Was für ein Album! Nachdem das New Yorker Label Daptone Records nun schon seit Jahren zeigt, wie man Soul und Funk vom allerfeinsten herausbringen kann, kommt nun dieses wundervolle, reife Album voller gelebter Musik.
In letzter Zeit hat man Amy Winehouse ein passendes Soundscape verpasst, mit Mark Ronson im hauseigenen Studio zusammen produziert, bei Al Green spielt man gerade Bläsersätze ein uswusf. Die Reihe derer, die sich im Augenblick um Sound und Skills der Herren aus Brooklyn anstellt, will gar nicht mehr abreissen. Doch all das sind im Grunde nur hochkarätige Fingerübungen für die eigenen Scheiben. Und genau so hört sich 100 Days 100 Nights auch an. Gabriel Roth und die Band um ihn weiß, was sie will. Einen klaren und reinen Soul-Sound, der seinesgleichen sucht. Aber nicht findet. Was wir hier hören ist die Speerspitze originären Sounds und Grooves. Vielen reden von Retro-Soul und -Funk. Hier aber hören wir in ein Stück sehr ureigener Musik. Wenn die momentan aufkeimende Szene in Soul und Funk eine Königin hat, wenn James Brown uns eine Schwester geschickt hat um diese Kultur zu verkörpern, dann ist es Sharon Jones und ihre Dap Kings. Ich sage nicht "vergesst Amy", aber ich bin doch der Meinung, dass sich der Blick hinter das Pop-Phänomen mit der Anleihe Soul, hinein in diese ehrlich gemeinte und gelebte Musik sehr lohnt.
Wer Motown und Stax mag, wird hier sehr zufrieden werden. Einlegen, wohlfühlen. Einige gute Rocker (Tell me, Keep on looking), die wir sicher in den Club zu hören bekommen werden, ob roh oder remixed, eine Gospelnummer (answer me) und viel, viel, viel Soul. Wer's gerne noch ein wenig funkier mag, der wird sich an den beiden Vorgängeralben auch noch ranmachen müssen. Kann man auch 6 Sterne geben?