Buch mit Zähnen, einer Menge von Zähnen, scharf und hungrig. Endlich wieder ein Stoff, der bewegt, der lebt und raus will aus den Seiten des Buches. Wo sind diese Bücher heute, die einem ihre Story ins Gesicht schreien, wo man zuhören muss, egal ob man will oder nicht?
Mit dem Zeitsprung ins Jahr 1981 reisen wir zu Philippe Djians Wurzeln. Zwölf Geschichten, wie sie heute kaum noch zu finden sind. Freuen sie sich auf das Buch. Als Djian-Fan werden sie begeistert sein. Aber passen sie auf, dass sie nicht gebissen werden...