Ich habe den Film damals nicht im Kino gesehen und habe ihn mir auch nicht später ausgeliehen. Erst die Tage kam ich dazu, mir selbst mal anzuschauen, was Emmerich da geschaffen hatte.
2008 wurde der Film mit jede Menge Tam-Tam und Vorschusslorbeeren als das kommende GROSSE KINOEREIGNIS schlechthin angekündigt.
Kurz nach Kinostart las ich einige Kritiken, die den Film ein gutes Stück herunterschraubten.
Und genau davon konnte ich mich nun selbst überzeugen. Der Film stellt nichts wirklich Besonderes dar, nichts Monumentales oder Episches, sondern eine total zahme, und zudem irgendwie langweilig konstruierte Erzählung. Ich hatte immer den Gedanken, daß er eigentlich alles hat, was einen guten Abenteuerfilm ausmacht. Doch trotz allem wirkte das Geschehen auf mich völlig blutleer, dünn, ohne Leben.
Das Einzige, was von der Optik her wirklich Eindruck machte, war die große - am Schluss dann endlich erreichte - Pyramidenbaustelle. Das sah wirklich toll aus. Aber ein paar tolle Szenen retten nicht einen Film von annähernd 2 Stunden.
Meine größten Kritikpunkte sind:
- Die von Anfang an völlig durchschaubare Story. Schon nach einer halben Stunde wusste ich einfach, daß es keine großen Überraschungen geben wird. Der Held wird seine Geliebte retten und es gibt ein Happy-End. Die kurz vorm Ende auftauchende - vermeintlich - dramatische Szene, war in ihrer Gänze ebenfalls äußerst klischeehaft und vorhersagbar.
- Vor 10.000 Jahren sahen die Menschen genau so aus, wie heutige Hollywoodschauspieler. Ächz.. Wenigstens ein klein wenig hätte man sich da mit der Maske bemühen können, das Ganze etwas glaubwürdiger darzustellen.
- Mammuts im eisigen Hochland einer Eiszeit. Ja - das passt. Das waren nun einmal Tiere der Eiszeit, sprich eine extrem k a l t e n Klimas.
Mammuts in einer äqyptischen Wüste? Nein - das passt leider gar nicht. Unter solchen Umständen und Temperaturen stirbt ein Mammut binnen kürzester Zeit schlichtweg an einem Hitzekollaps.
Abgesehen davon haben die Sklavenjäger wohl auch all diese Mammuts im Hochland eingefangen und dann den langen Weg unter mörderischen Gefahren bis hin zum Fluss getrieben und dort auf Schiffe verladen...
Das ist derartig überladen unlogisch und strunzdumm, daß ich einfach nicht darüber hinwegsehen kann, auch wenn ich es wollte.
- Eine gigantische Pyramidenbaustelle, zigtausende von Sklaven. Und dazu eine Handvoll Wächter und einige Hohepriester. Und ein einziger (von ursprünglichen 3) geheimnisvoller, fremder Herrscher mit angeblicher Allmacht!
Wie lächerlich ist das denn bitte??
Zumal nie auch nur im Geringsten darauf eingegangen wird, worauf sich denn die Macht dieses Mannes stützt.
Fast schon war ich versucht an die Goa'uld aus dem Stargate-Universum zu denken.
Doch weit gefehlt. Der allmächtige Herrscher ist wohl doch bloß ein ganz normaler Mensch - und so bedarf es auch bloß eines ganz normalen Speeres, um ihn zu töten. Seltsam, daß dies vorher noch keinem anderen eingefallen bzw. in den Sinn gekommen war...
- Die alten Bissnarben auf der Hand der Frau sehen genau so aus, wie das Sternbild des Orion. Ein Omen, vor dem der Herrscher sich fürchtet.
Wieder so ein Quark, der mit der Glaubhaftigkeit mächtig herumspielt und dem Zuschauer einiges abverlangt.
- Der riesige Säbelzahntiger wird vom Helden gerettet - und bedankt sich dafür natürlich später. Klar... Ein Raubtier hat ja kein Interesse daran, Beute zu machen.
Das - und der Umstand, daß der Leitbulle der Mammuts dem Helden am Ende dann auch wieder für die Befreiung zu danken scheint, rücken den Film ein gutes Stück ins Reich der Fabel.
Was - so frage ich mich aber - soll der Film sein?
Eine Fabel, ein Abenteuer, ein Actionfilm, ein Epos, eine Saga...??
Soll er unterhalten? Das mit Sicherheit. Hat er bei mir allerdings nicht geschafft. Ich war eher gelangweilt, weil nie wirklich eine packende und spannende Geschichte erzählt wird, sondern die ganze Sache müde vor sich hinplätschert.
Selbst in den Action- und Kampfszenen kam bei mir keine wirkliche Spannung auf. Im Gegenteil. Ich war immer mal wieder auf dem Klo oder hab mir was neues zu Trinken geholt... Und beim Zurückkommen bemerkt, daß mir nix Wichtiges entgangen war.
Ich gehöre beileibe nicht zu den Leuten, die jeden Film kaputtanalysieren wollen und nur nach Logikfehlern suchen. Ich mag Abenteuer und große Erzählungen, ich mag Fantasie. Aber wenn die Story selbst schon eher mau ist, dann darf sie nicht vor an den Säbelzahntigerschnurrhaaren herbeigezogenem Blödsinn überborden.
Die Story an sich - Verschleppung von Freunden/der Frau und eine darauf folgende Jagd - findet sich auch in APOCALYPTO wieder.
Apocalypto (OmU) [Blu-ray] Einem Film, der um Längen besser und spannender, packender ist. DEN kann ich wärmstens empfehlen!
10.000 BC allerdings habe ich einmal gesehen - und das reicht mir vollkommen. Der Film war und ist ein Flop.