Vorab: die 100 Wege zum perfekten Hund sind keineswegs 100 Kommandos, die der Hund lernen soll. Unter diesen 100 Wegen befinden sich zum Beispiel auch Dinge wie Stubenreinheit und Fütterungsroutine oder Spiele. Es sind einfach 100 Dinge für ein stressfreies Zusammenleben. Ob man alle benötigt, sei dahingestellt, es befindet sich meiner Meinung nach auch Unnötiges darunter (dazu mehr weiter unten). Das ist jedoch etwas, das jeder für sich selbst entscheiden sollte.
Die ersten vierzig Seiten sind allgemeinen Themen gewidmet. Warum soll man seinen Hund erziehen? Und wie erziehe ich ihn? Lerntheorien werden erläutert, was schief gehen kann, die Bedeutung einer Bindung zum Hund erklärt. Außerdem wird hier das Clickertraining und die Methode der Tellington TTouches erklärt. Diese dienen zur Abwechslung im Training, sollen den Stress verringern, die Lernbereitschaft erhöhen. Des Weiteren wird natürlich die Ausrüstung angesprochen.
Ab Seite 39 beginnen dann die 100 Wege zum perfekt erzogenen Hund. Erst einmal die grundlegenden Dinge wie die Hundebox, Stubenreinheit, das Fütterungsverhalten und Ähnliches. Die danach folgenden Übungen sind eingeteilt in:
Bronze-Zertifikat - Sitz, Komm, Aus, Platz sowie die Gewöhnung ans Halsband, der Abbau von Berührungsängsten, das gemeinsame Spiel, das Laufen an der Leine, das Üben von Tierarztbesuchen und mehr
Silber-Zertifikat - Bleib, Fang, Bring sowie der Kontakt mit anderen Personen, mit Kindern und mehr
Gold-Zertifikat - mit Hundetricks, der Jagd nach Leckerlis und anderen Spielen
In der Regel sind immer ein oder zwei Übungen auf einer Seite untergebracht. Die Erläuterungen sind klar strukturiert mit vielen farbigen Bildern und gut verständlich.
Negativ aufgefallen ist mir die Schwäche der beiden Autorinnen für Holzspiele der Marke Nina Ottosson. Immer wieder werden deren Produkte als separate "Wege" angepriesen: ob es das
Roulette (Nr. 32) ist, der
Hunde-Twister (Nr. 33), der
Dog Tornado (Nr. 75) oder der
Dog Smart (Nr. 76). All diesen Holzprodukten ist gemeinsam, dass sie nicht unbedingt kostengünstig sind. Zugegeben, ich habe eines dieser Teile auch schon gekauft, allerdings war mein damaliger Vierbeiner nicht besonders begeistert davon. Er spielte lieber auf herkömmliche Art und Weise Leckerli-Verstecken. Man braucht nämlich keineswegs ein teures Holzspiel, um seinen Hund zu beschäftigen! In einem Trainingsbuch hätte ich diese Art der Schleichwerbung jedenfalls nicht erwartet.
Der Vollständigkeit halber und aus Fairnessgründen sei darauf hingewiesen, dass dies nicht die einzigen Produkte sind, die ihren Weg in dieses Buch gefunden haben: auch der
Kong wird zum Beispiel an zwei Stellen (so ich mich nicht verzählt habe) erwähnt.
Mein Fazit:
Ob die Einteilung in Bronze, Silber und Gold notwendig ist, mag jeder selber entscheiden. Die einzelnen Übungen sind jedenfalls sehr klar und anschaulich präsentiert. Sehr gut gefallen hat mir, dass auch Themen jenseits der üblichen Kommandos angesprochen werden, die Hund beherrschen sollte. Weniger gut gefallen hat mir die Werbung für gewisse Holzspiele.
Zum Autorenteam (Angaben lt. Buchinhalt):
Sarah Fisher ist Englands einzige TTouch Instruktorin. Sie ist in Fernsehsendungen präsent, schreibt Artikel für Hundefachzeitschriften, hat das Buch
Unlock Your Dog's Potential: How to Achieve a Calm and Happy Canine geschrieben und arbeitet außerdem langjährig mit Hunden. Marie Miller hat 30 Jahre Erfahrung im Hundetraining, davon 18 Jahre bei einem Vet Center, ist Tellington Lehrer Level 3, Gründungsmitglied der United Kingdom Association of Pet Dog Trainers und schreibt ebenfalls Artikel für Hundefachzeitschriften. Kurz: die beiden Damen verfügen in der Tat über jede Menge Erfahrung.
Alternativen:
Ein absoluter Top-Erziehungsratgeber (zumindest meiner Meinung nach):
Das Kosmos Erziehungsprogramm für HundeAußerdem gut, allerdings nicht ganz so ausführlich:
Einfach gut erzogen: Die Hundeschule