"Die Zehn ist das Symbol der Vollendung und der Vollkommenheit."
(Bakerman)
Schwer verletzt und leicht gereizt verlangt Steven Burns Antworten von Bakerman. Bakerman berichtet, dass er bereits 1882 geboren wurde und erzählt von seinen Erlebnissen 1936 in dem damals von italienischen Truppen besetzten Libyen:
Als junger Archäologe hat der kleine Mann den italienischen Kollegen Alessandro Christophori getroffen. Als dieser von einer bevorstehenden, geheimen Expedition zu den Kufra-Oasen berichtet, wird er vor Bakermans Augen umgebracht. Bakerman wird verhaftet und vom Vizegouverneur Palladino und Colonello Amato verhört und schließlich dazu gedrängt, anstelle des ermordeten Christophori die Expedition unter der Führung Amatos zu begleiten.
In den Kufra-Oasen angekommen, erkennt Bakerman, dass die wahre Expedition noch weiter in Richtung Süden führt. Neben Bakerman und Amato beteiligen sich weitere sechs Personen an diese Reise: Majore Fink, Corporale Conte, die Tochter des Senussi-Fürsten, Dr. Barucci, eine Krankenpflegerin und eine todkranke Frau, die sich als die Nichte des Duce entpuppt. Zusammen machen sie sich auf, um Ila al Khalf, die Rückkehr, zu gewinnen. Doch nicht jeder kehrt zurück...
Die Geschichte ist sehr interessant aufgebaut. Man erfährt erstmals etwas über Ila al Khalf und die Bedeutung der Zehn wird greifbarer. "Sehen Sie die Vertiefungen am Rand der Platte? Es sind genau 30. Jeweils zehn unmittelbar nebeneinander." (Bakerman). Wie so oft aber müssen wir uns in Geduld üben, denn für die Auflösung des Rätsels um Gabriel Burns gilt Bakermans Spruch: "Die Zeit ist noch nicht reif."
Die Atmosphäre dieser Folge ist schlichtweg genial. Während "Die Totenmaschine" noch voller Action war, geht es hier wesentlich ruhiger, aber nicht minder interessant zur Sache. Soundtechnik und Musik sind wie immer hervorragend abgestimmt. Man schmeckt förmlich den Sand in der Wüste und ist beeindruckt von der Riesenhöhle. Das Konzept, zwei Erzähler einzusetzen, verstärkt den Eindruck, den die Zeit 1936 beim Hörer hinterlässt. Ein wahrlich gelungener Rückblick.
Bei dieser Folge treten wieder Gastsprecher auf, die so unterschiedlich sind, wie Tag und Nacht. Während Florian Weber (Sportfreunde Stiller) als Dr. Flannagan blass bleibt und das Hörspiel nicht voranbringt, liefert Patrice Bouédibéla als elitärer und überheblicher Amato eine wirklich tolle Leistung ab. Amato ist sehr interessanter Charakter, wie auch eine Aussage des Erzählers beweist: "Colonello Amato wischte sich über die Uniform, als könnte er damit das Erlebte einfach weg wischen."
Vor allem Ernst Meincke hat in diesem Hörspiel die Gelegenheit, der Rolle des Bakerman vielschichtiger zu gestalten. Und diese Gelegenheit nutzt er hervorragend. Sehr gut sind ebenfalls Stefan Krause als Corporale Conte, Helmut Gauß als Majore Fink, Helmut Krauss als Palladino, Hans Teuscher als Dr. Barucci und Wolfgang Kühne als Abdul Ash Badri.
Sehr gelungen finde ich den Schachzug, in diesem Hörspiel zwei Erzähler einzusetzen. Zu der bekannten Größe Jürgen Kluckert als Erzähler in der Gegenwart gesellt sich Thomas Danneberg, der als Erzähler der Geschehnisse im Jahre 1936 brilliert. Ich wünsche mir sehr, dass dieses Konzept nochmals aufgegriffen wird. Wiederholungen mögen langweilig erscheinen; die Gefahr sehe ich hier allerdings nicht.
"Die Fänge des Windes" ist ein hervorragendes Hörspiel, welches auch nach vielen Jahren immer noch zu den Top 5 gehört. Eine wahre Hörspielperle.