Inzwischen dürfte es kein großes Geheimnis mehr sein, welches Hörspiel sich hinter dem Sneak von Europa verbirgt. Richtig, Dragonbound Folge eins. Nach dem wohl nicht allzu erfolgreichen Experiment mit dem Schwarzen Auge wagt sich Europa wiederum an eine Fantasy-Hörspielreihe, die von einem auswärtigen Studio produziert wird. In diesem Falle heißt jenes Gigaphon und steht unter der Leitung von Martin Sabel, der auch als Sprecher schon in einigen Produktionen mitgewirkt hat und dies ebenso in dieser tut.
Nun, was darf man erwarten?
Zunächst einmal einen Erzähler namens Jürgen Kluckert, der in dieser Rolle ganz unwillkürlich an die Hörspielserie Gabriel Burns erinnert. Kluckerts Art zu Sprechen trägt den gleichen geheimnisvollen Touch, woran die vorzutragenden Texte aber nur zum Teil ihren Anteil haben. Denn obwohl es hier phasenweise sehr wohl düster und mysteriös zugeht, so doch längst nicht in dem Maße wie es bei Gabriel Burns der Fall ist.
Was bedeutet dies also letztlich? Ist der Einsatz von Jürgen Kluckert geglückt? Das sehe ich durchaus so. Sein Timbre schafft hier sofort eine besondere Bindung. Allein wenn er die Prophezeihung vorträgt.
Kluckert ist hier so ziemlich der bekannteste Sprechername, der einem hier begegnet. Auch hier die Frage, ob sich das eher vor- oder nachteilig auf das Hörspiel auswirkt. Ganz so pauschal lässt sich dies nicht beantworten, daher an dieser Stelle eine etwas aufgeschlüsseltere Betrachtung.
Neben Jürgen Kluckert gibt es noch einen etwas weniger distanzierten Erzähler bzw. eine Ezählerin. Bettina Zech, die hier zudem die Hauptfigur Lea verkörpert. Immer wieder drängen die Gedanken der Protagonistin in die Dialoge, in einer Art, bei der man sich bisweilen im ersten Moment nicht ganz sicher sein kann, ob sie diese Worte nicht womöglich doch laut ausgesprochen hat. Ein Stil, der mir persönlich sehr zusagt und der auch eine stärkere Bindung an die wichtigste Figur der Geschichte schafft. Diese ist ja allein schon deswegen verstärkt gegeben, da man sich als Hörer genauso wie sie zum ersten Mal in eine fremde Welt hineinversetzt findet.
Im Laufe der Handlung ist es vor allem Telon, der an Leas Seite auf ihrem Weg steht. Dieser wird verkörpert von Christian Rudolf, der den strahlenden Krieger und Frauenheld ganz wunderbar zu mimen versteht.
Martin Sabel als tolpatschig veranlagter Dogo sowie der mit einer markanten Stimme gesegnete Robert Lenkey als Magier Malrik runden das Bild der eher unbekannten Sprecher, die die aber nichtsdestotrotz eindrucksvolle Darbietungen abliefern, eindrucksvoll ab.
Um was dreht sich die Handlung aber überhaupt?
Kurz gesagt: Zeitreisen. Doch ganz so auf den Punkt lässt sich die Story dann wiederum doch nicht bringen. Lea ist die erste, welche durch das Portal tritt. Das Portal, welche die Zeitreise ermöglicht, wenn auch nur an einen bestimmten Ort zu einer festgelegten Zeit. Gesichert in einer Transportkapsel und gehüllt in das enge Kleid aus dem 18. Jahrhundert tritt sie den ungewissen Weg an. Doch dann geht etwas schief. Lea landet nicht dort, wo ursprünglich vorgesehen, sondern in einer Welt, die zwar sehr an die ihre erinnert, aber noch eine Menge mehr zu bieten hat. Auf der Suche nach dem Rückweg stürzt sie ein großes Abenteuer...
Verloren in einer neuen Welt voll von Magiern und Drachen und im Angesicht des Krieges - das klingt zunächst bedrohlicher als es sich nachher tatsächlich darstellt. Als Hörer ist man Lea in Bezug auf die Einschätzung der neuen Umgebung zwar stets einige Schritte voraus, nichtsdestotrotz bleiben viele unbekannte Faktoren zurück, so dass vor allem der zweiten Teil einige wirklich spannende Momente bereit hält. Allerdings darf man diesbezüglich gerne noch eine Schippe draufsetzen. Sei es allein durch einen nicht ganz so linear angelegte Handlungsverlauf.
Der Unterhaltungswert ist aber das gesamte Hörspiel über hinweg absolut gegeben und ohne Zweifel kann man auch von einem gelungenen Einstieg in eine interessante Fantasywelt sprechen.
Die Musik drängt sich zwar nicht allzu sehr in den Vordergrund, erfüllt ihre Aufgabe aber sehr ordentlich. Vielleicht mag man später hier und da noch etwas mehr aufdrehen, was gewiss kein Schaden wäre.
Fazit: Ein Auftakt, der sich - wie bei Fantasy üblich - zunächst mal vor allem damit befasst, einem die neue Welt näher zu bringen. Dies geschieht hier einerseits auf eine eher amüsante, aber genauso auch schon ereignisreichere Art. Die akkustische Umsetzung ist sehr stimmig und so füge ich gerne noch das Attribut "vielversprechend" vor Auftakt hinzu.