Die Nummerierung der Hörspielfolgen durch Europa ist etwas irreführend und entspricht nicht der Publikationsfolge der US-amerikanischen Romanvorlagen. Tatsächlich war die Folge um das "Terror Castle", das Gespensterschloss also, die erste, die Robert Arthur, der Erfinder der Drei ???, verfasst hat (1964 war das!). Zu den einzelnen Folgen:
Nr. 10 - "Flüsternde Mumie": Wieder einmal wendet sich Alfred Hitchcock an die drei Jungdetektive. Einer seiner Freunde, der Altägypten-Experte Professor Yarborough, muss sich in seinen vier Wänden mit einem sprechenden Sarkophag herumschlagen. Nicht genug damit: Die Mumie darin flüstert nur, wenn sie allein mit dem Professor ist. Wie kann ein 3000 Jahre alter Leichnam die Identität seiner Besucher erkennen? Wie kann er überhaupt flüstern? Die Lösung dieses kniffligen Falls fordert höchstes Engagement von den Drei ??? und vollen Einsatz von allerlei zeitgemäßer Technik (Walkie-Talkies: wir schreiben 1964!). Justus findet schließlich die (sehr moderne) Lösung dieses (scheinbar sehr alten) Falles...
Spannender Plot, überzeugende Auflösung, ausgezeichnete Besetzung der Sprecherrollen: das ergibt glatte fünf Sterne.
Nr. 11 - "Das Gespensterschloss": Sozusagen "der" Klassiker unter den Drei-???-Folgen. Alfred Hitchcock wendet sich an die Drei Detektive, weil er für ein Filmprojekt ein Spukschloss sucht - gar nicht so einfach in Kalifornien... Bob stürzt sich sogleich in Recherchen und wird fündig: Das Gespensterschloss des ehemaligen Stummfilm-Stars Stephen Terril scheint der rechte Ort zu sein. Bei einem Lokalaugenschein müssen die Drei ??? jedoch erkennen: Hier spukt es wirklich!! Sind tatsächlich übernatürliche Kräfte am Werk, vielleicht gar der Geist des verstorbenen Stephen Terril, der den Karriereknick nach dem Anbruch der Tonfilmära nicht verwinden konnte, sich das Leben nahm und schwor, aus dem Jenseits Rache zu üben? Justus behält einen kühlen Kopf, und obwohl es sehr brenzlig wird für ihn und Peter, können die Drei ??? zum Schluss die ebenso überraschende wie überzeugende Lösung des Falles präsentieren - sogar gegenüber dem "Gespenst" persönlich...
Eine rundum überzeugende Folge, die sich als Klassiker eigentlich noch einen Extra-Stern verdient hätte; so: fünf Sterne.
Nr. 12 - "Der seltsame Wecker": Justus findet in einem Karton auf dem Schrottplatz höchst eigentümlichen Trödel: einen Wecker, der schreit! Er und seine Kollegen Peter und Bob lassen nicht locker, um das Geheimnis des kreischenden Weckers zu lösen. Bei ihrer Suche nach weiteren Anhaltspunkten tauchen noch mehr schreiende Uhren auf, und außerdem allerlei Zettel, auf denen der Besitzer der seltsamen Zeitmesser in verschlüsselter Botschaft Hinweise auf etwas sehr Wertvolles versteckt hat.
Die Folge ähnelt in ihrer Konzeption sehr stark jener des "Super-Papageis" (Europa-Folge Nr. 1): Eine Schnitzeljagd, an deren Ende nicht nur kostbare Bilder, sondern auch der undurchsichtige Kunstdieb Victor Hugenay stehen. Obwohl der Plot mitsamt der Auflösung nicht unplausibel ist, hätte Robert Arthur diese Quasi-Kopie der "Superpapagei"-Folge besser unterlassen: Wer diese kennt, ist beim "seltsamen Wecker" kaum mehr überrascht - höchstens durch das wirklich unerträgliche Uhrengekreische... Daher: knapp vier Sterne.
Ceterum censeo: Als mit den frühen "Drei-???"-Hörspielkassetten Sozialisierter merke ich mit Betrübnis an, dass die neuen Songs nicht die Qualität der ursprünglichen Musiken erreichen (diese dürfen aufgrund der Rechteinhaberschaft nicht mehr verwendet werden). Insbesondere die neue Titelmusik kann es nicht mit den früheren Titelmelodien aufnehmen, und auch manche musikalischen Übergangsmusiken zwischen zwei Erzählsequenzen muten äußerst lieblos an.