Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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69 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sperrig und komplex, 5. Juli 2006
Und dennoch, oder gerade deswegen ein Muss für Liebhaber anspruchsvoller Musik.
"Vicarious" ist sicherlich der eingängigste Song des Albums, da technisch kaum verspielt und sehr melodiös. Die Riffs mögen eher von einfacher Natur sein, aber das für Tool typische Songwriting ist grandios: Der Song beginnt mit einem Intro, in welchem sich Bass und Gitarre mit zwei verschiedenen Variation eines Themas gegenseitig ergänzen. Sobald das Schlagzeug einsetzt, vereinen sich Bass und Gitarre, und spielen eine dritte Variation des Themas. Dass es sich bei 0:45 nicht um ein neues Riff handelt ist zu erkennen, wenn bei 2:01 die Gitarrenlinie des Intros über die Basslinie der dritten Variation gelegt wird. Tool reizen ihre Themen voll aus, varieren sie ständig oder fügen neue Elemente hinzu. Danny Carreys versiertes und erhabenes Schlagzeugspiel leitet alles souverän und Maynard James Keenan's Stimme, die tatsächlich als viertes Instrument angesehen werden kann und muss, fügt zusätzlich Abwechslung hinzu. Ein wirklich neues Element wird erst beim Interludium 3:29 eingeführt. Nach diesem und der spannungsteigernden Wiederholung des Intros mit Keenans bschwörender Stimme brechen Tool in voller Wucht aus und spätestens wenn Keenan zum dritten Mal singt "Vicariously I live while the whole world dies" (6:35) stehen alle Haare zu Berge. Ein mächtiger Song. (10/10)
"Jambi" ist der technischste Song des Albums und weitaus weniger eingängig. Es ist schon erstaunlich wie alle 4 Instrumente teilweise nach vollkommen verschiedenen Rhythmen für sich alleine zu spielen scheinen, aber trotzdem eine Einheit erzeugen (z.B. 3:05). Der Song erinnert ein wenig an "The Grudge" von Lateralus und ähnelt generell noch am ehesten den Songs des Vorgängeralbums. Im Gegensatz zu "The Grudge" fehlt mir bei "Jambi" allerdings ein Höhepunkt. Nach der Spannungssteigerung, die bei 6:40 beginnt und einen grandiosen Ausbruch erwarten lässt, bricht der Song plötzlich ab. Schade. (8/10)
"Wings For Marie" Teil 1 und 2 (bzw. "10 000 Days") ist das Meisterwerk dieses Albums. Tool erzeugen hier mit ihren Instrumenten Klanglandschaften und -welten, die sich nicht beschreiben lassen. Diese muss man fühlen. Kopfhörer aufsetzen, Augen schließen, in der Musik versinken, fühlen. (10/10)
"The Pot" ist nach dem sehr spirituellen "Wings For Marie" ein viel bodenständigerer Track. Grandioser Groove, grandiose Basslinie, grandioses melodiöses und dann riffiges Interludium (4:11), dass in einen recht harten Schlussteil übergeht (ab 5:38). Keenan nimmt mit seiner sehr affeminisierten Stimme reichlich Härte von dem Stück und geht später glücklicherweise in einen aggressiveren Ton über. Wen Keenans Stimme zu Beginn des Stücks nicht zum Wegschalten animiert, den erwartet ein toller, fast Metal-artiger Track. (9/10)
"Lost Keys" und "Rosetta Stoned" sind zwei zunächst sperrige und schwer einzuordnende Tracks. Ich habe mich mit den Gedanken angefreundet, sie eher als Hörspiele als als Lieder anzusehen. "Lost Keys" zum Beispiel ist musikalisch kaum erwähnenswert, jedoch ist es wichtig um die richtige Stimmung für den nächsten Track zu erzeugen. Dieser ist Keenans zynische Version des All-American guy der die Gelegenheit bekommt, die zu Welt retten aber unglücklicherweise seinen Stift vergessen hat. Die äußerst amüsanten Lyrics erzählen seine Geschichte in bester Stream-of-Consciousness-Manier und die Musik agiert wie ein Soundtrack. Durch die vielen abwechslungsreichen Effekte, die über die Vocals gelegt wurden, wird das Interesse gehalten und nach einer tollen Spanungssteigerung ab 8:19 erwartet den Hörer noch ein grandioser musikalischer Höhepunkt, in dem ein weiteres Mal Keenans emotionale Stimme (die zynischerweise gar nicht zu den Lyrics passen will) bewundert werden kann. "Rosetta Stoned" bezieht sich übrigens nicht auf eine Rosetta nach Drogengenuss, sondern auf den sogenannten Stein von Rosetta. (10/10)
Mit "Intension" bieten Tool dem Hörer noch ein weiteres wunderschönes Stück, das eine beruhigende und wiederum nahezu spirituelle Atmosphäre ausstrahlt (10/10) bevor das zunächst ruhige und melodiöse "Right In Two" einen wuchtigen Schlusspunkt setzt und somit den Kreis schließt, der mit "Vicarious" begonnen wurde. "Right In Two" offenbart ein weiteres Mal alle Stärken von Tool: einerseits die Fähigkeit wundervolle Melodien zu erzeugen, andererseits ein intelligentes Songwriting mit einem logischen Spannungsbogen und wuchtigen Schlussteil, die richtige Dosierung von Melodie und Härte, sowie der perfekt akzentuierte Einsatz der Instrumente (und dazu zähle ich - ich wiederhole es gerne - Keenans unglaubliche Stimme). (10/10)
Die bis jetzt vernachlässigten Instrumentale "Lipan Conjuring" und "Viginti Tres" stören kaum und erzeugen sehr effektiv Atmosphäre, vor allem Letzgenanntes auf sehr beklemmende Art und Weise.
Nimmt man jetzt den Durchschnitt der bisherigen Noten für die Gesamtbewertung, so wird man dem Gesamteindruck, den das Album erzeugt, nicht gerecht. Tool hat kein Album mit einzelnen Liedern veröffentlicht. Nein, es handelt sich hier um ein Gesamtkunstwerk und man muss die gesamte Kunst betrachten, sowohl Musik (und das betrifft auch die Reihenfolge der Lieder), als auch Lyrics, als auch das Artwork. Das Album erhält von mir eindeutig und nachdrücklich die Höchstnote. Ich werde das Gefühl nicht los, dass viele das 10 000 Days zu schnell rezensiert haben oder es nur im Kontext mit Lateralus sehen können und es konsequent mit diesem Meisterwerk vergleichen. 10 000 Days ist jedoch vollkommen anders und steht für sich alleine. Wie jedes Tool-Album wächst auch 10 000 Days mit jedem Hördurchgang und nach einer gewissen Eingewöhnungszeit kann ich sagen, dass Tool meine Erwartungen vollkommen erfüllt haben und mit 10 000 Days ein Album präsentieren, das mindestens genau so gut wie Lateralus, wenn nicht besser ist.
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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Progressive Metal mit Hang zum Perfektionismus, 21. April 2007
Soundtechnisch brauche ich keine all zu großen Hinweise geben. In dieser Hinsicht ist wie beim Vorgänger alles auf absolut perfektem Niveau, der Sound ist glasklar und definiert, alle Instrumente klingen super und es gibt an keiner Stelle irgendeinen Abstrich zu machen.
Dass Tool nicht gerade radiotaugliche Musik ist, bestätigt sich mit diesem Album von neuem.
Der Song vicarious ist dabei noch am zugänglichsten, trotz 5/4 Takt ein sehr eingängiger Song mit rockigen Rhythmen und, für Tool absolut ungewöhnlich, eingängigen Melodien.
jambi, mit seinem vertrackten 9/8 Takt, später 6/4, ist ein Stück musikalischer Perfektion. Die verschieden Rhythmen, die sich in einander verschieben und das Spiel des Basses, dass die oft gleich bleibenden Gitarrenakkorde harmonisiert, ist, auch wenn es für Tool ein ungewöhnlicher Begriff ist, wunderschön.
Wings Pt.1 + 2 sind zwei, zumindest auf der CD getrennte Titel, die ein fast schon mathematisches Epos bilden. Einzeln, wie sie auf der CD liegen, haben wir es mit effektgewaltigen, atmosphärischen Songs zu tun, die irgendwie beängstigend, aber auch schön klingen, einen auf jeden fall in eine andere Welt entführen. Bei wings for marie fällt aber das enorm zurückhaltende Schlagzeug auf. Das Rätsel löst sich, wenn man per Computerprogramm die beiden Songs übereinander legt: Es entsteht ein Titel, die beiden Einzeltitel ergänzen sich hier sowohl instrumental als auch in den Gesangsphrasen. Auch der letzte, für sich sinnlose Rauschtitel viginti tres lässt sich diesem enorm abgefahrenen musikalischen Experiment zuordnen.
the pot ist definitiv der radiotauglichste aller Titel, kommt mit rockigen Riffs daher und überrascht mir einem stimmgewaltigen Maynard James Keenan, der in Tonlagen vordringt, die man von ihm nicht erwartet hätte.
lost keys und rosetta stoned sind ein musikalischer Dampfschlaghammer und bilden einen wahrlich Tool-typischen Song, der auf pentatonischen Riffs aufgebaut ist, eine in sich geschlossene, abgefahrene Story erzählt und an Takt und Tempowechseln nicht spart. Äußerst interessant, leider kann man es zu Hause niemals so gewaltig klingen lassen, wie dieser Song live daher kam.
in intension hört man zum ersten mal ein e-drum, was zuerst überrascht, aber dann doch sehr gut in den irgendwie hypnotischen, ruhigen Titel passt.
right in two ist der nächste Epos, der im absolut genialem 11/8 Takt steht und im Finale einfach nur brachial und hymnisch klingt. Ein krönender Abschluss.
Letztendlich bleibt natürlich die Frage, ob 10.000 Days denn nun besser als Lateralus ist. Ich denke, diese Frage muss jeder für sich klären. Meiner Meinung nach ist Lateralus eingängiger, über viele Stellen freundlicher, während 10.000 Days oft, selbst für Tool, verstörend und düster ist und nach dem ersten Hören nicht viel hängen bleibt. Was nun besser ist, muss jeder selbst entscheiden. Eins ist sicher: Mit seinem gewaltigen Sound und der genialen Musik ist 10.000 Days auf jeden Fall eins: 100% Tool.
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24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Mehr als nur Prog, 9. Mai 2007
Tool sind ja bereits nach ihren ersten 3 Meisterwerken "Undertow", "Aenima" und "Lateralus" mehrfach und mit Recht in den Musik-Olymp hochgelobt worden. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an das neue Album "10.000 Days". Aber keine Band versteht es so gut Erwartungen zu übertreffen wie TOOL. TOOL, die Band die Songs schreibt die süchtig machen, Lieder, bei denen man noch nach dem 50. Mal hören nicht begreifen kann, wie man überhaupt auf die Idee kommen kann ein solches Kunstwerk zu schreiben. Man zweifelt manchmal sogar daran, dass die Band aus dieser Welt stammt. Doch der Reihe nach:
Als ich die Amazonverpackung aufreisse bin ich zunächst überrascht. Ein Brille mit ins Digipack integriert? Egal! Erst muss die CD in die Anlage. Erste Klänge dringen aus den Lautsprechern. Ein ruhiges Intro dessen Takt sich nur erahnen lässt und dann kurz innehält, wie beim Luftholen vor dem großen Sprung. Und der kommt auch! Ein Wahnsinnsriff setzt ein. Eins ist mir sofort klar: Es gibt härtere Riffs, aber auf keinen Fall ein Zweites das so groovt. Das ganze Lied ist im 5/4-Takt geschrieben, aber mit so viel Liebe zum Detail ausgearbeitet, dass die Takte trotzdem rund wirken. Dass schaffen nur sehr wenige Bands. Es wird bis zum Ende des Tracks Spannung aufgebaut, die sich am Ende zu einem mitreißendem Finale entlädt. Was für ein Lied!!! Doch es bleibt keine Zeit. Schon setzt das aggressive Anfangsriff von Jambi ein. Rau, unregelmäßig und brutal kommt das Intro daher, als wollten TOOL jetzt auch hartgesottene Metaler in ihr Fanlager zerren. Doch plötzlich STOP! Es geht gemäßigter weiter. Es entwickelt sich ein Stück voller Überraschungen, voller Wechsel zwischen hart und weich. Das ist Tool. Man erkennt es ganz genau, und trotzdem ist dieses Stück wieder ein einzigartiges. Jambi verliert sich nach dem fulminanten Schluss in einem lange verhallenden Ton. Dann komplette Ruhe. Wings for Marie beginnt. Die verschwimmende, verzerrte Melodie mit der die Gitarre einsteigt lässt mich staunen. Wer TOOL zuvor gehört hat kennt solche mysteriös klingenden Parts. Ich sitze ruhig da und genieße es. Dann wird die Ruhe jäh unterbrochen und kurz darauf der Härtegrad wieder heruntergeschraubt. Das 4. Lied beginnt mit geheimnisvollen Bassklängen. Von Regen und Donnergeräuschen begleitet steigert sich die Spannung. Ich habe zweimal das Gefühl dass sich diese aufgestaute musikalische Energie jetzt in ein brechendes Riff entladen müsste. Doch TOOL sorgen bekanntlich gerne für Überraschungen. Die Spannung steigt noch weiter und beim 3. Mal ist es dann endlich soweit. Das erwartete Riff donnert auf mich hernieder. Es ist total simpel aber genauso effektiv. Ich kann mir ein grinsen nicht verkneifen. Die glasklare Stimme von Maynard James Keenan leitet The Pot ein. Ein Track mit groovigen Basslinien und schneidenden Gitarrenriffs. Ein eingängiges Lied welches nach den vier anstrengenden Lieder zuvor eine gelungene Abwechslung darstellt. Dennoch habe ich nie das Gefühl dass die Band ihren Stil verändert. Song Nummer 6 beginnt. Ich vernehme Indianergesang teilweise mit verzerrten Gitarrentönen gepaart, was etwas bizarr auf mich wirkt. Es ist aber nur von kurzer Dauer, denn bereits nach einer Minute weicht der Indianergesang dem nächsten Stück: Lost Keys beginnt wieder ruhig. Stimmen sind zu hören bis mich nach dem nahtlosen Übergang zu Rosetta Stoned massenweiße unregelmäßige und regelmäßige Gitarrenlinien erfreuen welche von seltsamem Sprechgesang begleitet werden. Intension ist dann ein vollkommen ruhiger Teil des Albums. 7 Minuten lang lasse ich mich von gefühlvollem Gesang, ruhigen Melodien berieseln und von so manchen Soundeffekten überraschen. Behutsam leitet die Gitarre Right in Two ein. Dann steigen der Reihe nach Maynard und die Drums ein. Die ganze Tracklänge über sind Bongos im Hintergrund zu hören. Es folgt ein energiegeladener Teil. WOW! Ich komme aus dem staunen kaum heraus. Ein Album auf dem eine Überraschung die nächste jagt, auf dem bedachte und schwebende Parts, gespielt wie von keiner anderen Band, und präzise Riffs um die Wette eifern. Einmalig! Ein Song bleibt noch. Vinginti Tres lässt 10.000 Days ausklingen. Ich höre bizarre Geräusche, warte bis die CD in meiner Anlage stoppt.Dann drücke wieder die Playtaste
Was für ein Erlebnis!
5 Sterne!
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