10x10=100 ist ein ungewöhnliches Buch, daß nicht nur sehr tiefgehend beeindruckt, und bewegt, sondern auch zum Nachdenken anregt, zur Reflektion und zur ,Aufarbeitung' einer wahrhaft ereignisreichen Zeit.
Die Anthologie liefert einen ganz wertvollen Einblick auf die deutsche Kultur, nicht zu vergessen auch die österreichische, und israelische und das Leben in ihr, mit ihr, durch sie. Die Schmerzen des letzten Jahrhunderts werden beleuchtet von so vielen Seiten; das Leid, das so vielen Menschen widerfahren ist, schreit einem entgegen und gleichzeitig ist es kein Buch des Schreckens.
Ich selbst habe die Lektüre jeder Seite und jedes Gedichtes genossen und auch die ausdrucksreichen, das Werk ergänzenden, Illustrationen gerne angeschaut.
Beim Lesen sind mir viele Dinge aufgefallen; auch haben mir sehr viele Dinge gefallen und ich habe mich vor allem an diejenigen Dekaden erinnert, in denen ich selbst in Deutschland gelebt habe. Gleichzeitig habe ich viel erfahren über die Jahrzehnte, in welchen ich noch gar nicht auf dieser Welt war.
Gefallen tut mir an diesem Werk besonders, wie konzentriet seine Texte sind. Wenige Worte liefern ein so reiches Bild, regen zum Nachdenken an und vermitteln sehr tiefen Einblick in die Erfahrungen der Menschen, die hier erzählen.
Der Titel (wenn auch unkonventionel) paßt hervorragend zum Werk und es ist mir auch nicht entgangen, daß das Buch an sich, so wie es aufgebaut ist, selbst als ein ,Reim' stehen kann: Die Reihenfolge der Autoren ist in jeder Dekade wiederholt. Dabei wird häufig eine Art Thema durch das Jahrhundert hindurchgezogen, bekräftigt durch die Titel der Gedichte in manchen Fällen, (z.B. April 1903, April 1913...) - So läßt der ,Reim der Autoren' die Anthologie in sich zu einem Gedicht werden - das ist eine ganz schöne Idee.
Es bleibt zu sagen, daß dieses sehr schön aufgemachte kleine Buch ein Begleiter sein kann, eine Art Tagebuch des letzten Jahrhunderts, daß man immer wieder lesen kann, ein Lieblingsbuch eben...