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Wann erlebt man schon einmal so viele Stars zur selben Zeit an einem Ort wie bei einer Gala für einen guten Zweck, hier zu Gunsten der Deutschen Aids-Stiftung? Kein Konzertveranstalter und kein Opernhaus der Welt könnte sich ein solches Aufgebot von internationalen Größen leisten, wie es im Nachgang der Berliner Veranstaltung vom 08. November 2003 nun auch der CD-Hörer präsentiert kommt.
Freilich: Nicht alles, was Gold sein sollte, identifiziert sich mit dem notwendigen Glanz auch eindeutig als solches. Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz, das bei derartigen Massenauftritten nicht jeder Künstler wirklich seine volle Leistung bringen kann, fehlt es doch an Möglichkeiten, sich im Laufe der Zeit warm zu singen. Von dieser Einschränkung auszunehmen ist jedoch eindeutig der Bassist René Pape, der gleich zweimal auftreten durfte: Sowohl als Leporello in der berühmten "Register-Arie" (Don Giovanni) als auch als Escamillo mit dem populären Antritt-Couplet (Carmen) entlockt er dem Publikum Begeisterungsstürme, denn sein einzigartiges Stimmmaterial ist einfach überwältigend voluminös und von unglaublich schönem Timbre.
Paolo Gavanelli und Vladimir Galouzine lassen sich als Tonio und Canio mit spektakulären Nummern aus Leoncavallos I Pagliacci hören, und auch sie gehören zu den Stimmwundern des Abends: Gavanelli mit einem wunderbar fülligen, dunklen Bariton, Galouzine mit einer sehr im Brustregister verankerten, faszinierend kraftvollen und vor Intensität vibrierenden Tenorstimme; bei ihm mag man sich fragen, wie lange man so rückhaltlos ausdrucksorientiert singen kann, ohne Schaden zu nehmen. Vesselina Kasarova begeistert als Charlotte mit der bekannten großen Arie aus Massenets Werther. Grace Bumbrys Dalila-Arie (Saint-Saëns, Samson et Dalila ist nur mehr ein Nachglühen, allerdings ein immer noch erstaunlich präsentes, einer großen, nicht unproblematischen Karriere.
Damit sind nur ein paar der Sänger genannt, die in der Deutschen Oper Berlin zusammenkamen. Erwähnt werden muss aber unbedingt noch Loriot, der auch in diesem Jahr -- angeblich endgültig zum letzten Mal -- durch seine unnachahmlich humorvollen, geistreichen und liebenswürdigen Moderationen dieser Veranstaltung den passenden Rahmen gibt. --Michael Wersin
Das Label über die CD
In Berlin ist die AIDS-Gala bereits seit ihrer ersten Ausgabe im Jahre 1994 zum gesellschaftlich-musikalischen Highlight avanciert. Und auch die 10. Auflage aus der Deutschen Oper Berlin 2003 liest sich wie das Who is Who der internationalen Operngemeinde: Neben Michele Crider und Grace Bumbry wirken die jüngst zur Sängerin des Jahres gekürte Vesselina Kasarova sowie Angelika Kirchschlager, Paoletta Marrocu und Anne Schwanewilms mit. Aber auch die Herren, die sich unter dem Dirigat von Kent Nagano zu einem Stelldichein zusammenfinden werden, stehen den Damen in nichts nach: Vladimir Galouzine, Paolo Gavanelli und Salvatore Licitra treten auf an der Seite von Rene Pape, Nicolai Putilin, Andreas Scholl und last but not least Ramón Vargas.
Eine enge Partnerschaft verbindet die AIDS-Gala seit Jahren mit Loriot, dem unermüdlichem Grenzgänger zwischen Komik und gehobener musikalischer Unterhaltung, in den Worten Joachim Kaisers: Seit Wilhelm Busch hat es in Deutschland keinen Humoristen gegeben. Loriot ist ein Jahrhundert-Ereignis der zeichnerischen, schriftstellerischen, zugleich auch noch mimisch-theatralischen Präzision. In diesem Jahr, wenigen Tage vor seinem 80. Geburtstag, wird Loriot die Gala zum letzten Mal moderieren in Form seiner legendären Notwendigen Bermerkungen zu Dramatischen Musikbeispielen.
Bei RCA Red Seal/BMG wird die hochkarätig besetzte Gala als Live-Mitschnitt erscheinen und rechtzeitig zum Welt-AIDS-Tag am 01. Dezember 2003 im Handel sein. 5 Euro vom Kauf jeder CD gehen direkt an die Deutsche AIDS-Stiftung.