Obwohl Atombomben allein der Zerstörung dienen und schon aufgrund dessen keine Daseinsberechtigung haben sollten, sind sie aus rein wissenschaftlicher Sicht sehr interessant - auch wegen der unglaublichen Energiemengen, die sie entfesseln können. Sie geben einen plastischen Eindruck davon, wie gewaltig die Kräfte der Natur sein können, und wie verheerend, wenn zur Waffe pervertiert. Trotz dieser Tatsache sehen Atombombenexplosionen sehr spektakulär aus, und genau diese (fast schon morbide) Faszination gibt der Bildband "100 suns" wieder. Leider wird aber hierbei wesentlich mehr Wert auf die Ästethik der Bilder gelegt als auf die wissenschaftlichen Hintergründe - lediglich im Anhang des Buches entdeckt man reichlich spannende Info zu den jeweiligen Bildern. Das ist löblich, aber macht das Lesen etwas mühsam, da man "100 Suns" durchaus als Wälzer bezeichnen kann und es etwas umständlich ist, ständig die über 200 Seiten vor- und zurückzublättern. Ich kann verstehen, dass man die Bilder ohne ablenkenden Text wirken lassen wollte - es wäre aber besser gewesen, die Texthinweise besser im Buch zu verteilen.
Ergo: Wem der wissenschaftliche Überbau einer Atombombenexplosion egal ist und nur an den Bildern interessiert ist, findet hier eine ordentliche Bildersammlung über die schlimmste Waffe, die der Mensch je ersonnen hat. Alle anderen, die gerne etwas Hintergrundinfo haben wollen, sollten sich jetzt schon mit dem Blättern abfinden.
Trotz der einerseits ethischen, andererseits haptischen Bedenken ist aber "100 suns" ein gutes, lesenswertes Buch, und ein Pflichtkauf für jeden Interessierten.