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"Damals...", so muß eigentlich diese Rezi beginnen. Denn immerhin ist UP EVIL nunmehr seit 1993 auf dem Markt. Dennoch hält es sich hartnäckig unter meinen persönlichen Longplayer-Favoriten - weil das Album brachialen Front 242-Stil, akustische Avantgarde, beklemmende Emotionen und schlichtweg gute, anspuchsvolle Musik auf geniale Weise vereint.
Und: es ist eines der wenigen Alben überhaupt, die ich gerne von vorne bis hinten durchhöre - einmal, weil es für meine Begriffe keine schwachen Stücke enthält, aber auch, weil ich UP EVIL als eine Art postmodernes Gesamtwerk wahrnehme. Konzept-Album wäre zuviel hineininterpretiert, aber das Ding wirkt auf mich wie aus einem Guss, fast wie "Cyberpunk" von Billy Idol.
"Damals..." hat es große Diskussionen gegeben, ob UP EVIL überhaupt noch ein "echtes" Front 242-Album sei: Zu sehr Pop(?), zu wenig Härte, nicht kalt genug etc. - eben nicht das, was unterbelichtete Kritiker oder auf der Stelle tretende EBMler erwarteten, den Aufguß des Vorgängers.
Verfolgt man aber die akustische Entwicklung der Belgier, möchte ich UP EVIL als bisher bestes und auch konsequent fortgesetztes Werk bezeichnen - lustigerweise haben FRONT 242 das Genre EBM zwar qausi begründet, sie waren aber mutig genug diesen kleinen Teich bald zu verlassen und sich fortzuentwickeln. UP EVIL ist denn auch das konsequente Ergebnis dieser steten experimentellen Weiterentwicklung, die Anfang der 80er mit den ersten Synthesizern ihren Anfang nahm und von harten elektronischen Sound, der stark industrial-lastig war, sich bis Ende der 90er zu organischeren aber weiterhin avantgardistischen Formen wandelte.... Wenn man so will, ist man stilistisch von "Terminator" bei "Alien" gelandet.
Für meine Begriffe ist das Album auch grudsätzlich unterschätzt. Denn ohne UP EVIL, seinen komplexen Sound, hätte es sicherlich nie Acts wie Liam Howlett a.k.a. The Prodigy in der Öffentlichkeit gegeben. Und so wirkt UP EVIL denn auch weniger wie ein Produkt aus der Stahlpresse, sondern eher wie die Ausgeburt aus einem illegalen Genlabor: Organisch, schwärend, wuchernd, unfassbar, hinter Dir... Nichts fürs Kaffeekränzchen.
Gerüchten zufolge soll das Album auf 48 Spuren aufgenommen worden sein, und ich bereit dies zu glauben. Selbst nach 10 Jahren kann ich mir den kompletten Longplayer von vorne bis hinten anhören, und entdecke, je nach Abspielgerät und Equalizer-Einstellung, immer noch neue Töne, Geräusche, Sequenzen. Irre! Da ist so viel Tiefe in den Arrangements, es macht richtig Spaß auf akustische Entdeckungsfahrt zu gehen. Wer also schon immer wissen wollte, wofür die ganzen Regler, flirrenden Dioden oder Soundeinstellungen seiner HiFi-Anlage gut sind - hier kann man es austesten. Und gute Musik genießen, die ihrer Zeit um gut drei Jahre voraus war und auch heute noch nicht antiquiert klingt.
PS: Wem UP EVIL gefällt, dem sei auch das Parallel-Album OFF empfohlen, das für sich alleine genommen wenig begeistert. Es enthält Neu-Aufnahmen einiger UP EVIL-Titel, die von der amerikanischen Band "Spill" bearbeitet wurden.Lesen Sie weiter... ›
Up Evil ist das erste von zweineinhalb Alben von Front 242 im Jahre 1993. Ihren Sound ständig weiterentwickelnd bringt diese CD ruhige Ambientelemente mit verzerrten Vocals und plötzlich einsetzenden schnellen Basslines mit sich. Sie passen sich dem Trend der Zeit an und setzen mit diesem Album neue Maßstäbe. Alteingefleischte Front-Fans könnten ein Problem mit dem neuen Sound haben. Es lag ja auch eine lange Zeit zwischen diesem und dem letzten Album. Herausragend ist hier "Religion" zu bewerten, das ja auch als Single ausgekoppelt wurde. Dieses Stück paßt zwar eigentlich nicht zu den anderen Stücken aber es bringt eine ernste Stimmung rüber. Diese DC eignet sich auch zum entspannten Nebenbeihören, sofern man Relgion ausklammert. Alles in Allem eine TOP-CD!!!
1993 hatte Belgien im Griff und 06:21:03:11 Up Evil wird geschaffen. Breakbeat(Experience) war im kommen, Industrial Rock(The Land of Rape and Honey) im vollen Rollen und EBM einschränkend ausgelutscht. F242 zogen ihre Konsequenz insbesondere weil EPIC entsprechende Leistungen erwarteten. Dem Industrial Rock Trend gescholten kann allemal der Videohit Religion verstanden werden, der wie viele andere Stücke des Albums mit gesampelte Gitarren, und entgegen dem Gros des Albums mit einem klar treibendem Rhytmus nach vorne prescht. Der Rest ist eine Menge guter Musik auf der Suche nach der Front242Ausdrucksform Anno 1993. Wie gesagt Breakbeat(Skin) und Industrial Rock(Crapage/Motion) sind durchaus präsent, AcidTechno scheint ebenso ein Thema wie Electro(Stereoscape) und doch bleiben Front dem EBM irgendwie treu. Kalt geschobene Stücke wie Hymn erinnern durchaus an Kampfbereit vom Debütalbum. Einen kreativen Vorwurf kann man der Band sodann nur machen wenn man in Ewigkeit den gleichen Stampfteppich hätte erwarten wollen oder einen noch radikaleren Sprung befürwortet hätte. An Abwechslungsreicher Unterhaltung in Sachen elektronischer Musik waren F242 Mitte der 90er kaum zu überbieten nur das Publikum wollte noch nicht so ganz.