Erster Eindruck: Neuaufnahme eines Klassikers
Im Turm der Burg Eulenstein lebt das kleine Gespenst, das mit seinem Schlüsselbund alle Türen öffnen kann. Mit seinem Freund, dem Uhu Schuhu unterhält es sich über vergangene Zeiten, spukt auf der Burg herum und legt sich wieder um Punkt ein Uhr nachts schlafen. Doch so gerne würde es einmal den Tag sehen, und tatsächlich - plötzlich wacht es immer um 12 Uhr mittags auf. Und da richtet es einige Verwirrung an...
Aus dem Jahre 1966 stammt das Buch über das kleine Gespenst von Otfried Preußler, das längst zum Klassiker der Kinderliteratur geworden ist. Auch eine Vertonung gibt es bereits, doch nun hat Universal unter seinem Label Karussell eine Neuumsetzung des Stoffes als zweiteiliges Hörspiel veröffentlicht, die sich genügend vom Erstling unterscheidet, um neue Aspekte zu gewinnen, aber trotzdem noch den Charme und den Witz behält. Der stärkste Unterschied liegt in der Darstellung des kleinen Gespenstes, das hier wesentlich "spukiger" und wilder ist als sein ruhiger und freundlicher Vorgänger. Die Geschichte an sich ist liebenswert und lustig, wenn das Gespenst die für ihn völlig neue Welt bei Tag entdeckt ist natürlich auch für einiges Chaos gesorgt. So kommt ein charmantes, fast 70-minütiges Hörspiel dabei heraus, deren einziger Kritikpunkt ist, dass das Ende recht abgehackt wirkt. Aber es gibt ja noch Teil 2...
Das kleine Gespenst wird von Michael Habeck gesprochen. Er interpretiert die bekannte Kinderfigur auf seine eigene Weise, krächzt, schreit und spukt dass es eine Freude ist. Der weise Uhu Schuhu wird von Fritz Lichtenhahn gesprochen, der ihn charmant und leicht schrullig werden lässt. Als Erzähler ist Peter Striebeck zu hören, dessen warme Stimme auf angenehme Art durch die Geschehnisse führt. Die meisten anderen Rolen sind eher kleine, werden aber von hervorragenden Sprechern wie Horst Breiter, Claus Fuchs oder Hans Kemner gesprochen.
Die Handlung ist mit Liedern vom kleinen Gespenst ausgeschmückt, was zwar eigentlich sehr schön ist, für Erwachsene aber etwas nervig sein kann. Die kleinen Zuhörer, an die das Hörspiel gerichtet ist, dürften aber begeistert sein. Auch die Geräuschkulisse ist gelungen, ohne sich zu sehr aufzudrängen.
Das Cover zeigt natürlich das Motiv, welches seit Jahren auch die Bücher ziert. Es ist in seiner Schlichtheit bezaubernd und ist durch eine eine ebenso schlichte Aufmachung umrahmt. Schön ist, dass auch die restlichen Kinderklassiker, die neu aufgenommen worden sind, in diesem Stil gehalten sind, sodass sich eine klare Linie bildet.
Fazit: Witzig, charmant und ein bisschen gruselig, das ist genau die richtige Mischung für diese Produktion. Sehr empfehlenswert!