Fünf CDs mit 100 Stücken des großen Jazzpioniers und Entertainers Louis Armstrong für knapp Euro 11 sind ein großartiges Preis-Leistungs-Verhältnis. "Bis zum Aufstieg Dizzy Gillespies in den vierziger Jahren gab es keinen Jazztrompeter, der nicht von Louis Armstrong (...) herkam", betonte H.-E. Behrendt in seinem "Jazzbuch". "Armstrongs Position ist in der Jazzgeschichte ohne Vergleich", hob z. B. Dizzy Gillespie hervor (Behrendt). Von dieser frühen Pionierzeit finden wir viel Material auf den CDs.
Auf den ersten beiden CDs darf man den frühen und wilden Jazzpionier bewundern. Hier singt Armstrong nur selten. Seine Stimme ist rau und wild und seine inspirierten Trompetensoli sind einfach großartig und genial. Es sind auch die ganz frühen Stücke wie "Heebie Jeebies" und "Potato Head Blues" darauf, die den Jazz revolutioniert haben. Es stehen zwar leider keine Jahreszahlen der Aufnahme dabei, aber anhand der bescheidenen Aufnahmequalität, darf man annehmen, dass es sich um die großen Pionierwerke aus Mitte der 20er Jahre handelt. Aber auch die anderen CDs sind gut. Auch den spätere Armstrong finde ich absolut beeindruckend. Die späteren großen Welthits "What A Wonderful World" und "Hello Dolly" liegen allerdings nur in Liveversionen vor, wie das oft bei Billig-Editionen der Fall ist. Während die Liveversion von a "What a wounderful world" auch gut ist, ist die von "Hello Dolly" wirklich schwach. Die Aufnahmen müssen digital bearbeitet sein, da weder Rauschen noch knacken zu hören sind.
Im beiliegenden Büchlein finden wir erfreulicherweise fünf Fotos von Armstrong, zwei davon als er jung war. Zu den CDs 3-5 finden wir jeweils auch Angaben zu den Komponisten und Textern (falls vorhanden) Bei den CDs 1-2 triff dies so nicht zu: statt eines Komponisten steht meistens nur "Copyright Control". Schade! Manchmal wird erwähnt, wer sonst noch als Solist(in) singt (z. B. Ella Fitzgerald), manchmal erfährt man es jedoch nicht. Das Aufnahmejahr der Stücke ist auch nicht angegeben.
Kritische Äußerungen zur CD-Box kann ich dem Hersteller leider nicht ersparen. Die CDs haben von vorneherein nicht in der dafür vorgesehenen Halterung gehalten, d. h die rutschten da in der Box immer lose hin und her. Zahlreiche Pinne, die die CD in der Box halten sollten, waren beim erstmaligen Öffnen schon abgebrochen. Das kann nur dann passieren, wenn die Pinne zu dünn sind und die Box mangelhaft ist. Eine der Halterungen ist nach mehrmaligem blättern sogar von der Box abgebrochen, so dünn ist das Plastik. Ich musste die CDs notgedrungen in neue CD-Hüllen stecken. Dann würde ich lieber ein Euro mehr zahlen für eine Box, die funktioniert! Man sollte also beim Kauf auch schon einmal Geld für neue CD-Hüllen mit einkalkulieren. Außerdem habe ist Probleme mit dem Abspielen der CDs. Ich muss diese oft mehrmals reinigen, bevor ich sie abspielen kann. Vielleicht ist dies ein Transportschaden, weil die CDs von vorneherein in der Box herumgerutscht sind.
Fazit: Louis Armstrong ist für mich einer der größten Jazzmusiker überhaupt. Ich bewundere ihn sehr. Wer sich für das Lebenswerk Armstrongs interessiert, einschließlich der frühen revolutionären Stücke, und dafür nur wenig Geld ausgeben will, dem kann ich diese 5-CD-Sammlung empfehlen. Wegen der mangelhaften CD-Box und den Problemen beim Abspielen der CDs kann ich aber leider nur drei Sterne vergeben. Sonst wären es mindestens vier gewesen.