Nach mehrmaligem Scheitern, mich auch unterwegs nach solchen Tourenführern zu richten, habe ich mich dazu entschieden, Bücher dieser Art nur noch als Inspirationsquelle und Überbringer erster Informationspakete zu nutzen. Zu Hause spielen Gewicht und Größe keine Rolle. Und wenn mich die detailarmen und kleinen Kartenausschnitte ärgern, kann ich den PC anwerfen oder in meiner Kartensammlung wühlen. Motorradfahrern mit Navigeräten wird es egal sein, wenn Nebenstassen und kartographische Besonderheiten nicht eingetragen sind. Zumal jeder Buchbesitzer auf die GPS-Daten der angegebenen Website zugreifen kann.
Obwohl ich seit Jahrzehnten mit dem Motorrad unterwegs bin, habe ich längst nicht alle der 100 aufgeführten Alpenpässe befahren. Doch in der Schweiz kenne ich außer die Anniviers- und Zinal-Hochstrasse alle vorgestellten Routen. Das Konzept bei jedem Tourenvorschlag sieht folgendermaßen aus: Zuerst gibt es einen Überblick, zu dem Angaben zur Streckenlänge ebenso gehören wie die Anzahl der Kehren und Hinweise auf Mautpflichten und Wintersperren. Zudem sind die Pässe aufgeführt, mit denen sich eine Tour kombinieren lässt. Keinen Gebrauch mache ich von der Rubrik "Höhenprofil", die überraschend viel Raum einnimmt. Aber was die Autoren unter der Überschrift "Sehenswertes am Wegesrand" schreiben, lese ich auf jeden Fall. Und dass man als Einheimischer die Schwerpunkte manchmal anders setzen würde oder etwas vermisst, liegt in der Natur der Sache. Gewundert habe ich mich nur, dass in der Schweiz so oft von Schlaglöchern die Rede ist. Entweder wurden sie immer gleich aufgefüllt, bevor ich durchfuhr, oder diese Angaben stammen aus dritter Hand.
Gefallen haben mir die vielen farbigen Fotografien, die sicher dazu beitragen, dass dieses Buch die Lust zum Biken weckt. Aufnahmen, die den Ansprüchen professioneller Fotografen genügen, suche ich ohnehin nicht in einem Tourenplaner. Da ich mir kaum vorstellen kann, dass die Autoren nur in der Schweiz so seriös recherchierten, vertraue ich ihnen auch bei den Beschreibungen der deutschen, österreichischen, französischen und italienischen Alpenpässe.
Mein Fazit: Nützlicher Tourenplaner, der mich noch mehr überzeugen würde, wenn statt der Höhenprofile größere und detailreichere Karten abgedruckt wären. Ich lasse mich von solch gewichtigen Büchern lieber beim Planen einer Tour inspirieren, als dass ich 285 Seiten mitnehme und mich unterwegs nach den Angaben der Autoren richte.