Klar - bei so einer Gala kann nicht alles überzeugen. Nicht jeder der Stars ist in Topform oder richtig eingesungen, einige sind schon etwas über den stimmlichen Zenit hinaus. Eine Prüfung ist auch der Auftritt von Jochen Kowalski im Finale.
Aber dafür bekommt man auf der anderen Seite die wunderbar auf den Punkt gebrachten Überleitungen von Loriot, die nicht nur als Einführung für diejenigen Hörer geeignet sind, die die Opern, aus denen die gesungenen Ausschnitte stammen, nicht kennen, sondern auch für die anderen außer vielen Pointen auch den einen oder anderen Augenöffner bereithalten.
Dazu kam für mich eine echte musikalische Entdeckung: Anne Schwanewilms war mir zwar als Name schon ein Begriff, ich hatte sie aber bewusst noch nie gehört. Und dann das: Angekündigt wird die Traumerzählung der Elsa aus Lohengrin, und es kommt nicht die erwartete Tonne mit dramatischer Röhre, sondern eine zierliche Sängerin mit einer sehr lyrischen, innigen Stimme, die noch dazu sehr textverständlich singt, und die mich sofort an eine der schönsten Stimmen der Nachkriegszeit erinnerte: Elisabeth Grümmer, 20 Jahre lang unumstrittene Primadonna der Deutschen Oper Berlin - insofern eine Entdeckung am richtigen Ort.
Auch das Niveau der übrigen Sänger ist - gerade für so eine Gala - überraschend hoch, und erheblich besser als in den vergangenen Jahren. Ein großer Moment ist auch der Auftritt von Grace Bumbry - deren Stimme zwar nicht mehr traumhaft schön ist, aber noch erstaunlich intakt. Immerhin begann diese Weltkarriere schon 1961 in Bayreuth, und die Sängerin ist inzwischen 66 Jahre alt!
Und so ist dieses Jubiläumskonzert mit Recht auf CD veröffentlicht worden - auch wenn es sich nicht um den letzten Auftritt von Loriot handeln sollte - hoffen wir's!