In diesen Tagen erscheint in den USA dasabschließende Heft # 100 dieser Serie. Auch Panini hat schon wesentlich mehr Bände veröffentlicht, aber hat sich zum Glück der Leser auch zum Nachdruck der bereits bei Speed veröffentlichten Ausgaben entschieden. Hierzu gehört auch der vorliegende Band, der, wie kein anderer Band zuvor, darauf abzielt, die verschiedenen Charaktere weiterzuentwickeln und natürlich auch dem Leser wieder in Erinnerung zu bringen. Gleichzeitig werden die ersten offenen Fäden, die Azzarello meisterhaft in den ersten 19 Ausgaben gesponnen hat, zusammenzuführen.
So erfährt man als Leser hier erstmals, was man schon vermuten konnte. Auch Shephard war ein Minuteman. Die Minutemen selbst wurden zerschlagen. Die erste Story dieses lesenswerten Bandes zeigt parallele Handlungsstränge, die nicht zusammengeführt werden. Dies ist eigentlich nicht üblich und ist deswegen überraschender als die Enthüllungen um Shephard, auf die ich nicht näher eingehen möchte.
Mit den nächsten beiden Stories wechselt Azzarello die Erzählperspektive. Der Leser sieht diesmal nicht, wie Graves den berühmten Koffer aushändigt. Unklar ist auch, wen Jack nun erschossen hat. Hat er alle erschossen, die er aufgesucht hat, nur einen Teil dieser Leute oder andere? Unabhängig hiervon ist auch dieser Zweiteiler spannend erzählt.
Kernstück dieses Bandes ist aber natürlich, dass Treffen der 13 Familien des Trusts. Ich bin gespannt, ob Azzarello noch einmal auflöst, ob Medici wusste, dass Perez sterben wird und ob er Megan absichtlich mitgeschickt hatte, die dann ironischerweise durch ein zufälliges Zusammentreffen mit seinem Sohn überlebt hätte. Dieses Aufeinandertreffen von Zufällen würde gut zu dem ironischen Erzählstil Azzarellos passen, aber ich bin mir fast sicher, dass er hierauf noch einmal zurückkommt. Ebenso würde ich mich über eine Erklärung freuen, warum Perez überhaupt zu Graves, dem erklärten Feind des Trusts geht. Zweifelsohne erzeugt diese Wendung Spannung, die aber Azzarello erklären sollte.
Der Band um den Franzosen weist erstmals Gastzeichner auf, die sich so vor Azzarellos Storyboard verneigen und diesem One Shot innerhalb der Serie einen Mystery Charakter verleihen.
Die Story um den alternden Baseballstar zielt auf Marilyn Monroe und John F. Kennedy ab. Gerade an diesem Beispiel, an der Ermordung eines Präsidenten, die die USA bis heute nicht so richtig verwunden haben, zeigt Azzarello, dass Graves vor Nichts und Niemandem zurückschreckt.
Der abschließende Dreiteiler des vorliegenden Bandes zeigt, dass die Minutemen weit verstreut in den USA leben und dass sie unter eine Art Hypnose stehen, um sie zu schützen. Gespannt bin ich auch, was Shephard mit Dizzy im Schilde führt.
Jeder Freund des gepflegten Krimis wird sich an dieser Serie erfreuen, die mit diesem Band einen ersten Höhepunkt aufweist.